Russland-Afrika-Gipfel Putins neue Freunde in Afrika

Mit einem Megagipfel will Moskau seine politische Rückkehr auf den Schwarzen Kontinent einleiten. Neben wirtschaftlichen Vorteilen will der Kreml damit auch seinen Großmachtstatus untermauern.

Porträt Maxim Kireev
Maxim Kireev Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

von Maxim Kireev

Es waren schöne Worte, die Russlands Präsident Wladimir Putin wenige Tage vor dem großen Russland-Afrika-Gipfel in Sotschi an den Kontinent richtete. Afrika, so der Kremlchef in einem Interview mit der staatlichen Agentur TASS, sei zum Kontinent der Möglichkeiten geworden. Und Russland soll ganz vorne dabei sein, diese zu nutzen - mit Investitionsprojekten im Milliardenbereich. "Wir knüpfen unsere Unterstützung nicht an politische oder andere Bedingungen", sagte Putin. Ganz im Gegensatz zum Westen, dem er vorwarf, afrikanische Regierungen zu erpressen und einzuschüchtern.

Es ist die Rolle eines weisen Weltpolitikers, in der sich Putin zuletzt immer mehr gefällt. Schon bei seinem Besuch auf der Arabischen Halbinsel vor wenigen Tagen feierte ihn das Staatsfernsehen als einen Präsidenten, der sich nicht vom Westen isolieren lässt. Detailliert dokumentierten die TV-Journalisten üppige Begrüßungsparaden und Ehrungen seitens der Gastgeber. Der Afrika-Gipfel in Sotschi, zu dem sich nach Angaben des russischen Außenministeriums 47 Staatschefs angekündigt haben, dürfte diesen Anspruch nur untermauern.

Mauretaniens Präsident Mohamed Ould Ghazouani während der Wilkommenszeremonie mit Brot und Salz, auf dem Flughafen Sochi.
Mauretaniens President Mohamed Ould Ghazouani wird bei seiner Ankunft in Sotschi mit Salz und Brot willkommengeheißen. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Signal für Rückkehr nach Afrika

"Noch nie hat es seit dem Ende der Sowjetunion einen ähnlichen Gipfel gegeben", sagt Irina Abramowa, Leiterin des Afrika-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften. "Es ist auch ein Signal dafür, dass Russland nach Afrika zurückkehrt", erklärt die Expertin. Nach dem Ende der Sowjetunion habe man seine Afrikapolitik eingerollt und habe deswegen herbe Verluste hinnehmen müssen. Heute habe man jedoch mit afrikanischen Staaten wieder viele Anknüpfungspunkte was Innen- und Außenpolitik anbelangt.

Russland in Afrika Grafik
Eine exemplarische Auswahl russischen Engagements in Afrika in den vergangenen Jahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Was das konkret bedeutet, spielte sich bisher vor allem im Verborgenen ab. Denn schon seit Jahren mischt Russland informell auf unterschiedlichste Art und Weise zwischen Kairo und Kapstadt mit. Erst vor wenigen Wochen meldete etwa das angesehene Nachrichtenportal "Meduza", im nordafrikanischen Libyen seien bis zu 35 russische Söldner ums Lebens gekommen. Sie hätten dort an vorderster Front gekämpft, um den libyschen Warlord Chalifa Khaftar im Kampf gegen die Regierungstruppen zu unterstützen. Als mutmaßlicher Chef dieser Söldnertruppen gilt Jewgenij Prigozhin, ein Vertrauter von Wladimir Putin. Schon im vergangenen Jahr tauchte der kremltreue Medienunternehmer und Inhaber eines Catering-Unternehmens bei Gesprächen mit Haftar im Moskau auf.

Concord Catering Generaldirektor Jewgeni Prigoschin
Der Catering- und Medienunternehmer Jewgeni Prigoschin gilt als Putinvertrauter und Chef der russischen Söldnertruppe "Wagner", die Medienberichten zufolge in mehreren afrikanischen Ländern aktiv sein soll. Bildrechte: imago/ITAR-TASS

In Libyen seien es die Ölvorkommen, die Prigozhin interessieren. In anderen Ländern, wie der Zentralafrikanischen Republik, geht es um Diamanten und Gold. Im April bekamen Prigozhins Unternehmen Schürfrechte für Diamanten und Gold in dem afrikanischen Land. Zuvor hatten russische Journalisten mehrfach russische Söldner im Land ausgemacht. Ähnlich verläuft die Zusammenarbeit im Sudan. Journalisten des US-Senders CNN kamen zum Schluss, dass Prigozhins Privatarmee militärische Unterstützung im Tausch gegen Zugang zu wichtigen Rohstoffen liefert.

Milliardenaufträge für russische Konzerne

Doch das russische Engangement sollte nicht überschätzt werden, analysiert etwa der Moskauer Think Tank "Carnegie Center". "Die Russen werden in Afrika als jemand wahrgenommen, der Sicherheit als Service liefern kann im Rahmen eines wirtschaftlichen Deals, ohne die Souveränität jener Länder politisch oder wirtschaftlich einzuschränken", schreiben die Experten. Eine geopolitische Strategie sei bisher nicht erkennbar.

Eine solche Stellung dürfte für Wladimir Putin aber langfristig nicht genug sein. Deshalb will der Kreml sein Afrika-Engagement nun intensivieren. Unter anderem weil Moskau seinen Staatskonzernen Milliardenaufträge verschaffen will. So hat Russland Ägypten einen Kredit von rund 25 Milliarden Euro zum Bau eines Atomkraftwerks genehmigt. Seit Jahren träumt auch die russische Eisenbahn davon, große Projekte in Afrika anzugehen. Der Kontinent gilt zudem als wichtiger Importeur russischen Weizens und als treuer Kunde russischer Waffenschmieden. In den letzten fünf Jahren hat sich der Handel zwischen Russland und afrikanischen Ländern auf knapp 20 Milliarden Euro verdoppelt.  

Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita steigt in Sochi aus dem Flugzeug.
Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita bei seiner Ankunft in Sotschi. Bildrechte: IMAGO

Doch neben wirtschaftlichen Dividenden dürfte Wladimir Putin vor allem darauf hoffen, sich neue politische Freunde zu machen. Und auch nach Innen muss der Präsident sein Image eines weltweit angesehenen Politikers pflegen. Ähnlich wie schon die Sowjetunion, setzt Russland heute auf engere Kooperation mit Entwicklungsländern, vor allem jenen, die ebenfalls ein schwieriges Verhältnis zum Westen pflegen und mit denen sich Moskau nicht bei Themen wie Demokratie und Völkerrecht aufhalten muss. In Afrika dürfte Putin reichlich neue Gesprächspartner finden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 05. Dezember 2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 05:00 Uhr