Nach Bücherverbrennung: Kritik an Katholischer Kirche in Polen

Nachdem eine Kirche in Danzig am Wochenende Bücher verbrannt hat, hagelt es Kritik – auch aus den eigenen Reihen. Die Katholische Kirche in Polen steht aufgrund diverser Skandale und streitbarer Positionen schon länger unter Druck.

Gegenstände und Bücher werden verbrannt, Priester und Ministranten stehen daneben
An einer Bücherverbrennung in Polen endzündete sich eine heftige Debatte um den Zustand der Katholischen Kirche im Land. Bereits seit Monaten steht diese in der Kritik. Bildrechte: Dziennik Trybuna/Instagram

Die Aktion hatte einen Aufschrei in Polen verursacht: Am Sonntag hatten Geistliche einer katholischen Pfarrkirche in Danzig Bücher, Spielzeug und andere Gegenstände verbrannt. Darunter waren "Harry Potter"-Romane, "Hello Kitty"- Regenschirme und eine Hindu-Figur. Mit der Aktion sollte "schlechte Energie" vertrieben werden, schrieb die polnische Stiftung "SMS vom Himmel", die die Verbrennung organisiert hatte, auf ihrem Facebook-Profil.

Nach Aussagen von Gemeindemitgliedern gegenüber dem polnischen Privatsender "TVN 24" hatten Priester die Gläubigen dazu aufgefordert, Gegenstände mitzubringen, die gegen die katholische Lehre verstießen. Diese seien nach der Messe außerhalb der Kirche verbrannt wurden. Entsprechende Fotos kursierten seit Sonntag im Netz. Sie waren von der Stiftung selbst veröffentlicht worden.

User ziehen Vergleich zum Dritten Reich

Brenneder Haufen von Büchern und anderen Gegenständen
Fantasy-Romane, Hindu-Figuren, afrikanische Holzmasken: Auf dem Danziger Scheiterhaufen landete, was die dortigen Geistlichen als okkult brandmarkten. Bildrechte: Dziennik Trybuna/Facebook

Schnell wurden die Fotos tausendfach im Netz geteilt und von polnischen Nutzern teils heftig kritisiert. So wurde die Aktion als "krank" oder "fanatisch" verurteilt. Häufig wurde der Schriftsteller Heinrich Heine mit den Worten zitiert: "Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Der Satz aus Heines Tragödie "Almansur" wird häufig im Kontext der Bücherverbrennungen im Dritten Reich verwendet, womit einige Benutzer die Aktion direkt in Verbindung brachten.

Auch aus der Politik hagelte es Kritik. Der polnische EU-Abgeordnete Dariusz Rosati schrieb auf Twitter, die Bücherverbrennung sei "Ausdruck des moralischen Verfalls von Teilen der polnischen Kirche." Der oppositionelle Parlaments-Abgeordnete Arkadiusz Marchewska bezeichnete die Aktion ebenfalls auf Twitter als "globale Schande". Die bekannte linksliberale Aktivistin Barbara Nowacka fragte im Radioprogramm "Onet Rano": "Wie schwach muss ihr Glaube sein, dass sie Angst vor einem Buch haben?"

Wie die Webseite "Vatican News" berichtet, ist die Aktion auch innerhalb der Katholischen Kirche in Polen umstritten. So kritisierten sowohl die Diozöse Danzig als auch die in Koszalin, wo die Stiftung "SMS vom Himmel" beheimatet ist, die Verbrennung. Die Organisatoren selbst ruderten am Dienstag öffentlich zurück. Die Verbrennung sei "unglücklich" gewesen, schrieb deren Vorsitzender Rafał Jarosiewicz auf Facebook und verwies darauf, dass "SMS vom Himmel" in den vergangenen fünf Jahren fast eine Viertelmillion kostenloser Bücher verteilt hätte. Der Original-Post mit den Fotos der Verbrennung wurde in der Zwischenzeit gelöscht.

Katholische Kirche in Polen unter massivem Druck

Der Fall erregt auch deswegen so viel Aufmerksamkeit in Polen, weil die Katholische Kirche seit Monaten heftig in der Kritik steht. Dafür sorgte unter anderem der Fall des Danzigers Pfarrers Henryk Jankowski. Der mittlerweile verstorbene Geistliche war eine Ikone der polnischen Solidarność-Bewegung der 1980er-Jahre, die zur Unabhängigkeit Polens führte. Er soll jahrzehntelang hunderte Jungen und Mädchen sexuell belästigt und missbraucht haben und ein ausschweifendes Luxusleben auf Kirchenkosten geführt haben.

Obwohl dies innerhalb der Kirche zumindest teilweise bekannt gewesen sein soll, habe diese aufgrund von Jankowskis exponierter Stellung nicht interveniert. Der Fall führte Anfang des Jahres zu Protesten in Danzig, bei dem auch ein Denkmal Jankowskis gestürzt wurde. Außerdem erkannte ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde ab. Der Umgang der Kirche mit immer wieder auftretenden Vorwürfen sexueller Übergriffe ist in Polen ein kotrovers diskutiertes Dauerthema. So war der im Herbst 2018 veröffentliche kirchenkritische Spielfilm "Klerus" mit 4,5 Millionen Kinozuschauern der erfolgreichste polnische Spielfilm aller Zeiten.

In Polen hat die Katholische Kirche bis heute einen starken Einfluss auf das öffentliche und politische Leben. Durch die anhaltenden Vorwürfe wird dies mittlerweile infrage gestellt. Zuletzt hatte der bekannte polnische Politiker Robert Biedroń eine neue Partie gegründet, die öffentlich eine strikte Trennung von Kirche und Staat fordert. Ihm werden gute Chancen bei den anstehenden Parlamentswahlen im Herbst eingeräumt.

(ahe)

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 01.02.2019 | 17:45 Uhr

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