Junge Frauen im Kittel stehen um einen Patienten herum.
Die Pflegeschülerinnen Leonida (links) und Besarta (rechts) in einem Berufskolleg in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. Bildrechte: MDR Fernsehen

Kosovo Pflegekräfte auf Deutsch ausgebildet

Gesundheitsminister Spahn reist in den Kosovo, um eine Vereinbarung zur Anwerbung von Pflegekräften zu unterzeichnen. In dem Land werden bereits Pflege-Fachkräfte in deutscher Sprache ausgebildet. Doch ist es ein langer Weg, bis dass der Abschluss in Deutschland anerkannt wird.

Junge Frauen im Kittel stehen um einen Patienten herum.
Die Pflegeschülerinnen Leonida (links) und Besarta (rechts) in einem Berufskolleg in der kosovarischen Hauptstadt Pristina. Bildrechte: MDR Fernsehen

Ein Berufskolleg in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Leonida und Besarta, beide Anfang 20, lernen hier den Pflegeberuf. Die Handgriffe sitzen schon, nur mit den Begriffen ringen die beiden Pflegeschülerinnen noch, denn an diesem Kolleg müssen sie auf Deutsch lernen. Die künftigen Pflegekräfte werden von einem deutschen Bildungsunternehmen ausgebildet und auch nach Deutschland vermittelt.

Spahn will um ausländische Fachkräfte werben

Und da werden sie tatsächlich gebraucht. Um die Personalnot in der Pflege zu lindern, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn bereits im Juli 2018 vorgeschlagen, Pflegekräfte aus dem Ausland holen. Laut Statistischem Bundesamt sind etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Wegen der allgemeinen Alterung der Gesellschaft wird ihre Zahl weiter steigen – während in der Pflegebranche zehntausende Stellen unbesetzt sind und es an Nachwuchs fehlt.

Pflegeschulen nach deutschen Vorbild

Die Ausbildung deutschsprachiger Pflegekräfte läuft bereits in einigen Ländern. 2010 wurde beispielsweise das deutsch-kosovarische Pflegekolleg in Pristina eröffnet. Gut 2.000 Studenten haben hier seither Altenpflege, Gesundheitspflege und Intensivversorgung gelernt. Die Leiterin der Pflegeakademie, Naime Brajshori, hat selbst noch in Deutschland studiert: In Halle an der Saale hat sie ihren Doktor in Pflegewissenschaften gemacht.

zwei dunkelhaarige Frauen im Kittel lächeln in die Kamera.
Ausbilderin Naime Brajshori (rechts) mit Schülerin Besarta. Bildrechte: MDR Fernsehen

Sie war beeindruckt, wie gut die Ausbildung in Deutschland ist. Diese Erfahrung will sie an ihre Studenten im Kosovo weitergeben. Sie will helfen, ihr junges Land mit aufzubauen, das erst vor zehn Jahren seine Unabhängigkeit erklärt hat.

Sie kann aber auch verstehen, dass noch immer viele junge Menschen ihre Zukunft woanders sehen. Doch auch die bildet sie aus. "Es ist besser als professionelle Leute zu gehen, als illegale Wege zu finden und nirgendwo in Europa Platz zu finden und nicht gut behandelt zu werden", sagt Naime Brajshori.

Mitteldeutschland unattraktiv für ausländische Fachkräfte

Das Bildungsunternehmen bildet auch in Deutschland Pflegekräfte aus, unter anderem in Leipzig – man kennt also die deutschen Anforderungen und unterrichtet auch im Kosovo nach deutschen Prüfungsverordnungen, sagt Schulleiter Dominik Hoja. Und doch sei es für Pflegeschüler aus dem Kosovo, wie Leonida und Besarta, ein langer Weg, bis ein Abschluss aus dem Kosovo in Deutschland anerkannt werde.

Und da gibt es ein weiteres Problem: Gerade in Mitteldeutschland seien noch immer viele Pflegeeinrichtungen verhalten, wenn es darum gehe, ausländische Azubis oder Fachkräfte überhaupt einzustellen, so Hoja. 300 kosovarische Pflegekräfte von seiner Schule kamen 2017 nach Deutschland. Keiner von ihnen nach Mitteldeutschland.

Hoffnungen auf besseres Leben enttäuscht

Leonida und Besarta, die beiden Pflegeschülerinnen aus Pristina, waren fast noch Kinder, als das Kosovo 2008 seine Unabhängigkeit erklärte. Sie hatten damals große Hoffnungen, wie die meisten Kosovaren. Doch nicht alle Hoffnungen auf ein gutes Leben und etwas Wohlstand gingen in Erfüllung.

Die Arbeitslosigkeit ist besonders unter Jugendlichen hoch, sie liegt bei fast 60 Prozent. Zehntausende kamen deshalb 2014 und 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland. Doch die meisten hatten keine Chance, zu bleiben. Deutschland hatte das Kosovo zum sicheren Herkunftsland erklärt; ihre Asylanträge wurden abgelehnt.

Flucht der Eltern als Bildungsvorteil

Schon einmal war Deutschland Hoffnungspunkt für viele Kosovaren. In den 1990er-Jahren war das, als Jugoslawien zerfiel und das Kosovo seinen Befreiungskampf von Serbien begann. Es kam zu Krieg, Vertreibung und Flucht. Am Ende griff 1999 die Nato gegen die Serben ein – und machte so den jungen Staat erst möglich.

Nach dem Krieg kehrten Anfang der 2000er-Jahre viele Familien mit ihren Kindern zurück ins Kosovo. Aus diesen Kindern sind längst junge Erwachsene geworden und die meisten können immer noch ein wenig Deutsch. Leonida und Besarta haben natürlich längst gehört, dass Deutschland Pflegekräfte sucht. Und Leonida hat auch schon ein Jobangebot in Heidelberg. Nun wartet sie nur noch auf ihre Aufenthaltspapiere.

(mare)

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im: RADIO | 29.11.2018 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 13:27 Uhr

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