Blutbeutel
Doping zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Blut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leistungssteigerung Höhentraining versus Blutdoping - warum ist das eine erlaubt?

MDR-AKTUELL-Hörer Jobst Henker aus Dresden beschäftigt das Thema Blutdoping und ob dort mit zweierlei Maß gemessen wird. Durch Blutdoping werden dem Körper rote Blutkörperchen zugeführt und damit die Sauerstoffversorgung verbessert, was zu einer Leistungssteigerung führt. Derselbe Effekt besteht beim Höhentraining. Trotzdem ist das eine verboten und das andere erlaubt. Die Frage ist nun, warum wird dieser Unterschied gemacht?

von Karsten Möbius, MDR WISSEN

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Doping zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Blut Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Begründung, warum das eine erlaubt ist und das andere nicht, ist relativ simpel und wird vor allem mit der Gesundheit der Sportler begründet: Ab einer Höhe von etwa 2.500 Metern ist die Luft so dünn und hat so wenig Sauerstoff,  dass der Körper beginnt, mehr rote Blutkörperchen zu produzieren, um die Zellen mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Das nutzen Sportler, um ihr Blut aufnahmefähiger für Sauerstoff zu machen.

Die Vorsitzende der Nationalen Antidoping Agentur, Dr. Andrea Gotzmann, erklärt, dass beim Höhentraining eine natürliche physiologische Anpassung des Körpers an die Umgebungsbedingungen stattfindet. Die entscheidende Formulierung sei hier die „natürliche Anpassung“.

Dr. Dirk Schwenke vom Institut für Dopinganalytik in Kreischa verweist dabei auf den körpereigenen Prozess.

Der Körper sagt einfach, ich produziere so viel rote Blutzellen, aber man kann's nicht übertreiben. Da ist einfach ein Limit im Körper festgesetzt, mehr rote Blutzellen macht der Körper nicht.

Dr. Dirk Schwenke

Schwenke ergänzt, selbst wenn der Sportler auf den Himalaya steigen würde, produziere er zwar in dem Moment ganz schnell mehr rote Blutkörperchen. Aber auch da sei irgendwann ein Limit erreicht.

Physiologisch gegen unphysiologisch

Und was ist jetzt der Unterschied zum Blutdoping, bei dem Athleten sich - am besten nach einem Höhentraining - Blutabzapfen lassen, warten bis sich der Körper erholt hat und sich dann aus der Blutkonserve zusätzlich die roten Blutzellen durch eine Infusion holen? Er liegt in der Physiologie der körpereigenen Prozesse.

Blutdoping ist ein massiver, unphysiologischer Eingriff in die Regelsysteme des menschlichen Körpers.

Dr. Andrea Gotzmann

Die Vorsitzende der Nationalen Antidoping Agentur verweist dabei zugleich auf die großen Gesundheitsgefahren durch Blutdoping.

Dirk Schwenke vom Dopinglabor warnt vor einem weiteren Effekt: Durch die Erhöhung der roten Blutzellen werde auch das Blut dicker und sei nicht mehr ganz so flüssig. Der natürliche Prozess stoppe dagegen an einer bestimmten Stelle. Eine Bluttransfusion laufe dagegen weiter.

Blut beim Sport wie dünner Ketchup

Schwenke vergleicht den Prozess mit Ketchup. Wenn man Ketchup belaste (also kurz schüttele), sei er dünn und könne gut rausgedrückt werden. Das sei bei Blut genauso. Wenn man dieses durch Training oder Wettkampf belaste, werde dickes Blut quasi dünner und fließe besser. Wenn die Belastung zurückgefahren werde, verdicke sich das Blut schlagartig. Risiken für Herzinfarkt und Hirnschlag seien sehr groß. Man vermute, dass in den 90-er Jahren mehrere Todesfälle junger Athleten darauf zurückzuführen seien. 

Welche Leistungssteigerung - vor allem in Ausdauersportarten - durch Blutdoping erreicht werden kann, ist umstritten und nicht ganz geklärt. Eine Studie bei Sportstudenten stellte eine verbesserte Leistung von 5-10% fest. Ob das bei austrainierten Hochleistungsathleten auch so ist, weiß man nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2019 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 06:48 Uhr

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