Doppelte Standards West-Schund in Osteuropas Supermärkten?

Regale im Supermarkt.
Seit Jahren klagen Verbraucher in Osteuropa über doppelte Qualitätsstandards bei Markenware. Trotz gleicher Verpackung sind manche Produkte in Polen oder Tschechien anders als "dasselbe" Markenprodukt in Deutschland oder Frankreich: sie haben eine andere Zusammensetzung, riechen oder schmecken anders. Die osteuropäischen Verbraucher glauben, dass ihnen schlechtere Ware "untergejubelt" wird. Bildrechte: IMAGO
Regale im Supermarkt.
Seit Jahren klagen Verbraucher in Osteuropa über doppelte Qualitätsstandards bei Markenware. Trotz gleicher Verpackung sind manche Produkte in Polen oder Tschechien anders als "dasselbe" Markenprodukt in Deutschland oder Frankreich: sie haben eine andere Zusammensetzung, riechen oder schmecken anders. Die osteuropäischen Verbraucher glauben, dass ihnen schlechtere Ware "untergejubelt" wird. Bildrechte: IMAGO
Voller Einkaufswagen
2015 untersuchte die Universität Prag 24 Lebensmittel - jeweils in tschechischen und deutschen Supermärkten gekauft. Bei acht Produkten fanden die Forscher deutliche Unterschiede bei der Zusammensetzung und Beweise für schlechtere Qualität. Obendrein waren die Waren in Tschechien oft noch teurer als die qualitativ besseren Produkte für den deutschen Markt. Die Lebensmittelsicherheitsbehörden in Ungarn und der Slowakei kamen wenig später zu ähnlichen Ergebnissen. Bildrechte: IMAGO
Nutella
Die Budapester Lebensmittelsicherheitsbehörde testete unter anderem Nutella des italienischen Herstellers Ferrero. In der Behördenstudie heißt es, die ungarische Probe sei nicht so weich und streichfähig wie die österreichische. Die Zeitung "FAZ" konfrontierte den Konzern mit dem Vorwurf. Der erklärte, er stelle seine Produkte in verschiedenen Produktionsstätten her, doch entspreche die Qualität überall denselben Standards. Bildrechte: imago
Fischstäbchen-Produktion bei Iglo
Die tschechischen Forscher der Prager Universität für Chemie und Technologie überprüften 2015 auch die in ihrem Land angebotenen Iglo-Stäbchen. Das Ergebnis: Sie enthielten sieben Prozent weniger Fisch als deutsche Iglo-Stäbchen, wie auf der im Bild gezeigten Packung. Doch nicht nur das: Die tschechischen Iglo-Stäbchen waren 2015 sogar mehr als doppelt so teuer wie die deutschen, auch wenn sie weniger Fisch hatten. Bildrechte: dpa
Frühstücksfleisch der dänischen Firma Tulip
Beim "Frühstücksfleisch" der dänischen Firma Tulip fanden die Prager Prüfer 2015 heraus, dass es beim deutschen Produkt auf Schweinefleisch basiere, das tschechische aber hauptsächlich auf Separatorenfleisch - zumeist maschinell von den Knochen gelöstes Restfleisch, das bei vielen Verbrauchern als minderwertig gilt. Tulip konterte, die Dosenfleischprodukte würden weltweit mit unterschiedlichen Rezepten vertrieben und berücksichtigten den regionalen Geschmack und die jeweilige Preislage. Bildrechte: Tulip Food Company, Tulipvej
Werbung für Jacobs Krönung
Beim löslichen Jacobs-Kaffee aus dem tschechischen Supermarkt konnten die Prager Forscher hingegen ein Drittel mehr Koffein nachweisen als beim deutschen. Manchem Kaffeetrinker wäre wohl die tschechische Variante lieber ... Bildrechte: IMAGO
Tschechische Zeitungen
Für die Medien in den Visegrad-Ländern ist das Thema ein gefundenes Fressen. Die slowakische linksliberale Zeitung "Pravda" schrieb zum Beispiel, man könne nur schwer glauben, "dass den Menschen hinter dem früheren Eisernen Vorhang Lebensmittel besser schmecken, die mehr Ersatzstoffe oder Süßungsmittel enthalten". Es gehe den Firmen nicht um Geschmack, sondern um Geld. Bildrechte: IMAGO
EU-Flaggen vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel
Das Europäische Parlament hat im April 2019 zwar eine Richtlinie erlassen, die doppelte Qualitätsstandards verbietet, sie wurde aber stark aufgeweicht. So sind nur "erhebliche" Unterschiede unzulässig - ein dehnbarer Begriff. Außerdem gibt es viele erlaubte Ausnahmen. Viele Politiker und Verbraucher glauben deshalb, dass alles beim Alten bleibt. Und so bleiben Qualitätsunterschiede zwischen Ost und West nach wie vor ein Wahlkampfthema in Polen und Tschechien. Bildrechte: Colourbox.de
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