Russland - Ukraine MH17-Abschuss: Russland beschuldigt Ukraine

Die russische Regierung hat nach eigener Darstellung Beweise dafür, dass die 2014 über der Ostukraine abgeschossene Linienmaschine von einer ukrainischen Rakete getroffen wurde. Kiew bezeichnet die Vorwürfe als "Lüge".

Vier Jahre nach dem Abschuss des Malaysian Airlines-Flugs MH 17 über der Ostukraine präsentierte das russische Außenministerium 2018 bei einer Pressekonferenz in Moskau vermeintliche Beweise dafür, dass die Boing 777 von einer ukrainischen Rakete getroffen wurde.

Nach langer Auswertung der eigenen Archive habe sich herausgestellt, dass die "BUK"-Rakete zwar aus sowjetischer Produktion stamme, aber 1986 in die Ukraine gebraucht und in die dortige Armee eingegliedert wurde, sagte der General Nikolai Parschin der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Danach sei die Raketen im Einflussberiech des ukrainisches Militärs verblieben.

Telefonat soll ukrainischen Oberst belasten

Außerdem sollen dem Verteidigungsministerium belastende Telefonmitschnitte vorliegen, berichtet das vom russischen Außenministerium finanzierte Nachrichtenportal "RT Deutsch". In dem Gespräch seien zwei Männer zu hören, die eine "Schließung des Luftraums" diskutieren. In dem hitzigen Gespräch drohe einer der Männer: "dann schießen wir eine weitere malaysische Boeing ab".

Nach russischer Darstellung sollen die Aufnahmen aus dem Jahr 2016 stammen und es sich bei dem gehörten Mann um Ruslan Grintschuk handeln, einen Oberst der ukrainischen Armee, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Grintschuk war im Juli 2014 Kommandeur der 164. Radiotechnischen Brigade der ukrainischen Luftabwehr, die in der Nähe der umkämpften Gebiete in der Ostukraine stationiert waren.

Widerspruch aus Kiew

Kiew widersprach dem Bericht umgehend und vehement. Verteidigungsminister Stepan Poltorak sagte: "Das ist eine weitere Lüge, ein weiterer Fake Russlands, der zeigt, dass Russland seine Pläne zur Zerstörung der Autorität der Ukraine nicht beiseite gelegt hat." Die Regierung verwies auch auf den Zwischenbericht der internationalen Untersuchungskommission, den diese im Mai 2018 vorgelegt hatte.

Die Ermittler des "Joint Investigation Team" hatten den Absturz jahrelang untersucht und dazu Sattelitendaten, Foto- und Videomaterial, sowie Zeugenaussagen ausgewertet. Die Kommission besteht aus Experten aus Malaysia, den Niederlanden, Belgien, Australien und der Ukraine. Ihr Abschlussbericht legt nahe, dass die verwendete Rakete aus der russischen Stadt Kursk in die Separatistengebiete transportiert und dort abgefeuert wurde.

Die Boeing 777 der Malaysian Airlines mit der Kennung MH17 war am 17. Juli 2014 auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Auf dem Flug über die Ostukraine wurde sie von einer Luftabwehrrakete getroffen und stürzte ab. Alle 198 Insassen kamen ums Leben.

(ahe)

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 24.05.2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 09:59 Uhr