Mitglieder eines ungarischen Suchteams tragen Ausrüstung auf ein Militärschiff auf der Donau. Fünf Tage nach dem schweren Unglück auf der Donau mit mindestens sieben Toten bemühen sich Einsatzkräfte in Budapest weiter um die Bergung des Wracks.
Mitglieder eines ungarischen Suchteams tragen Ausrüstung auf ein Militärschiff auf der Donau, um die Bergung vorzubereiten. Bildrechte: dpa

Nach der Bergung des Unglücksschiffs Wie sicher ist die Donau-Schifffahrt in Budapest?

Nach der Bergung des verunglückten Ausflugbootes "Hableány" in Budapest werden immer noch vier Menschen vermisst. Die Diskussion um die Sicherheit auf der stark befahrenen Donau im Zentrum von Budapest reißt nicht ab. Ersten Ermittlungen zufolge hat aber menschliches Versagen zu der Katastrophe geführt und nicht grundsätzliche Probleme wie "Überfüllung" des Flusses, zu lasche Vorschriften oder eine veraltete Flotte, hat MDR-Ostbloggerin Piroska Bakos in Budapest herausgefunden.

von Piroska Bakos

Mitglieder eines ungarischen Suchteams tragen Ausrüstung auf ein Militärschiff auf der Donau. Fünf Tage nach dem schweren Unglück auf der Donau mit mindestens sieben Toten bemühen sich Einsatzkräfte in Budapest weiter um die Bergung des Wracks.
Mitglieder eines ungarischen Suchteams tragen Ausrüstung auf ein Militärschiff auf der Donau, um die Bergung vorzubereiten. Bildrechte: dpa

Erst am Dienstag war es gelungen, das stark beschädigte Wrack aus der Donau zu bergen. Bislang war das durch hohen Pegelstand und schlechte Sicht unter Wasser nicht möglich. Taucher fanden weitere Opfer des Unglücks, darunter den Kapitän und das vermisste sechsjährige Mädchen, das in den Armen seiner Mutter lag. Das Wrack wird nun von der Polizei und Staatsanwaltschaft untersucht. Insgesamt starben bei dem Unglück mindestens 24 Menschen.

Sicherheitsvorschriften schon vor zwei Jahren verschärft

Trotz dieser tragischen Bilanz hält der Präsident des Ungarischen Binnenschifferverbandes, Attila Bencsik, die derzeitigen Sicherheitsvorschriften für ausreichend. Diese seien bereits vor zwei Jahren von der Schifffahrtsbehörde verschärft wurden, betont der Experte. Damals wurde langen Kreuzfahrtschiffen verboten, im Stadtzentrum zu wenden. Außerdem müssen die Schiffe viel stärker als früher Funkkontakt halten. Das jüngste Schiffsunglück habe nach jetzigem Stand der Ermittlungen mit den Sicherheitsvorschriften nichts zu tun und sei von menschlichem Versagen verursacht worden, betonte Bencsik, der auch als Ausbilder der angehenden Kapitäne arbeitet.

Experte: Schiffsalter spielt keine Rolle

Atilla Bencsik, Präsident Binnenschiffahrtsverband Ungarn
Das jüngste Schiffsunglück gehe auf menschliches Versagen zurück, nicht auf grundsätzliche Sicherheitsmängel, sagt Attila Bencsik vom Binnenschiffahrtsverband Ungarn. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Unglück haben südkoreanische und chinesische Reisebüros die gebuchten Budapest-Fahrten reihenweise abgesagt. In den südkoreanischen Medien wurde viel über angebliche Sicherheitsmängel berichtet. Auch das dementiert Bencsik. "In den letzten 30 Jahren gab es in Ungarn weniger als 20 Fälle, wo ein Ausflugsboot wegen technischer Mängel gerettet werden musste", erzählt der Experte. "Die Schiffe werden im Allgemeinen viel strenger geprüft als beispielsweise LKW."

Auch das Alter der Wasserfahrzeuge spielt Bencsik zufolge keine Rolle – viele Donauschiffe haben bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel, die versunkene "Hableány" war sogar 70 Jahre alt. "Sie wurde regelmäßig instand gehalten sowie geprüft und hatte alle Zulassungen. Die Regelungen und Voraussetzungen dafür sind übrigens in ganz Europa identisch, da gibt es keine Unterschiede", betont Benscik und verweist darauf, dass Schiffe, ähnlich wie Flugzeuge, Jahrzehnte lang im Dienst bleiben.

Bis zu 70 Schiffe auf 4 Kilometern

Der verunglückte Ausflugsdampfer "Hableány" mit 35 Menschen an Bord war mit einem deutlich größeren Kreuzfahrtschiff zusammengestoßen. Die brandneue "Viking Sygin" unter schweizerischer Flagge war im Rahmen eines achttägigen "Donau-Walzer"-Programmes auf dem Weg nach Passau. Die kleine "Hableány" kam gerade von einer abendlichen Sightseeing-Tour zurück. Diese touristische Nutzung des Flusses sorgt regelmäßig für eine äußerst hohe Schiffsdichte im Zentrum von Budapest.

Dämmerung über Donau und ungarischem Parlament
Eine Donaufahrt gilt als eine der Touristenattraktionen in der Abenddämmerung. Dann erstrahlt das Parlamentsgebäude in eindrucksvollem Licht. Bildrechte: IMAGO/Westend61

Abendliche Sightseeing-Touren, bei denen man das beleuchtete  Parlamentsgebäude und die Burg bewundern kann, seien eine sehr beliebte Touristenattraktion, erklärt Bencsik. So komme es regelmäßig vor, dass zwischen 18 und 20 Uhr auf dem vier Kilometer langen Donau-Abschnitt im Zentrum von Budapest zwischen 50 und 70 Schiffe gleichzeitig unterwegs sind, berichtet der Kapitänsausbilder. "Es ist viel, aber wenn man die strengen, EU-weit einheitlichen Vorschriften einhält, ist das doch gut machbar", sagt Bencsik. Für Benscik hat das jüngste Unglück damit jedoch nichts zu tun:

Die Ermittlungen zeigen bislang, dass die Katastrophe auf menschliches Versagen zurückgeht. Sie hat nichts mit dem starken Verkehr oder mit den Sicherheitsvorschriften zu tun und hätte auf anderen Abschnitten der Donau oder auf dem Rhein genauso passieren können wie hier in Budapest. Unsere ungarischen Schiffskapitäne gehören dank der hohen Ausbildungsqualität zu den besten europaweit.

Attila Bencsik, Präsident des Ungarischen Binnenschifferverbandes

Unglücksschiff binnen Sekunden gesunken

Die kleine "Hableány" mit 33 südkoreanischen Touristen und zwei ungarischen Besatzungsmitgliedern an Bord ist vor zwei Wochen auf dem stark befahrenen Donau-Abschnitt im Zentrum von Budapest mit dem Kreuzfahrtschiff brandneue "Viking Sygin" zusammengestoßen und innerhalb von Sekunden gesunken. Nach der gestrigen Bergung des verunglückten Ausflugbootes "Hableány" in Budapest werden immer noch vier Menschen vermisst. Nur sieben Passagiere haben das Unglück überlebt.

Kapitän vorerst auf freiem Fuß

Der zunächst festgenommene ukrainische Kapitän der "Viking Sygins" wurde unterdessen schon gestern gegen eine Kaution von 15 Millionen Forint (knapp 50.000 Euro) wieder freigelassen. Er darf Budapest allerdings nicht verlassen und muss sich zweimal pro Woche bei der Untersuchungsbehörde melden. Der 64-Jährige wird verdächtigt, den Wassertransport gefährdet und dadurch das Schiffsunglück herbeigeführt zu haben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 11. Juni 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2019, 19:19 Uhr

Ein Angebot von

Unsere Ostbloggerin in Ungarn

Zurück zur Startseite