Weltkriegsmuseum in Danzig

Kulisse einer Straße in Danzig. Ein Besucher filmt mit einem Handy.
Es ist weltweit eines der größten Museen, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet sind: 2.000 Exponate, 4.000 Fotos, 240 Multimediastationen, 430 Minuten Film. Die Ausstellung beginnt aber noch mitten im Frieden – mit einer rekonstruierten polnischen Straße aus den späten 1930er Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kulisse einer Straße in Danzig. Ein Besucher filmt mit einem Handy.
Es ist weltweit eines der größten Museen, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet sind: 2.000 Exponate, 4.000 Fotos, 240 Multimediastationen, 430 Minuten Film. Die Ausstellung beginnt aber noch mitten im Frieden – mit einer rekonstruierten polnischen Straße aus den späten 1930er Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Verschiedene Schachteln und Dosen.
Die riesige Nachbildung vermittelt einen Eindruck davon, wie das Leben unmittelbar vor Kriegsbeginn aussah. An den Wänden hängen zeittypische Ladenschilder, in den Schaufenstern locken Delikatessen von einst, am Kiosk gibt es Zeitungen aus der Epoche, und in einem kleinen Kino laufen dieselben Kassenschlager wie im Sommer 1939 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Nazipropaganda auf Plakaten.
Auch die Atmosphäre im Deutschland Adolf Hitlers wird greifbar. Über Jahre hinweg schuf die Nazi-Propaganda die Grundlagen für einen Krieg, der den Wohlstand der Deutschen auf Kosten der Nachbarvölker vergrößern sollte. So glaubten Millionen Deutsche am Ende wirklich, sie seien eine Herrenrasse, der die Weltherrschaft zustehe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Matrose hinter einem braunen Fensterkreuz.
Matrosen vom deutschen Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" gaben die ersten Schüsse des Weltkriegs ab. Am frühen Morgen des 1. September 1939 begann der Angriff auf das polnische Munitionsdepot auf der Halbinsel Westerplatte. Sie lag auf dem Gebiet der "Freien Stadt Danzig", eines teilsouveränen Kleinstaates mit deutscher Bevölkerung und polnischen Sonderrechten, die dem Land gemäß dem Versailler Vertrag einen Zugang zur Ostsee sichern sollten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Altes Motorrad mit schwarz - weiß Bild im Hintegrund.
Dieses Motorrad der Marke DKW lag 70 Jahre lang in einer Scheune bei Warschau versteckt. Polnische Bauern hatten es einem Wehrmachtssoldaten entwendet. Solche Motorräder wurden von deutschen Spähtrupps genutzt. Dieses Exemplar hat erst 5.000 Kilometer auf dem Zähler und ist immer noch fahrtüchtig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein altes Fahrrad mit Gepäcktaschen und roten Lenkergriffen als Ausstellungsstück.
Und hier ein Gefährt der besetzten Bevölkerung. In den Stofftaschen hinten wurden Lebensmittel geschmuggelt. Vor allem in den Großstädten war die Versorgungslage dramatisch und Hamsterfahrten oft der einzige Ausweg. Die offiziellen Lebensmittelzuteilungen im besetzten Europa waren übrigens unterschiedlich – Franzosen bekamen höhere Rationen als Polen, die in der Rassenideologie der Nazis als minderwertig galten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine alte Triumph Schreibmaschine in eier Vitrine.
Der Schwerunkt im Museum liegt auf dem Schicksal der Zivilbevölkerung. Ein eigener Raum ist den vielen Tausend Polen gewidmet, die nach Kriegsbeginn erschossen wurden. Dabei gingen die deutschen Besatzer sehr planmäßig vor: Bereits vor dem Krieg waren die Namen der Opfer in Listen erfasst worden – auf Schreibmaschinen wie dieser. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ausweispapiere und das alte Passbild eines Mannes in Uniform .
Dieser Mann, Jozef Stach, stand auf einer solchen Liste und wurde am 11. November 1939, dem polnischen Nationalfeiertag, mit einigen Tausend anderen seiner Landsleute erschossen. Seinen Sohn, der erst wenige Monate später geboren wurde, durfte er nie kennenlernen. Sein einziges "Verbrechen": Er war Pole und politisch engagiert – noch kurz vor Kriegsausbruch hatte er an einer Anti-Nazi-Kundgebung teilgenommen. Wo immer möglich, haben die Ausstellungsmacher versucht, die "große" Geschichte im Spiegel solcher Einzelschicksale zu schildern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein schwarzer Siegelring mit gelbem Siegel und roten Herzen an den Seiten.
Dieser Ring wurde heimlich von einer polnischen KZ-Insassin gefertigt. In den "Schmuckstein" ritzte sie neben ihren Initialen auch ihre Häftlingsnummer ein. Wer solchen Schmuck herstellte, riskierte sein Leben, da solche Aktivitäten strengstens verboten waren. Gerade deshalb ist es aber auch ein berührendes Exponat – weil es zeigt, dass die Menschen selbst in der KZ-Hölle ihre innere Freiheit und damit ihre Würde bewahren wollten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Schlafstätte mit Plakaten an der Wand. Zwei Mäntel hängen am Haken.
Die Ausstellung beschränkt sich aber nicht nur auf das polnische Kriegserleben. Am 6. September startete Deutschland einen Bombenkrieg gegen Großbritannien. Tausende Zivilisten suchten in den Stationen der Londoner Untergrundbahn Zuflucht. Ein solcher improvisierter Luftschutzraum wurde im Museum nachgebaut. Insgesamt fielen rund 43.000 britische Zivilisten den Bombenangriffen zum Opfer, mehr als eine Million Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Die erhoffte Wirkung trat aber nicht ein: Das Vereinigte Königreich nahm keine Verhandlungen mit Nazi-Deutschland auf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Besucher im Ausstellungsraum. Plakate hängen von der Decke.
Auch die enormen Anstrengungen der Rüstungsindustrien – sowohl auf deutscher als auch auf alliierter Seite – werden thematisiert. Propagandaplakate sollten den Durchhaltewillen der Bevölkerung steigern, sie zu Spenden animieren und für den freiwilligen Dienst in verschiedenen Hilfsformationen gewinnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei alte Puppen auf einem Tisch. Auch ein Bild eines ausgemergelten jungen Menschens ist zu sehen.
Zu den eindrucksvollsten Exponaten zählt Spielzeug wie dieses, weil es ein Beleg dafür ist, wie Tausende Kinder brutal und unwiederbringlich um ihre Kindheit gebracht wurden. Diese Soldatenpuppen stammen von kleinen Polen, die in der Sowjetunion gestrandet waren. Als 1941 dort eine polnische Exilarmee gebildet wurde, durften mehr als 10.000 polnische Waisen zusammen mit den Soldaten das Land verlassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Verschiedene Plakate mi dem Konterfei Stalins.
Dem sowjetischen Totalitarismus unter Josef Stalin ist ein eigener Ausstellungsteil gewidmet. Hunderttausende Polen, Balten, Ukrainer und Tataren wurden während des Zweiten Weltkrieges auf Befehl des "Generalissimus" nach Sibirien und Kasachstan zwangsumgesiedelt oder gleich in Arbeitslager gesteckt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Kulisse einer Straße mit einem Panzer vor zerstörten Häusern. Ein Besucher fotografiert.
Auch die unmittelbare Nachkriegszeit bleibt nicht unbeachtet. Dieser sowjetische Panzer T-34 steht auf den Trümmern einer osteuropäischen Stadt. Er zeigt, dass für viele Länder mit der Befreiung von der deutschen Besatzung keineswegs die Stunde der Freiheit geschlagen hatte. Östlich des Eisernen Vorhangs wurden moskauhörige Regime installiert und Panzer wie dieser schlugen in den 1950er Jahren Aufstände in Ost-Berlin, Budapest und Posen nieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bild eines Mannes und gebundene Briefstapel.
Aktenschränke mit Fotos von Nazischergen wie Dr. Josef Mengele, dem Lagerarzt von Auschwitz-Birkenau, der die Häftlinge als Versuchskaninchen für pseudomedizinische Experimente missbrauchte und sich noch viele Jahre nach dem Krieg eines normalen Lebens in Lateinamerika erfreuen konnte, zeigen symbolisch, dass viele Kriegsverbrechen ungesühnt blieben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine rot - weiße Fahne.
Viele der ausgestellten Exponate haben nicht nur einen unschätzbaren historischen, sondern auch einen hohen materiellen Wert. Diese Regimentsfahne einer polnischen Vorkriegseinheit hätte auf dem Sammlermarkt einen Wert von mehr als einer halben Million Zloty. Dennoch entschieden sich die anonymen Besitzer, sie dem Museum zu schenken. Und das ist kein Einzelfall. Rund 40 Prozent der Andenken, die sich im Bestand des Museums befinden, sind Leihgaben oder Schenkungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Dieses Thema im Programm: Heute im Osten - Reportage | 22. April 2017 | 18:00 Uhr