Abzocke an der Haustür Wie Sie sich vor Betrügern schützen

Sie geben sich als Handwerker aus, als Versicherungsvertreter oder gar als Polizist. Betrüger versuchen immer wieder an der Haustür teure Abos zu verkaufen oder die Wohnung für einen späteren Einbruch auszuspionieren. Expertin Ilona Wessner erklärt, wie sich schützen können.

Ein Mensch klingelt vor einer Haustür an einer Gegensprechanlage
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Unangekündigt stehen sie vor der Tür und wollen Ihr Geld. Oder zumindest einen Blick in Ihre Wohnung werfen, um nach lohnendem Diebesgut Ausschau zu halten. Betrug an der Haustür ist nicht neu. Doch die Kriminellen lassen sich immer wieder neue Varianten der Masche einfallen, um arglose Anwohner zu täuschen.

Welche Tricks besonders häufig angewendet werden und wie sie reagieren sollten, wenn ein vermeintlicher Betrüger vor der Tür steht, weiß Kriminalrätin Ilona Wessner.

Die falschen Spendensammler

In den vergangenen Monaten zogen Betrüger von Tür zu Tür, um angeblich Spenden für Corona-Kranke zu sammeln. Auch vor der Pandemie war die Masche verbreitet. Das Geld sollte dann oft an Kinderkrankenhäuser oder Krebspatienten gehen. Immer aber landete es in den Taschen der Kriminellen.

Geld wird in eine Spendendose gesteckt
Spendenboxen müssen ordnungsgemäß verplombt sein. Bildrechte: colourbox.com

Um darauf nicht hereinzufallen gilt: Immer den Personal- sowie den Sammlerausweis zeigen lassen. Wer sich als Mitglied eines Vereins vorstellt, muss das belegen können. Bei Bargeldsammlungen sollte man außerdem darauf achten, dass die Sammelbüchse ordnungsgemäß verplombt ist und die Bezeichnung der Organisation trägt.

Sicherheit bietet auch das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Das Siegel wird allerdings erst ab einem jährlichen Spendenaufkommen von mindestens 25.000 Euro vergeben. Bei kleineren Vereinen hilft im Zweifelsfall nur: Direkt anrufen und Nachfragen. Suchen Sie sich die Nummer dazu selbst aus den Gelben Seiten. Der Betrüger könnte Ihnen die Nummer eines Komplizen geben.

Seriöses Spendensiegel Das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) wird an seröse Organisationen vergeben. Vor Vergabe werden unter anderem die Zielsetzung, die Mittelverwendung sowie die Werbung geprüft.

Wer Druck macht, ist verdächtig

Einige Spendensammler wollen eine sofortige Unterschrift von Mitgliedsbeiträgen, manchmal schüren sie bei den oft älteren potenziellen Neumitgliedern, die tagsüber die Türen öffnen, auch Ängste. Zum Beispiel: Ohne die Spende sei der Rettungsdienst im Ortsteil vielleicht bald nicht mehr gewährleistet. Das ist unseriös. Dem sollten Sie keinesfalls nachgeben.

Das vermeintliche Schnäppchen

Eine andere Variante der Masche: Es klingeln Vertreter, die Sie drängen jetzt sofort bestimmte Ware zu kaufen oder einen Vertrag mit Sonderkonditionen abzuschließen. Egal ob für ein Zeitungsabo oder einen Stromtarif: Am Ende zahlen Sie meist ordentlich drauf.

Ein Dachdecker bei der Arbeit.
Falsche Handwerker kassieren oft für Arbeiten, die sie gar nicht ausführen. Bildrechte: IG BAU

Andere Betrüger geben sich als Handwerker aus, die einen angeblichen Rohrbruch beheben müssen oder das Dach reparieren. Im sächsischen Torgau sollen falsche Dachdecker so tausende Euro erbeutet haben.

Der sichere Haustürkauf

Die Polizei rät von Haustürkäufen insgesamt ab. Wenn Sie aber doch etwas kaufen möchten, gibt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Zahlen Sie nie bevor Sie die Ware erhalten haben.
  • Bitten Sie Nachbarn oder Bekannte als Zeugen dazu.

Vertrag wird unterzeichnet
Denken Sie immer an eine Vertragskopie. Bildrechte: colourbox.com

  • Unterschreiben Sie nichts, weil Ihnen Verkäufer Zeitdruck machen und nur, wenn Sie alles genau verstanden haben.
  • Achten Sie auf das richtige Datum und die Unterschriften.
  • Fordern Sie eine Vertragsdurchschrift, auf der Name und Anschrift des Vertragspartners deutlich lesbar sind.

Die korrekten Daten sind besonders wichtig, wenn Sie es sich anders überlegen und von einem Geschäft zurücktreten möchten. Denn Sie können einen schriftlichen Widerruf innerhalb von 14 Tagen nach Vertragsabschluss an den Verkäufer schicken – als Einschreiben mit Rückschein.

Das Widerrufsrecht gilt nicht, wenn Sie den Vertreter selbst bestellt haben oder wenn ein Bagatellgeschäft (bis 40 Euro) vorliegt.

Stehlen und auskundschaften

Ein fiktiver Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Wohnhauses auf.
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Nicht immer wollen die Betrüger Sie dazu bringen, ihnen Ihr Geld zu geben. Manchmal spekulieren sie auch darauf beim kurzen Aufenthalt in Ihrer Wohnung Wertsachen direkt stehlen zu können oder herauszufinden, wo sich ein späterer Einbruch lohnt.

Angeblich vom Amt

Betrüger klingeln häufig mit einer harmlos scheinenden Bitte, fragen beispielsweise danach das Telefon oder die Toilette zu benutzen. Manchmal geben sie aber auch vor, von einem Amt oder eine Behörde zu kommen. In der Corona-Krise täuschten Kriminelle beispielsweise vor, vom Gesundheitsamt zu sein und wegen einer infizierten Person im Haushalt in die Wohnung zu müssen. Dabei sind Hausbesuche die absolute Ausnahme und Mitarbeiter müssen sich immer ausweisen.

Eine weitere Masche im Zusammenhang mit Covid-19: Betrüger, die angeblich Corona-Tests anbieten. Solche unangekündigten Angebote vom Gesundheitsamt gibt es nicht.

Eine Masche, viele Rollen

Betrüger schlüpfen aber auch in andere Rollen, um sich Zugang zu Wohnungen zu verschaffen, zum Beispiel:

  • Polizisten, Kriminalbeamte oder Gerichtsvollzieher
  • Mitarbeiter der Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerke
  • Handwerker, Heizkostenableser oder Beauftragte der Hausverwaltung
  • Mitarbeiter der Kirche oder des Sozialamtes
  • Berater der Krankenkasse oder der Rentenversicherung
  • Postzusteller oder Monteure einer Telefongesellschaft

Tipps, wenn Unbekannte klingeln

Um Sicherzugehen keinem Betrüger aufzusitzen, sollten Sie Vorsicht walten lassen und sich an folgende Tipps halten:

Alarmanlage und Sicherheitskette an einer alten Holztür
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  • Vergewissern Sie sich vor dem Öffnen, wer zu Ihnen will, schauen Sie aus dem Fenster, durch den Türspion, benutzen Sie die Sprechanlage.
  • Öffnen Sie die Tür nur mit vorgelegter Sperrkette.
  • Fordern Sie den Dienstausweis, prüfen Sie Ihn sorgfältig (Foto, Behörde, Stempel), lassen Sie sich zusätzlich noch den Personalausweis zeigen.

  • Lassen Sie nur Handwerker ein, die Sie selbst bestellt haben oder die vorher durch Firma oder Hausverwaltung angekündigt wurden.

  • Wenn Sie alleine sind, haben Trickdiebe ein leichtes Spiel. Versuchen Sie einen Nachbarn dazu zu bitten, oder bestellen Sie den Besucher zu einem späteren Termin noch ein Mal. 

Sollten Sie doch Opfer einer Straftat geworden sein, Informieren Sie sofort die Polizei. Im Notfall Polizeiruf 110. Prägen Sie sich zudem Einzelheiten über Täter und Tat-Ablauf ein. Sie unterstützen so die Arbeit der Polizei.

Mehr Prävention

Quelle: BKA/Polizei Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 07. Juli 2020 | 17:00 Uhr