Corona-Einschränkungen Ostern in Polen: Heimgebet statt Gottesdienst

87 Prozent der Polen sind Katholiken. Ostern gilt in Polen als das wichtigste christliche Fest des Jahres. Doch in der Corona-Krise ist diesmal alles anders.

Eltern besuchen mit ihren Kindern die Palmsonntagsmesse
Normalerweise sind polnische Kirchen zu Ostern bis auf den letzten Platz gefüllt. Bildrechte: IMAGO

Normalerweise sind an Karsamstag die polnischen Straßen in den Städten voll mit Familien, die kleine mit Buchsbaum geschmückte Körbe zur Kirche tragen. Darin: ein Stück Butter in Form eines Lamms, Brot, Salz, Wurst, ein Ei. Denn eine der wohl wichtigsten polnischen Ostertraditionen ist es, die Speisen in der Kirche mit Weihwasser segnen zu lassen, um sie im Familienkreis am Ostersonntag zu essen.

Doch ein "normalerweise" wird es dieses Jahr auch in Polen nicht geben. An Ostern werden die Bänke der Kirchen leer sein. Maximal fünf Gläubige sind gleichzeitig in einer Kirche erlaubt. Denn auch in Polen gelten strengen Kontaktbeschränkungen in Zeiten von Corona.

"Drive-In-Segnung" abgesagt

Ein Priester aus der Kleinstadt Wolbórz 120 Kilometer vor Warschau wollte sich die Tradition der Segnung auch in Corona-Zeiten nicht nehmen lassen und bot seinen Gemeindemitgliedern eine Art „Drive-In-Segnung“ an: ab ins Auto, Korb auf dem Schoß und vorbei am wasser-sprenkelnden Priester.

Die Idee kam in polnischen Medien gut an. Doch der Priester wurde von seinem Bischof zurückgepfiffen, die „Drive-In-Segnung“ wurde abgesagt. Stattdessen empfiehlt die Kirche, das Gebet zu Hause selber zu sprechen und den Gottesdienst im Fernsehen oder online zu verfolgen.

Ostern ist großes Familienfest

Ostern wird in Polen traditionell in "großer Runde" gefeiert: Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen, Oma, Opa – alle kommen zusammen. Dafür reist die Familie aus ganz Polen und Europa an. Megastaus auf den deutschen Autobahnen Richtung Polen gibt es vor dem Osterwochenende jedes Jahr, auch ohne Krise.

Für Sylwia aus Warschau gehört der Kirchgang an Ostern seit ihrer Kindheit zur Pflicht. Das erste Mal in 37 Jahren wird sie nun keinen Oster-Gottesdienst besuchen. Es wird eher ein trauriges Fest, glaubt sie. Eigentlich fahren die 37-Jährige und ihr Freund mit dem Sohn zu ihrer Mutter im knapp 200 Kilometer entfernten Toruń. "Das fällt dieses Jahr natürlich aus." Die kleine Familie bleibt zu Hause in der Hauptstadt. "Ich versuche guter Laune zu bleiben, aber das ist manchmal schwer."

Andere freuen sich über das eingeschränkte Osterfest, etwa so manche polnische Frau. Denn zum polnischen Ostern gehört auch ein etwas obskure Tradition. Zum "Śmigus-Dyngus" am Ostermontag übergießen junge Männer wildfremde Frauen auf der Straße mit Wasser; in den Familien begießen Kinder die Erwachsenen. Auch das fällt dieses Jahr aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. April 2020 | 07:15 Uhr

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