Jungarmisten in Krasnodar
Immer mehr Jugendliche in Russland üben die Verteidigung des Vaterlandes. Etwa bei der "Jungarmee". Hier bei einer Veranstaltung in Krasnodar. Bildrechte: dpa

Russland, 31.03.2017 Kriegsspiele im Kindergarten

In Russland nehmen immer mehr Kinder an militärischen Früherziehungsprogrammen teil. Sogar in Kindergärten wird bereits das Marschieren fürs Vaterland geübt - sehr zur Freude der russischen Führung.

Jungarmisten in Krasnodar
Immer mehr Jugendliche in Russland üben die Verteidigung des Vaterlandes. Etwa bei der "Jungarmee". Hier bei einer Veranstaltung in Krasnodar. Bildrechte: dpa

Ein gutes Dutzend Jungen und Mädchen haben sich in einer Reihe aufgestellt: alle in Tarnuniform, ein Barett auf dem Kopf, die Brust durchgedrückt. „"Stets bereit, euch zu dienen", brüllen sie auf Kommando. Hinter ihnen hängt eine russische Flagge, darüber prangt der Wahlspruch der Gruppe: "Verteidiger des Vaterlandes".

"Reserve der Armee"

Die Verteidiger des Vaterlands sind zwischen fünf und sieben Jahren alt und besuchen einen Kindergarten in Cherepowets, einer 300.000-Einwohner-Stadt 500 Kilometer nördlich von Moskau. Mit ihrer Militärgruppe, die offiziell "Reserve" heißt, sollen sie nun Veteranen und Militärmuseen besuchen, Vorführungen organisieren und das Marschieren üben.

Kinder der Gruppe "Reserve".
Fünf bis sieben Jahre alte sind die Kinder, die hier öffentlich schwören, ihr Vaterland zu verteidigen. Bildrechte: Cherepovets News Agency

Der Name "Reserve" ist dabei Programm, wie eine Vertreterin des Gemeindevorstands dem lokalen Nachrichtenportal "CherInfo" bei der Vorstellung erklärte. Die Kinder seien "die Reserve für unsere Soldaten", so Natalia Elifanovskaya. Die Gründer des Clubs sehen diese frühkindliche Militärerziehung als patriotische Pflicht an.

"Verlorene Generation"

Solche lokalen Projekte sind ganz im Sinne des Kreml. So kam auch Aleksej Konaew zur Vorstellung der "Reserve". Er sitzt in der Staatsduma als Abgeordneter der Regierungs-Partei "Einiges Russland". Und die möchte die Jugend wieder zu mehr Patriotismus erziehen.

"Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen, wie in den 90ern", sagt Konaew. Die damals geborene Generation sei "eine verlorene" im Sinne des Patriotismus. Es ist die Generation, die Ende März in dutzenden russischen Städten gegen Korruption im Staatsapparat auf die Straßen gegangen ist.

"Jungarmee" und "Park Patriot"

Das Vorschulprogramm passt daher gut in das Erziehungskonzept der russischen Führung. Bereits jetzt gibt es für Kinder ab acht Jahren eine so genannte "Jungarmee". Diese "patriotisch soziale Bewegung" wird vom Verteidigungsministerium finanziert. Für sie und andere russische Jugendliche wird auch das Freizeitprogramm ausgebaut.

So gibt es seit zwei Jahren nahe Moskau den "Park Patriot", einen 4.000 Quadratmeter großen Militär-Vergnügungspark mit Geschütztürmen, Flugsimulatoren und Schießvorführungen mit echten Panzern: Ende April weiht der Park einen Nachbau des Berliner Reichstags ein, den die Jungarmisten dann wie ihre Vorfahren 1945 erstürmen können.

Patriotismus auf Facebook und Co.

Auch online will der Staat die Verteidigung des Vaterlandes verstärkt bewerben. Vergangenes Jahr hat das Erziehungsministerium sein neues "patriotisches Erziehungsprogramm" vorgestellt. Damit soll die Jugend auf "ihre zivilen und verfassungsmäßigen Verpflichtungen zum Schutz der Interessen des Vaterlandes" vorbereitet werden.

Außerdem wurden Firmen beuaftragt, entsprechende Webpräsenzen aufzubauen. Dabei sollen alle wichtigen Sozialen Plattformen mit patriotischen Inhalten bespielt werden: YouTube, Twitter, Instagram, Facebook und deren russische Pendants VKontakte und Odnoklassniki.

In Cherepowets ist die Botschaft bereits angekommen. Der "Reserve" sollen andere Kindergarten-Gruppen in der Stadt folgen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: TV | 16.11.2016 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. März 2017, 17:07 Uhr

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