Auf einem Zettel zwischen zahllosen Kerzen steht "Vergib uns Alexandra" in Andenken an zwei junge Mädchen, die  offenbar von einem Mann in der südrumänischen Stadt Caracal vergewaltigt und getötet worden sind
Kerzen für das getötete 15-jährige Mädchen und ein Zettel mit der Aufschrift "Vergib uns Alexandra" Bildrechte: dpa

Schwere Ermittlungsfehler Rumänien: Staatsanwaltschaft bestätigt Tod von Mädchen

In Rumänien schlägt das Verschwinden von zwei jungen Frauen hohe Wellen. Zwei Minister mussten zurücktreten, unter anderem wegen gravierender Ermittlungsfehler. Nun ist klar, dass mindestens eines der Mädchen tot ist.

Auf einem Zettel zwischen zahllosen Kerzen steht "Vergib uns Alexandra" in Andenken an zwei junge Mädchen, die  offenbar von einem Mann in der südrumänischen Stadt Caracal vergewaltigt und getötet worden sind
Kerzen für das getötete 15-jährige Mädchen und ein Zettel mit der Aufschrift "Vergib uns Alexandra" Bildrechte: dpa

Im Fall von zwei verschwundenen Mädchen in Rumänien hat die Staatsanwaltschaft den Tod eines der Opfer bestätigt. Wie die Behörde am Samstag mitteilte, sind in der Wohnung eines festgenommenen Tatverdächtigen im südrumänischen Caracal Knochen gefunden worden, die zweifelsfrei von einer der beiden jungen Frauen stammen. Dabei handelt es sich um eine 15-Jährige, die kurz vor ihrer Tötung drei Mal verzweifelt bei der Polizei angerufen hatte, die aber unprofessionell auf die Notrufe reagierte.

Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte der Tatverdächtige die Leiche in einem improvisierten Ofen verbrannt und dabei verbrennungsbeschleunigende Chemikalien benutzt. Was mit der zweiten jungen Frau passiert sei, einer bereits im April verschwundenen 18-Jährigen, sei weiter unklar.

Zwei Minister zurückgetreten

Rumänien - Rücktritt von Ecaterina Andronescu
Löste mit Fernsehinterview große Empörung aus und musste zurücktreten: Ecaterina Andronescu. Bildrechte: dpa

Der Fall hat in Rumänien hohe Wellen geschlagen. Zwei Minister haben deswegen bereits ihren Posten verloren.

Innenminister Nicolae Moga trat am Dienstag nach nur sechs Tagen im Amt zurück, nachdem bekannt geworden war, dass die Polizei auf mehrere Notrufe der Opfer sowie auf Aussagen von Zeugen verspätet reagiert hatte. Erst 19 Stunden nach dem ersten Anruf war die Polizei vor Ort.

Am Freitag folgte Erziehungsministerin Ecaterina Andronescu. Sie hatte den Eltern der beiden jungen Frauen eine Mitschuld an der Tat gegeben und damit einen Aufschrei der Empörung hervorgerufen.

Ermittlungen in die falsche Richtung

Der Tatverdächtige war vor gut einer Woche festgenommen worden. Seinem Rechtsanwalt zufolge gab er an, die beiden jungen Frauen getötet zu haben, weil sie sich geweigert hätten, mit ihm Sex zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte diese Version des Falls Medienberichten zufolge zunächst angezweifelt. Es habe der Verdacht im Raum gestanden, dass der Mann die beiden nicht getötet, sondern an Zuhälter weitergegeben haben könnte. Sie ermittelte deshalb nur wegen des Verdachts auf Kinderhandel und Vergewaltigung.

Die beiden jungen Frauen waren verschwunden, nachdem sie per Anhalter in der Region um Caracal unterwegs waren. Die zurückgetretene Erziehungsministerin Andronescu hatte in einem Fernsehinterview gesagt, sie habe als Kind von ihren Eltern gelernt, zu keinem Unbekannten ins Auto zu steigen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. August 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. August 2019, 16:44 Uhr