Abwasser
Tampons, Windeln, Feuchttücher – die Elbe war am Wochenende kein schöner Anblick. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Starkregen Abwasser und Müll in der Elbe

Die Magdeburger waren am Wochenende entsetzt: Tampons, Windeln, Feuchttücher und anderer Müll schwammen in der Elbe. Denn durch Starkregen wurde ein Teil des Abwassers ungefiltert in den Fluss abgelassen. Kein schöner Anblick. Doch wie umweltschädigend ist das? Und wird das – mit Blick auf den Klimawandel – häufiger vorkommen?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Abwasser
Tampons, Windeln, Feuchttücher – die Elbe war am Wochenende kein schöner Anblick. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn es so stark regnet wie am Samstagabend in Magdeburg, dann kommt die Kanalisation an ihre Grenzen. Um die Kläranlage vor dem Kollaps zu schützen, wird ein Teil des Regen- und Abwassers ungefiltert in die Elbe geleitet – mit behördlicher Genehmigung.

Müll gehört nicht ins Klo

Dass so viel Müll dabei war, liege aber an den Bürgern, meint Andreas Lehnert von den Stadtwerken Magdeburg. "Das sind alles Sachen, die man da sieht, die auch uns nicht gefallen. Wir finden im Abwasser so viele Grobstoffe, die da nicht rein gehören: Windeln, Tampons, Kondome, Kartoffelschalen." Sichtbar werden sie, weil das Abwasser zusammen mit dem Regenwasser durch die Kanäle an die Kläranlage geleitet wird – und bei extremen Regengüssen, eben teilweise in den Fluss.

Klimawandel ist schuld

Inwiefern das die Umwelt belastet – auch durch Medikamentenreste und Mikroplastik – sei noch nicht ausreichend untersucht, sagt Frank Brauer vom Bereich Abwasserentsorgung beim Umweltbundesamt. "Es gibt lokale Belastungen, aber so ein Gewässer kann das in der Regel wegstecken. Wenn solche Mischwasserabschläge aber zunehmen, dann muss man sich natürlich Gedanken machen, wie man dem begegnet."

Durch den Klimawandel nehmen extreme Wetterereignisse zu, so auch der Starkregen, beobachtet das Umweltbundesamt. Das bestätigt auch Petra Mahrenholz vom Bereich Klimafolgen: "Wir können anhand von Radardaten beobachten, dass diese Starkregen lokal immer häufiger auftreten." Wo genau, sei allerdings sehr schwer vorherzusagen, so Petra Mahrenholz.

Keine einfache Lösung

Deshalb sollte man vor allem die Vorsorge ausbauen. Das hat man auch beim Bundesverband für Energie- und Wasserwirtschaft erkannt. Von einer Vergrößerung der Kanalisation rät der Hauptgeschäftsführer für Wasser und Abwasser, Martin Weyand, jedoch ab.

Zum einen sei es sehr teuer, zum anderen führe es oft am Ziel vorbei. "Zumal in dem Rest der Zeit diese Kanäle nur unterdurchschnittlich genutzt werden. Also da haben wir eher das Problem, dass aufgrund des geringen Zuflusses Kanäle gespült werden müssen."

Mögliche Maßnahmen

Wichtig ist es, laut den Experten, Möglichkeiten zu schaffen, dass der Regen in Massen erst gar nicht in die Kanalisation kommt. Das schaffe man durch große Versickerungsflächen oder sogenannte Rückhaltebecken, wo der Regen zunächst aufgefangen und später in die Kläranlage abgelassen wird. Die Kombination macht's, findet Martin Weyand und pocht dabei auch auf eine stärkere Begrünung:

"Man wird wahrscheinlich stärker dazu übergehen müssen, die Gebäude, zum Beispiel die öffentlichen Gebäude, aber auch Privatgebäude, bauvorschriftlich stärker zu begrünen." Sein Vorschlag: Dächerbegrünung. "Damit wir auch von der Dächerseite her den Regen, der in der Stadt niedergeht, besser auffangen können." So könnte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und Fluss wie Luft ein Stück sauberer halten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2019, 05:00 Uhr

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1 Kommentar

16.07.2019 08:04 colditzer 1

"Wenn es so stark regnet wie am Samstagabend in Magdeburg, dann kommt die Kanalisation an ihre Grenzen. Um die Kläranlage vor dem Kollaps zu schützen, wird ein Teil des Regen- und Abwassers ungefiltert in die Elbe geleitet – mit behördlicher Genehmigung."

Deutschland will das Weltklima retten.
Und verdreckt mit behördlicher Genehmigung die Flüsse.
Weil angeblich kein Geld da ist.

"Inwiefern das die Umwelt belastet – auch durch Medikamentenreste und Mikroplastik – sei noch nicht ausreichend untersucht, sagt Frank Brauer vom Bereich Abwasserentsorgung beim Umweltbundesamt."

Ja, und wenn dieser Herr immer noch diese Meinung hat, dann ist alles vergeblich.
Ob die Sonne wirklich existiert zweifelt er wahrscheinlich auch an.
Es fehlt ihm schlicht und einfach eine Studie.