Der Premierminister des Staatsrates der Volksrepublik China, Li Keqiang, und der kroatische Premierminister Andrej Plenkovic besuchten die Baustelle der Peljesac-Brücke im Süden Kroatiens.
Die Premierminister Chinas und Kroatiens, Li Keqiang und Andrej Plenković, im April 2019 auf der Baustelle der Pelješac-Brücke in Kroatien. Bildrechte: imago images / Pixsell

Westbalkan-Treffen im Bundeskanzleramt China erobert den Balkan

Im Rahmen seines weltumspannenden Projektes "Neue Seidenstraße" spielt der Balkan für China eine immer größere Rolle. Milliarden Dollar investieren die Chinesen vor allem in Infrastruktur-Projekte. Sie errichten Autobahnen, Eisenbahnstrecken, Brücken und übernehmen Häfen. Doch auf ihrer Einkaufsliste stehen auch Industriezentren und Kraftwerke. Die EU ist beunruhigt. Sicher auch ein Thema auf der am 29. Mai stattfindenden Westbalkan-Konferenz im Bundeskanzleramt.

Der Premierminister des Staatsrates der Volksrepublik China, Li Keqiang, und der kroatische Premierminister Andrej Plenkovic besuchten die Baustelle der Peljesac-Brücke im Süden Kroatiens.
Die Premierminister Chinas und Kroatiens, Li Keqiang und Andrej Plenković, im April 2019 auf der Baustelle der Pelješac-Brücke in Kroatien. Bildrechte: imago images / Pixsell

Seit Sommer 2018 errichtet die chinesische "China Road and Bridge Company" in der Bucht von Mali Ston an der kroatischen Adriaküste eine große Meeresbrücke. Die knapp zweieinhalb Kilometer lange Pelješac-Brücke soll den südlichen Teil Kroatiens mit dem Rest des Landes verbinden. Noch trennt eine schmale Landzunge, die zu Bosnien und Herzegowina gehört, die beiden Landesteile.

Ehrgeizigstes Vorhaben auf dem Balkan

Für die Kroaten ist die Teilung des Landes ein großes Ärgernis - um zum Beispiel aus dem Norden nach Dubrovnik zu gelangen, muss zweimal eine EU-Außengrenze passiert werden. Jeden Sommer gibt es kilometerlange Staus an den Grenzen sowie auf der Passage durch Bosnien und Herzegowina. Die Ausschreibung gewann die chinesische Firma, weil sie nicht nur das günstigste Angebot abgab, sondern auch versprach, die Brücke bis 2022 fertigzustellen. Das konnte kein anderer Mitbewerber. Für die Chinesen ist die Errichtung der Pelješac-Brücke eines der ehrgeizigsten Vorhaben innerhalb ihres gigantischen Projektes "Neue Seidenstraße".

Mythos der alten Seidenstraße wiederbeleben

China möchte den Mythos der alten Seidenstraße wiederbeleben und plant eine neue Seidenstraße entlang der legendären Handelsroute. Es ist ein gigantisches Projekt, das seit 2013 in Angriff genommen wird. Denn es umfasst nicht nur den Ausbau von Straßen, Schienen- und Schifffahrtswegen, sondern auch die Errichtung von Flughäfen, Sonderwirtschaftszonen, Industrieparks, Telekommunikationsunternehmen, Dämmen, Häfen, ja sogar den Bau oder die Sanierung von Kraftwerken. Insgesamt knapp 900 Milliarden Euro hat Peking für das Projekt neue Seidenstraße zur Verfügung gestellt. Mehr als 60 Länder sollen an die neue Seidenstraße angeschlossen werden, darunter auch die meisten Staaten Osteuropas. In zwei Konferenzen zur "Neuen Seidenstraße" in Dubrovnik und Peking warb China im April 2019 für sein auf Jahrhunderte angelegtes Projekt. Milliarden schwere Verträge wurden unterzeichnet.

Investitionen auf dem Balkan und in Osteuropa

Auf dem Balkan und in Osteuropa investiert China Milliarden vor allem in den Ausbau der oft maroden Infrastruktur mit dem Ziel, einen schnellen und kostengünstigen Transport von Waren und Dienstleistungen aus China in den Westen Europas zu ermöglichen. Die Balkanländer gelten als wichtigste Transitroute. Man spricht bereits von der "Balkan Silk Road". Vor allem in Montenegro, Ungarn und Nordmazedonien investiert China in Infrastruktur-Projekte. Doch auch Kraftwerke oder Häfen stehen auf der Einkaufsliste der Chinesen.

Serbien profitiert am meisten

Die Pupin-Brücke in Belgrad
Die von China errichtete Pupin-Brücke in Belgrad. Bildrechte: IMAGO

Serbien profitiert bislang am meisten von den chinesischen Investitionen. In Belgrad errichteten chinesische Firmen eine Donau-Brücke, übernahmen ein Stahlwerk, eine Kupfermine und errichten eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Belgrad und Budapest. Insgesamt flossen bislang mehr als zehn Milliarden Dollar in den Balkanstaat. Aktuell errichten China einen Kulturpalast in der serbischen Hauptstadt.

"Diamantene Ära"

Ein Luftbild vom 22. März 2019 zeigt die Baustelle der Peljesac-Brücke in der Nähe von Komarna in Kroatien.
Ein Luftbild vom 22. März 2019 zeigt die Baustelle der Peljesac-Brücke in Kroatien. Bildrechte: imago images / Xinhua

In Kroatien hielten sich die chinesischen Investitionen bislang noch in einem engen Rahmen: 0,69 Milliarden US-Dollar waren es seit 2007. Peanauts gegenüber dem chinesischen Engagement etwa in Serbien. Aber das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Und zwar so erheblich, dass Chinas Premier auf dem "Neue Seidenstraßen"-Symposion im April 2019 in Dubrovnik von einer "diamantenen Ära" sprach, die nun begänne. Neben der Errichtung der Pelješac-Brücke wollen die Chinesen sich auch in anderen Bereichen engagieren. So beabsichtigen sie etwa, den Hafen in der Adriastadt Rijeka sowie das marode Schiffbauunternehmen "Uljanik" in der istrischen Stadt Pula zu übernehmen. Überdies ist eine Modernisierung der Zugstrecke Rijeka - Zagreb fest eingeplant. Auch eine Zusammmenarbeit im Tourismus soll es künftig geben. Kroatiens Premier Andrej Plenković bezeichnete die Pläne Chinas als "große historische Chance" für die kroatische Wirtschaft.

Die EU ist beunruhigt

Die EU hingegen zeigt sich wenig erfreut über die Einkaufstour der Chinesen auf dem Balkan. China versuche mit seinem Prestigeprojekt die Staaten des Balkan als Einfallstor nach Europa zu missbrauchen, um die EU zu unterwandern beziehungsweise zu spalten, heißt es in Brüssel. Mit ihren Investitionen würden sich die Chinesen Einfluss in der Region sichern wollen. Chinas Premierminister kündigte in Dubrovnik an, dass sich China verstärkt für europäische Produkte und Firmen öffnen werde. Die Vertreter der Balkanstaaten beschwichtigten Brüssel: Ihr Ziel sei ganz klar Europa. Um die EU aber nicht weiter zu brüskieren, kündigten die Teilnehmer des Symposions in Dubrovnik an, dass sie ab sofort als Zeichen des guten Willens sämtliche Verträge in Brüssel zur Prüfung vorlegen würden. Im übrigen gibt es ja bereits Zeichen einer Verständigung und Kooperation: 80 Prozent der Baukosten für die geschätzt 420 Millionen teure Pelješac-Brücke in Kroatien übernimmt die EU.

(sl,dw,br)

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "MDR Aktuell" 15.05.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 11:30 Uhr

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