Konflikt um Kaukasusregion Kämpfe um Berg-Karabach weiten sich aus

Die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Kaukasusregion Berg-Karabach haben sich am Sonntag ausgeweitet. Nach Angaben aus Baku wurde erstmals auch Gandscha, die zweitgrößte Stadt Aserbaidschans, unter Beschuss genommen.

Armenische Freiwilligenrekruten versammeln sich an einem Ort, an dem sie ihre Uniformen und Waffen erhalten, bevor sie an die Frontlinie entsandt werden.
Aserbaidschan wirft Armenien Ausweitung der Kämpfe um Bergkarabach vor. Hier versammeln sich armenische Kräfte vor ihrem Fronteinsatz. Bildrechte: dpa

Am Sonntag haben die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Kaukasusregion Berg-Karabach nochmals größere Dimensionen angenommen. Nach Angaben aus Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, wurde erstmals Gandscha, die zweitgrößte Stadt des Landes, unter Beschuss genommen. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium gab an, Gandscha stehe unter dem Beschuss armenischer Kräfte.

Ein Panzer-Denkmal in Berg-Karabach
Panzer-Denkmal in Berg-Karabach Bildrechte: dpa

Zugleich habe es erneut schwere Angriffe auf die Hauptstadt Berg-Karabachs, Stepanakert, gegeben. Dort sei die Stromversorgung zusammengebrochen und Zivilisten hätten in Kellern Zuflucht gesucht. Die Stadt liegt im Nordwesten Aserbaidschans und hat rund 330.000 Einwohner.

Bereits am Freitag war Stepanakert angegriffen worden. Der Präsident der selbsternannten Republik Berg-Karabach, Araiyk Harutiunian, hatte daraufhin erklärt, im Gegenzug werde nun militärische Infrastruktur in den großen Städten Aserbaidschans angegriffen. Am Sonntag erfolgte dann der Angriff auf Gandscha. Ein Sprecher der Präsidentschaft erklärte, die Kämpfer Berg-Karabachs hätten in Gandscha einen Militärflughafen zerstört. Und das sei nur der erste.

Krieg der ehemaligen Sowjetrepubliken

Die Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach waren vor einer Woche neu entbrannt. Es sind die heftigsten Kämpfe seit 1994.

Gebietshauptstadt Stepanakert in Berg-Karabach
Stepanakert in Berg-Karabach Bildrechte: dpa

Berichte über Opferzahlen sind unvollständig, beide Konfliktparteien sprechen von tausenden getöteten Kämpfern auf Seiten des Gegners und reklamieren militärische Erfolge für sich.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich seit Jahrzehnten einen erbitterten Streit um die Region im Südkaukasus, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Oktober 2020 | 07:30 Uhr