Merkel zu Besuch im Konzentrationslager Wie Konservatoren die Überreste von Auschwitz-Birkenau retten

Am Freitag besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel zum ersten Mal in ihrer Regierungszeit das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Bereiche des Geländes sind für Besucher allerdings gesperrt. Denn die Gebäude sind vom Verfall bedroht. Ein Team von Konservatoren versucht nun, die Überreste zu erhalten.

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
Knapp 75 Jahre nach der Befreifung von Auschwitz-Birkenau sind von einigen Gebäuden nur noch Ruinen übrig. Bildrechte: imago images/Stefan Zeitz

700 Menschen haben zwischen 1941 und 1945 in der Baracke 138 des Vernichtungslagers Birkenau gehaust. In drei Etagen haben sie auf Pritschen geschlafen – die unterste war blanker Stein. Heute bewahren ein paar Stützbalken die Baracke vor dem Einsturz. 45 dieser ehemaligen Häftlingsunterkünfte stehen in Birkenau. Sie alle befinden sich in einem kritischen Zustand.

Baracken von Häftlingen gebaut

Fast 75 Jahre nach seiner Befreiung drohen die Überreste des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau zu zerfallen. Als die Häftlingsbaracken damals gebaut wurden, waren sie nicht dazu gedacht, so viele Jahre zu überdauern. Unter unmenschlichen Bedingungen und mit einfachen Materialien wurden die Baracken von Häftlingen gebaut. Noch kurz vor der Befreiung des Lagers im Januar 1945 durch sowjetische Truppen hatten die Deutschen versucht, die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen und zerstörten viele Gebäude. Gleich nach dem Krieg begannen aber die Überlebenden damit, das Lager als Gedenkstätte zu erhalten. Seit 2007 ist es UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine Fläche so groß wie 280 Fußballfelder

Ein Team von Spezialisten hat nun die Aufgabe, diesen Ort zu erhalten. Die Größe des Geländes, es umfasst fast 200 Hektar, stellt das Team dabei vor eine große Herausforderung. Darauf befinden sich 150 Gebäude und weitere 300 Ruinen. Dazu kommen Wege, Straßen, Bahngleise und Stacheldrahtzäune. 38 Staaten und mehrere Institutionen finanzieren die Arbeit der Stiftung. Bei der Ankündigung von Merkels Besuch in Auschwitz Ende November sicherte die Bundesregierung zu, 60 Millionen Euro für die Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich um den Erhalt kümmert, zur Verfügung zu stellen.

Altes Gebäude unter einem Zeltdach, im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau
Um die Baracke bei den Konservierungsarbeiten zu schützen, wird ein Zeltdach installiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die historische Substanz erhalten

Konservatorenarbeiten an alten Holzbalken, im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau
Die Konservatorin Joanna Chrząszcz-Wronka bei der Arbeit an einem Holzbalken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Ziel der Konservatoren ist es, so viel wie möglich von der historischen Substanz dieser Objekte zu erhalten. Die Kunsthistorikerin Joanna Chrząszcz-Wronka verbindet mit ihrer Arbeit einen besonderen Sinn: "Wenn wir uns nicht damit beschäftigen, dann würde sich irgendwann niemand mehr daran erinnern. Wir könnten auch alles verfallen lassen und dann wird es zu Staub, aber dann würden wir der Nachwelt nichts hinterlassen."

Arbeiten wie ein Uhrwerk

Konservatoren, Archäologen, Bauleute – am Erhalt der Bauwerke sind fachübergreifende Berufe beteiligt, die wie ein Uhrwerk funktionieren müssen. Bauleiter Łukasz Szoblik schildert die große Kompromissbereitschaft aller Gewerke: "Ohne unser Verständnis dafür, was die Konservatoren oder die Archäologen wollen, wäre es schwierig einen Konsens zu finden. Oft gibt es nicht die eine Lösung, die alle Gewerke zufriedenstellt, denn schließlich müssen alle Anforderungen unter einen Hut gebracht werden."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL TV | 06. Dezember 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 05:00 Uhr