Präsidentschaftswahl Oppositionskandidatin gewinnt Wahl in Moldau

Die Republik Moldau hat schon mehrfach politische Wechsel erlebt. Nun steht wieder einer an. Bei der Präsidentschaftswahl setzte sich die prowestliche Herausforderin Sandu vor dem prorussischen Amtsinhaber Dodon durch.

Präsidentschaftskandidatin Maia Sandu, während einer Pressekonferenz
Steht für eine Annäherung der Republik Moldau an die EU: Maia Sandu Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Die ehemalige Sowjetrepublik Moldau bekommt eine neue Präsidentin. Die pro-europäische Kandidatin Maia Sandu kam in der Stichwahl nach Angaben der Zentralen Wahlkommission auf knapp 57 Prozent der Stimmen. Der pro-russische Amtsinhaber Igor Dodon erhielt demnach 43 Prozent. Bei der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen hatte Sandu ebenfalls vor Dodon gelegen, die absolute Mehrheit aber verfehlt.

Sandu verspricht Annäherung an EU

Bereits 2019 war Sandu für einige Monate Ministerpräsidentin, bis ihre Regierung gestürzt wurde. Sandu, die früher auch für die Weltbank arbeitete, versprach, mit einer Annäherung an die EU die Wirtschaft aus der Krise holen zu wollen. Sie sagte in einem Wahllokal: "Ich habe für Veränderungen gestimmt." Sie rief die Wahlhelfer auf, Fälschungen bei der Abstimmung zu verhindern.

Der Vorsitzende der Sozialistischen Partei in Moldau, Igor Dodon, spricht am 03.03.2016 in Chisinau.
Igor Dodon Bildrechte: dpa

Der pro-russische Präsident Dodon sagte am Sonntag bei seiner Stimmabgabe, er stehe für "freundschaftliche Beziehungen zu unseren westlichen und östlichen Partnern". Der russische Präsident Wladimir Putin hatte im Vorfeld der Wahl die Hoffnung geäußert, dass Dodon im Amt bleibt. Vor vier Jahren waren Dodon und Sandu schon einmal in der Stichwahl gegeneinander angetreten. Damals gewann Dodon.

Auslands-Bürger wählten Sandu

Ihren Überraschungserfolg in der ersten Runde hatte Sandu nach Angaben der Wahlkommission vor allem Wählern zu verdanken, die aus dem Ausland heraus abgestimmt hatten. Fast eine Million Bürger sind seit der Unabhängigkeit der Republik Moldau von der Sowjetunion im Jahr 1991 ausgewandert. Ihre Geldsendungen an die Familien im Heimatland machen 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus.

Verarmtes Land in der Dauerkrise

Die Republik Moldau zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Das Land zwischen Rumänien und der Ukraine ist zudem gespalten in Befürworter einer EU-Annäherung und jene, die an engen Beziehungen zu Russland festhalten wollen. Zudem steckt das Land in einer Dauerkrise: Das Gebiet östlich des Flusses Dnestr hat sich als Transnistrien faktisch abgespalten. Dort hat Russland Truppen mit UN-Mandat stationiert. Auch mit dem autonomen Gebiet Gagausien kommt es bisweilen zu Spannungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. November 2020 | 05:45 Uhr