Eine Seniorin steht vor einer Stoffdekoration in den Farben der moldauischen Nationalflagge
Ein Bild von 2016: Eine Rentnerin vor der moldauischen Nationalflagge. Bildrechte: dpa

Republik Moldau Nachbarn übernehmen Altenpflege

Während in Deutschland ein Pflege-TÜV eingeführt wird, um Qualitätsmängel in Heimen sichtbar zu machen, liegt die Altenpflege in der Republik Moldau am Boden. Ein Viertel der Einwohner jobbt im Ausland, um der Familie zu Hause das Überleben zu sichern. Die zurückgelassenen Alten benötigen oft nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Zuwendung.

Eine Seniorin steht vor einer Stoffdekoration in den Farben der moldauischen Nationalflagge
Ein Bild von 2016: Eine Rentnerin vor der moldauischen Nationalflagge. Bildrechte: dpa

Wer in der Repubik Moldau das Rentenalter erreicht hat, muss in der Regel ums Überleben kämpfen. Die Durchschnittsrente liegt nach 30 Arbeitsjahren bei monatlich 65 Euro. Wie von dieser winzigen Summe überleben, die laut nationaler Krankenversicherung der Republik Moldau nicht einmal zwei Drittel des Existenzminimums ausmacht? Vielen der rund 680.000 Rentner im Land gelingt das nur mithilfe der Familie, die vielerorts ins Ausland abgewandert ist, um mehr Geld zu verdienen.

Rückläufige Bevölkerungszahl

Laut Außenministerium in Chisinau haben in den vergangenen Jahren rund 800.000 Moldauer dem Land den Rücken gekehrt, um in Russland oder in Westeuropa zu jobben und dem daheimgebliebenen Rest der Familie das Überleben zu sicher. Die Dunkelziffer der Ausgewanderten soll deutlich höher liegen. Doch nicht nur wegen der Auswanderung, sondern auch wegen der sinkenden Geburtenrate schwindet in der Republik Moldau seit Jahren kontinuierlich die Bevölkerung. Derzeit gibt es 3,5 Millionen Einwohner im Land. Sollte die Auswanderung so weitergehen wie jetzt, könnten laut Vereinten Nationen (UNO) im Jahr 2050 im Land nur noch zwei Millionen Menschen leben.

NGO organisiert Nachbarschaftshilfe

Zurück bleibt gerade in den Dörfern die ältere Generation, die eine helfende Hand dringend nötig hätte. Doch oftmals gibt es nicht einmal einen Arzt in der Gemeinde, geschweige denn ein Altenheim. Deswegen organisiert die Moldauische Christenhilfe (MCA) - eine Nichtregierungsorganisation - seit 2015 in einigen Dörfern eine Nachbarschaftshilfe, darunter auch in der 2.000-Seelen-Gemeinde Varatic im Nordwesten des Landes.

Fast ein Fünftel der Einwohner haben Varatic verlassen, um im Ausland zu jobben. Um die zurückgebliebenen und alleinstehenden Rentner kümmern sich die Jugendlichen des Ortes - sie helfen im Haushalt oder im Garten. Sie lernen, dass ihr Ort eine Gemeinschaft und eine große Familie ist und ehrenamtliches Engagement nötig ist.

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im: TV | 11.05.2015 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2018, 10:52 Uhr

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