Weg von der Straße Kein Geld für polnische Obdachlose

In Berlin leben etwa 10.000 Menschen auf der Straße. Tausende kommen aus Osteuropa. Eine Hilfsorganisation aus Polen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Landsleute wieder nach Hause zu holen. Nun wurde die Finanzierung aus Polen überraschenderweise nicht verlängert.

Obdachlose Polen
Bildrechte: MDR/Jan Mammey

Wojciech Greh ist am Boden zerstört. "Ich bin wirklich traurig, dass wir unsere Arbeit, die so gut angelaufen war, nicht mehr machen können", sagt der Sozialarbeiter. Greh hat für die polnische Stiftung BARKA als Teil eines Modellprojekts gearbeitet. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, polnische Obdachlose in Berlin zurück in ihre Heimat zu bringen.

Der polnische Senat hatte das Projekt mit rund 35.000 Euro finanziert. Die Stiftung beantragte eine Fortführung der Arbeit auch für das Jahr 2019, diese wurde jedoch abgelehnt. Bis zuletzt rechneten sie mit einer Fortsetzung. Zumal sie das gesetzte Ziel in den vier Monaten des Modellprojekts, 14 Polen in die Heimat zu bringen, erfüllten: Die Sozialarbeiter halfen 23 Obdachlosen aus Berlin, in Polen wieder Fuß zu fassen. Doch BARKA bekommt nun kein Geld mehr für das Projekt und seine zwei Mitarbeiter in Berlin.

Zwei Sozialarbeiter auf einer Straße am Alexander Platz in Berlin
Wojciech Greh und sein Kollege Darek hatten bis Dezember 2018 polnische Obdachlose aus Berlin nach Polen gebracht. Nun können sie diese Arbeit nicht mehr weitermachen. Bildrechte: MDR/Jan Mammey

Überraschende Entscheidung

"Wir sind sehr enttäuscht über die Entscheidung", sagt Wojciech Greh. Die Stiftung Barka hatte fest mit einer Verlängerung gerechnet und der Sozialarbeiter hatte aus diesem Grund im Januar 2019 weitergearbeitet, obwohl das Modellprojekt nur bis Ende Dezember 2018 lief und er längst keine Bezahlung mehr bekam.

Heute im Osten: Obdachlos im Nachbarland 15 min
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Heute im Osten Sa 23.02.2019 18:00Uhr 14:49 min

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Arbeit gibt es genug

Wojciech Greh arbeitet noch immer in Teilzeit bei der Stadtmission in Berlin und kümmert sich auch dort um Obdachlose. Doch anders als deutsche Hilfsorganisationen war BARKA die einzige, die obdachlose Polen nicht nur in ihre Heimat zurück brachte, sondern sie auch vor Ort weiter betreute. "Polnische Obdachlose, die kürzer als ein Jahr in Deutschland sind und ein Alkoholproblem haben, kriegen hier keine Entgiftungstherapie. In Polen können wir ihnen das bieten", so Wojciech Grech. Auch die anfängliche Skepsis deutscher Vereine gegenüber der polnischen Kollegen in Berlin sei im Laufe des Modellprojekts verflogen, so der Sozialarbeiter. Monatelang hatte er Strukturen aufgebaut, die jetzt durch fehlendes Geld brach liegen.

Zwei Männer auf dem Rücksitz eines Autos.
Die Mitarbeiter von BARKA begleiten einen Mann im Herbst 2018 zurück nach Polen. Bildrechte: MDR/Jan Mammey

BARKA will weitermachen

Wojciech Greh plant nun, mit der Stiftung BARKA einen deutschen Verein zu gründen und sich innerhalb Deutschlands um eine Finanzierung zu kümmern. In den Niederlanden habe das bereits sehr gut funktioniert: Dort ist BARKA mit 20 festangestellten Mitarbeitern für polnische Obdachlose aktiv. In Deutschland werde das aber sicher noch einige Monate dauern - und die schwerste Zeit für Obdachlose, nämlich der Winter, sei dann schon wieder vorbei.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell auch im Radio: 12.01.2019 |07:15 Uhr

(adg)

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 16:10 Uhr

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