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"Streik" steht auf Polnisch auf diesem Transparent an der Grundschule Nr. 43 in Danizg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Polen Lehrer setzen Streik aus

Seit fast drei Wochen streiken Polens Lehrer. Sie wollen mehr Anerkennung und vor allem mehr Geld. Nun standen deswegen die Abiturprüfungen auf dem Spiel. Grund genug für die PIS-Regierung, hart durchzugreifen. Mit einem neuen Bildungsgesetz, dass die Prüfungen zur Not auch ohne die Lehrer möglich gemacht hätte. Nun haben die Lehrer ihren Streik ausgesetzt, ab Samstag sechs Uhr früh. Das gab der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, Sławomir Broniarz, bekannt.

von Katarzyna Tuszyńska

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"Streik" steht auf Polnisch auf diesem Transparent an der Grundschule Nr. 43 in Danizg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Notfallplan der polnischen Regierung

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Oksana Owedyk, Deutschlehrerin an der Schule Nr. 43 in Danzig, hat seit Anfang April gestreikt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegen die streikdenden Lehrer wollte die PIS-Regierung Fakten schaffen. Im Eiltempo hatte sie eine Änderung des Bildungsgesetzes durch das Parlament gebracht. Dieser Gesetzesänderung zufolge sollen landesweit die Schuldirektoren sowie in besonderen Fällen die jeweiligen Kommunalbehörden das Recht haben, Schüler zur Abiturprüfung zuzulassen. Bisher hat allein die Lehrerversammlung dazu das Recht. Nun lenkten die Lehrer ein. Sie setzten ihren Streik aus. Damit ist das neue Gesetz quasi überflüssig.

Streit um Gehalt und Wertschätzung

Die Lehrer forderten mehr Geld und eine bessere Wertschätzung ihres Berufsstandes. 30 Prozent mehr Gehalt sollten es sein. Doch die Vertreter der Gewerkschaften und der PiS-Regierung können sich weiter nicht einigen. Derzeit verdient ein Lehrer durchschnittlich rund 700 Euro brutto monatlich. Das Bildungsministerium schlägt den Gewerkschaftsvertretern unter anderem eine Gehaltserhöhung um weitere fünf Prozent in diesem Jahr und eine Verkürzung der Lehrerausbildung vor. Auch ein Praktikum für angehende Lehrer von bis zu neun Monaten, eine Sondervergütung für Berufsanfänger, eine Ausbildungsbeihilfe von mindestens 80 Euro und die Reduzierung des bürokratischen Aufwands sind geplant. Am Ende könnten dann polnische Lehrer je nach Status rund 800 bis 1500 Euro verdienen. Zum Vergleich: Der Mindestlohn in Polen beträgt nach Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union 523 Euro. Regierungsnahe Stimmen kritisierten die Aktionen der Lehrer als unverantwortlich. Sie warfen ihnen vor, Schüler und Eltern in einer besonders schwierigen Zeit zu belasten. Der polnische Staatspräsident Andrzej Duda appellierte an die Lehrer, "sich irgendwo in der Mitte" zu treffen. "Das Abitur muss durchgeführt werden", sagte Duda am Mittwoch. Er betonte aber auch, dass er bereit sei, alles im Rahmen seiner gesetzlichen Möglichkeiten zu tun, um die Abiturprüfungen zu retten.

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Polnische Schülerinnen und Schüler büffeln für die Prüfungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nonnen und Priester als Hilfs-Lehrer

Die Lehrer hingegen ärgern sich, dass die Regierung Milliarden für Sozialprogramme und Renten ausgebe und ihre Forderungen nicht erfühlen will. Der polnische Lehrerverband verurteilte die Idee der PiS Regierung zur Gesetzesänderung. Sławomir Broniarz, Chef des Polnischen Lehrerverbandes ZNP, kritisierte, die Regierung zeige damit, dass Lehrer entbehrlich seien. Der nächste Schritt werde wohl sein, dass die allgemeine Bildung nicht notwendig sei, so Broniarz.

Der Lehrerstreik drohte schon die Abschlussprüfungen der Mittelstufe vor einigen Wochen lahmzulegen. Die PIS-Regierung machte kurzerhand Ordensschwestern und Priester, die normalerweise Religion unterrichten, zu Hilfslehrern, rief pensionierte Lehrer und Beamte, die mal auf Lehramt studiert, aber nicht abgeschlosen hatten, in die Schulen, damit die Prüfungen abgehalten werden konnten. Beobachter rechen damit, dass die Lehrer ihren Streik im September wieder aufnehmen, wenn das neue Schuljahr beginnt. Und wenn Polen im Wahlkampf für die Parlemanteswahlen ist. Der jetzige Streit könnte die PIS-Partei dann Wählerstimmen kosten.

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 16:30 Uhr