Gedenken an getöteten Danziger Oberbürgermeister Pawel Adamowicz
Bildrechte: imago/ZUMA Press

Polen Rekordspenden zu Ehren des ermordeten Bürgermeisters

Nach dem tragischen Tod des Danziger Bürgermeisters Paweł Adamowicz sorgt eine spektakuläre Spendenaktion für Schlagzeilen. Innerhalb weniger Tage wurden etwa 16 Millionen Zloty (umgerechnet 3,7 Millionen Euro) im Namen des ermordeten Kommunalpolitikers gesammelt und die Summe steigt weiter.

Gedenken an getöteten Danziger Oberbürgermeister Pawel Adamowicz
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Adamowicz wurde am 13. Januar bei einer Spendengala der "Großen Weihnachtshilfe" erstochen. Es war die 27. Auflage von Polens größter und beliebtester Charity-Aktion. Dabei schwärmen jedes Jahr Tausende Freiwillige unter anderem mit Spendenboxen aus, um Geld für Medizintechnik zu sammeln.

Einer dieser Freiwilligen war auch Bürgermeister Adamowicz, der bei dem landesweiten Finale der Aktion stolz verkündet hatte, in diesem Jahr mehr als 5.000 Zloty gesammelt zu haben, so viel wie noch nie. Nach seinem tragischen Tod kam eine Internetuserin deshalb auf die Idee, Adamowiczs letzte Spendenbox, die er nicht mehr selbst abgeben konnte, virtuell noch mit Geld zu füllen. Dazu startete sie einen Aufruf in den sozialen Netzwerken, der sich rasant verbreitete.

Ich hatte den Bürgermeister im Fernsehen gesehen, wie er lächelt und sich freut, dass es ihm gelungen sei, 5.000 Zloty zu sammeln. Und dann ist mir bewusst geworden, dass es seine letzte Sammelaktion war. Dabei hätte er noch all die Jahre mit uns sammeln können. Ich dachte mir, das kann doch nicht sein! Ich hätte so gern meine Spende in seine Box geworfen. Deshalb habe ich eine spontane Sammlung gestartet, nur für meinen Freundeskreis, und die ist riesig geworden!

Patrycja Krzymińska, Initiatorin der Spendenaktion natemat.pl
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Eine Internetuserin wollte die "letzte Spendenbox" des verstorbenen Danziger Bürgermeisters füllen lassen - mehr als sechs Millionen Zloty kamen zusammen. Bildrechte: Patrycja Krzymińska

Die junge Frau wollte ursprünglich 1.000 Zloty sammeln, umgerechnet knapp 240 Euro. Doch ihr Aufruf stieß auf enorme Resonanz. Bereits nach drei Tagen war das gesetzte Ziel erreicht, doch das Geld strömte regelrecht auf das Spendenkonto - die Aktion hatte sich verselbständigt. Internet-User gaben immer neue Zielmarken aus, mit Hashtags wie #wirsamelneinemillion und #wirschaffenauchzwei. Am Dienstagabend, acht Tage nach Adamowiczs Tod, erreichte das Spendenaufkommen bereits 16 Millionen Zloty, wie der Internetseite der Aktion zu entnehmen ist. Die Spendenaktion wurde am Dienstagabend eingestellt. Eine bachtlicher Beitrag zur landesweiter Charity-Aktion, die momentan rund 56 Millionen Zloty auf dem Konto hat.

Anfangs habe ich mich bemüht, jedem Spender persönlich zu danken, aber ich komme nicht mehr nach.

Patrycja Krzymińska, Initiatorin der Spendenaktion natemat.pl

Die zweifache Mutter freut sich, dass die Polen so spendabel sind. Schließlich wird mit der Aktion das Andenken von Bürgermeister Adamowicz geehrt. Und der war ihrer Meinung nach ein einzigartiger Mensch: "Ich weiß nicht, ob es einen anderen Bürgermeister in einer Großstadt gibt, der durch die Straßen geht, die Menschen anspricht und fragt, welche Probleme sie haben. Einen, der wie jeder Otto Normalverbraucher mit der Straßenbahn zur Arbeit fährt oder mit den Menschen unter freiem Himmel feiert. Einen anderen, der so ist wie er, gibt es nicht!"


Paweł Adamowicz Der Bürgermeister der polnischen Stadt Danzig, Paweł Adamowicz, wurde am 13. Januar beim Danziger Finale der landesweiten Charity-Aktion "Großes Orchester der Weihnachtshilfe" angegriffen. Der Attentäter stach mehrmals mit einem Messer auf ihn ein, beschädigte dabei das Herz und weitere innere Organe. Adamowicz erlag am nächsten Tag seinen schweren Verletzungen. Der Angreifer war erst kurz davor aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen Banküberfällen eine mehr als fünfjährige Haftstrafe absitzen musste. Der Mann ist möglicherweise psychisch krank.

(baz/natemat.pl)


Über dieses Thema berichtet MDR aktuell auch im Fernsehen: MDR AKTUELL | 19.01.2019 | 19.30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2019, 08:49 Uhr

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