Ländername Belarus oder Weißrussland? Wie das osteuropäische Land wirklich heißt

Weißrussland ist eine der ehemaligen Sowjetrepubliken, die nach dem Ende der UdSSR, eigenständig wurden. Inzwischen spricht man auch hierzulande meist von Belarus. Wie heißt das Land denn nun? Häufig werden beide Ländernamen als Synonym benutzt. Doch ist das überhaupt richtig? Und warum gibt es überhaupt diese zwei Bezeichnungen für das osteuropäische Land?

Flagge Belarus
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Auf den ersten Blick bedeuten Weißrussland und Belarus dasselbe. Wortwörtlich. Denn sprachlich betrachtet ist Weißrussland nur die Übersetzung von Belarus, erklärt Stafan Raabe, ehemaliger Leiter des Programms "Belarus" der Konrad-Adenauer-Stiftung: "Das Wort kommt aus dem russischen oder weißrussischen: Bjelarus oder Bjelarussia. Und die deutsche Bezeichnung "Weißrussland" ist eine Übersetzung."

Farbe oder Himmelsrichtung?

"Rusʼ" geht dabei auf ein mittelalterliches ostslawisches Herrschaftsgebiet zurück. Und warum "weiß"? Möglicherweise wurden in der Zeit Himmelsrichtungen nach Farben benannt. "Bela" - also weiß – steht demnach für Westen. In dieser etymologischen Betrachtung kommt jedoch eine Sache zu kurz: Die Politik. Und eben aus politischer Perspektive wird die deutsche Bezeichnung "Weißrussland" immer wieder kritisiert. Den Grund erklärt der Kings College-Doktorand und Belarus-Experte Sven Gerst: "Und heute wenn man sagt, Weißrussland oder weißrussisch denkt man auch, ah, das gehört irgendwie zum Teil Russlands."

Für die Belarussen schwer erträglich

Diese Assoziation ist für Belarusen nur schwer erträglich. Denn der Staat ist jung. 1991 wurden die Belarusen unabhängig, erklärt Gerst. Zum allerersten Mal: "Man muss verstehen, dass Belarus in seiner Geschichte immer Teil anderer Großmächte war. Also vom Großfürstentum Litauen bis zur polnisch-litauischen Adelsrepublik, das Zarenreich und dann der Sowjetunion."

Langes "U" und nur ein "S"

Um die inhaltliche Distanz zu Russland noch stärker zu betonen, wird Belarus auch nur mit einem "s" geschrieben. Strenggenommen müsste es also mit langem "u" und stimmhaftem "s" gesprochen werden. Besonders auf politischer und offizieller Ebene wird auf diese Bezeichnung geachtet, sagt Stefan Raabe: "Die amtliche Bezeichnung ist in der Tat Republik Belarus. Wenn sie beim Auswärtigen Amt auf der Seite schauen, bei Reisehinweisen, werden sie da auch finden "Republik Belarus."

Umgangsprachlich geht auch Weißrussland

Es sei in Deutschland absolut legitim den Begriff Weißrussland umgangssprachlich zu benutzen, sagt Raabe. Für weite Teile der belarusischen Bevölkerung hat ihre Nationalitätsbezeichnung aber einen sehr hohen Wert, erklärt Sven Gerst, der sich gerade im Land aufhält. "Dieser Fokus auf das Belarusische steht eben für eine Unabhängigkeitsbewegung, die jetzt eben versucht eine eigene Identität zu bilden."

Noch spricht ein Großteil der Bevölkerung in Belarus etwa russisch. Doch die erste in Unabhängigkeit geborene Generation steuert dagegen. Sie versucht die belarusische Identität zu formen. Etwa indem sie die belarusische Sprache nutzen. Oder in dem sie auf ihre eigene Bezeichnung bestehen: Belarusisch.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. August 2020 | 17:45 Uhr