Wahl nach Mord an Paweł Adamowicz Haushoher Sieg: Aleksandra Dulkiewicz ist Danzigs neue Bürgermeisterin

Die Bürger von Danzig haben mit großer Mehrheit Aleksandra Dulkiewicz zu ihrem neuen Stadtoberhaupt gewählt. Knapp sechs Wochen nach dem Attentat auf den Bürgermeister Paweł Adamowicz haben sich die Danziger damit für ein "weiter wie bisher" entschieden.

Aleksandra Dulkiewicz
Aleksandra Dulkiewicz am Wahlabend in Danzig. Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Mit 82,2 Prozent der Wählerstimmen wurde die parteilose Aleksandra Dulkiewicz zur neuen Bürgermeisterin von Danzig gewählt. Das hat die Wahlkommission Danzigs bekannt gegeben. Der Dokumentarfilmer Grzegorz Braun, der von der Organisation polnischer Monarchisten und katholischer Aktivisten aufgestellt wurde, kam auf 11,86 Prozent der Stimmen und der Bauunternehmer Marek Skiba auf 5,29 Prozent. Es haben 170 028 Danziger gewählt, die Wahlbeteiligung lag damit bei 48,67 Prozent.

Dulkiewicz tritt die Nachfolge des Mitte Januar getöteten Paweł Adamowicz an. Sie war unter ihm bereits stellvertretende Bürgermeisterin und hatte Adamowicz' Amt seit seiner Ermordnung kommissarisch geleitet. Dulkiewicz hat unter den Danzigern viele Sympathisanten.

Prominente Unterstützung für Dulkiewicz

Pawel Adamowicz, Bürgermeister der polnischen Stadt Danzig
Paweł Adamowicz wurde während einer Wohltätigkeitsveranstaltung am 13. Januar in Danzig niedergestochen. Bildrechte: dpa

Dulkiewicz will das politische Erbe von Adamowicz fortsetzen und das Amt in seinem Sinne weiterführen. Dabei hat sie prominente Unterstützer wie den EU-Ratsvorsitzenden Donald Tusk. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Danziger an diesem Sonntag ihre Präsidentin wählen werden. Die Einwohner von Danzig erinnern sich immer noch daran, warum diese Wahlen überhaupt stattfinden", twitterte er im Vorfeld der Wahl.

Auch Ex-Präsident Lech Wałęsa, die Bürgermeister der Nachbarstädte Sopot und Gdynia, Jacek Karnowski und Wojciech Szczurek, bekennen sich zu Dulkiewicz. Die Witwe von Adamowicz hat sich bereits als Fan von Dulkiewicz geoutet.

PiS verzichtete auf eigenen Kandidaten

Die regierende Recht und Gerechtigkeit stellte keinen eigenen Kandidaten. PiS-Chef Jarosław Kaczyński begründete das folgendermaßen: "Bei der Wahl im vergangenen Herbst hat Paweł Adamowicz einen eindeutigen Sieg errungen. Daher hat die Partei Recht und Gerechtigkeit beschlossen, bei den nun anstehenden Wahlen keinen eigenen Kandidaten aufzustellen."

Beobachter sagen jedoch, dass Kaczyński mit seiner Entscheidung vor allem eines vermeiden wollte: eine Blamage. Danzig gilt als liberal und weltoffen, Adamowicz war ein politischer Gegner der PiS. Dass seine Fußstapfen von einem PiS-Kandidaten gefüllt werden – für viele Danziger scheint das undenkbar zu sein.


Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Radio: MDR aktuell | 02.03.2019 | 07:15 Uhr

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