Kiew - Stadtansicht im Winter
Nur kaltes Wasser im Winter? In Kiew nichts ungewöhnliches. Bildrechte: imago/Ukrinform

Das Problem mit dem warmen Wasser Kiew friert

Warmes Wasser aus der Leitung - für die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist das keine Selbstverständlichkeit. Bürgermeister Vitali Klitschko fordert deshalb eine lokale Warmwasserversorgung.

von Denis Trubetskoy

Kiew - Stadtansicht im Winter
Nur kaltes Wasser im Winter? In Kiew nichts ungewöhnliches. Bildrechte: imago/Ukrinform

Rund ein halbes Jahr musste die Hälfte der knapp drei Millionen Einwohner Kiews 2018 ohne Warmwasser auskommen. Und obwohl die Warmwasserversorgung Ende Oktober vergangenen Jahres wieder hergestellt wurde, bleibt sie in dieser Wintersaison nicht problemlos, vereinzelte Ausfälle sind eher die Regel als die Ausnahme. 

Wladyslaw Sasljonjuk
Wladyslaw Sasljonjuk ist auf autonome Gasheizung umgestiegen. Bildrechte: MDR/Denis Trubetskoy

Eigentlich ist es in Kiew nichts ungewöhnliches, dass man für einige Wochen ohne Warmwasser überleben muss - vor allem im Sommer. Das wird, genau wie die Fernwärme für die Heizung, in der Ukraine zentral angeboten. "Angenehm ist das nicht, doch im Sommer geht das schon", erzählt der 25-jährige Wladyslaw Sasljonjuk, der mit seiner Freundin und seinem Vater in einem Neubau am Stadtrand Kiews wohnt.

Schulden und veraltete Infrastruktur

Das Energieunternehmen Kiewenergo, das dem Oligarchen Rinat Achmetow gehört, schrieb immer wieder rote Zahlen und häufte gegenüber dem staatlichen Energiekonzern Naftogas, auf dessen Gas es angewiesen ist, einen Schuldenberg von 160 Millionen Euro an. Deswegen musste Kiewenergo zumindest im Sommer an der Warmwasserversorgung sparen.

Ein weiterer Grund ist, dass in der Regel jeden Sommer, zwei Wochen lang an der längst veralteten Infrastruktur gearbeitet wird. Sie gehört zu den größten Problemen Kiews. "Im letzten Jahr hatten wir von Mai bis Oktober überhaupt kein Warmwasser. Das hat unseren Wohnblock dazu bewogen, endlich auf Gasheizung umzustellen." Eine Entscheidung, die immer mehr Kiewer treffen.

Entprivatisierung des Energie-Netzes

Im letzten Frühjahr ist der Vertrag zwischen Kiewenergo und der Stadt Kiew nach 16 Jahren ausgelaufen. Bürgermeister Vitali Klitschko kündigte schon vor Jahren an, den Vertrag nicht zu verlängern, um so die Energie-Infrastruktur besser zu kontrollieren. Demnach bereitet sich Kiew seit etwa zwei Jahren darauf vor, die Kontrolle über das Energienetz der Stadt zu übergeben - und zwar an das neugegründete, staatliche Unternehmen Kiewteploenergo.

Dazu gehört auch die Eingliederung der Wärmekraftwerke in das kommunale Eigentum. Das Problem: Die Stadt Kiew wollte die Schulden der vorherigen Firma Kiewenergo nach deren Übernahme nicht bezahlen. 

Dank finanzieller Unterstützung der ukrainischen Regierung konnte die Warmwasserversorgung in der zweiten Oktober-Hälfte wiederhergestellt werden. Doch der Konflikt ist damit nicht gelöst, sondern vorerst auf Eis gelegt. Erst nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in diesem Jahr wird die neue Regierung dieses Thema wohl wieder anpacken.

Kein Warmwasser den ganzen Sommer lang

Anders als bei Wladyslaw Saslonjuk, wird die Wohnung von Maksym Krawez im Kiewer Stadtzentrum - wie die meisten Wohnungen der Stadt - zentral mit Warmwasser versorgt. "Der Sommer lief bei uns etwas besser als in anderen Bezirken", sagt der 33-Jährige.

Maksym Krawez
Maksym Krawez Bildrechte: MDR/Denis Trubetskoy

Er spielt darauf an, dass rund die Hälfte der Stadt den ganzen Sommer lang kein Warmwasser hatte. Krawez musste nur rund einen Monat ohne Warmwasser auskommen: "Das ging schon. Ich besuche regelmäßig ein Schwimmbad, das ist immer eine gute Lösung." Vor allem jetzt: Während die Heizung bei Krawez seit Mitte Oktober problemlos geht, hat er weiterhin Schwierigkeiten mit dem Warmwasser. "Immer wieder gibt es einen Tag pro Woche, an dem es kein Warmwasser gibt. Und der kommt immer überraschend."

Warmwasserkosten um 22 Prozent gestiegen

So wie Krawez geht es den meisten Kiewern. Die Heizung geht, doch die Warmwassersituation bleibt unberechenbar – unter anderem deswegen, weil die Wärmekraftwerke wegen der schwierigen finanziellen Lage nicht voll im Einsatz sind, aber auch wegen der alten Infrastruktur, die immer wieder kaputt geht.

Und während die Heizungs- und Warmwassertarife für die Bevölkerung wieder um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erhöht wurden, weil die Ukraine sich als Grundbedingung für Kredite der internationalen Organisationen verpflichtete, die Preise an das internationale Marktniveau anzupassen, wirbt der Kiewer Bürgermeister Klitschko generell für einen Verzicht auf die zentrale Warmwasserversorgung. "Wir müssen diesen Schritt irgendwann machen", sagte er noch im letzten Jahr. "Es ist einfach zu teuer für die Bürger und auch für die Stadt. Die Transportkosten, die Aufheizung des Wassers sowie die Versorgung des existierenden Wassernetzes ist wirklich viel Geld. Diese Fragen werden in ganz Europa lokal gelöst. Dann ist alles viel billiger."

Wie schnell Kiew wirklich auf eine lokale und autonome Warmwasserversorgung umsteigen kann, ist fraglich. In Neubauten wie bei Wladyslaw Saslonjuk geht das ziemlich problemlos, ältere Wohnblocks sind aber fest an das zentrale Netz gebunden - und die gibt es in großer Zahl. Der Umbau der Infrastruktur würde daher viele Jahre dauern und ebenfalls viel Geld kosten. "Es ist ein großes Vergnügen, nicht mehr vom zentralen System abhängig zu sein", sagt Saslonjuk. "So billig ist sie aber nicht. Man sollte nicht vergessen, dass die Strompreise genauso schnell steigen wie andere Tarife auch."

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im TV: MDR | 10.04.2016 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 09:16 Uhr

Zurück zur Startseite