Öffentlicher Dienst Wegen schlechterer Bezahlung: Gesundheitsämtern fehlen Ärzte

Die Corona-Pandemie hat ja so einiges ins Licht der Öffentlichkeit gerückt: systemrelevante Berufe, prekäre Arbeitsbedingungen von Erntehelfern und auf Schlachthöfen. Und auch die Gesundheitsämter stehen im Fokus wie wahrscheinlich selten zuvor. Doch auch hier gibt es ein Personalproblem. Und das könnte auch an der Bezahlung liegen.

Ein Schild mit der Aufschrift "Gesundheitsamt".
Den Gesundheitsämtern fehlt es an Personal. Bildrechte: imago images/Waldmüller

Petra Albrecht leitet als Amtsärztin das Gesundheitsamt Meißen. Minutenlang kann sie aufzählen, welche Aufgaben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen erfüllen: "Vorbeugen und Verhindern von Erkrankungen ist so unser Hauptanliegen. Das fängt schon an vor der Geburt eigentlich: Schwangerenkonfliktberatung, Schwangerenberatung."

Weiter gehe es mit Untersuchungen bei Kindern, mit der hygienischen Überprüfung von Krankenhäusern und Heimen, Impfberatung, Infektionsschutz, Begleitung psychisch Kranker. Aber auch die Kontrolle der Trinkwasserqualität, Badewasserüberprüfung, Friedhofshygiene und Gesundheitsberichterstattung fällt in ihren Aufgabenbereich.

Seit Jahren unbesetzte Stellen

Petra Albrecht ist auch Vizepräsidentin der Sächsischen Landesärztekammer und im Landesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Sie weiß: "Wir haben Stellen in den Gesundheitsämtern – und nicht nur in unserem, ich kenne das von allen anderen Gesundheitsämtern auch – die leider über Jahre nicht besetzt werden können, weil niemand kommt."

Während es 2018 in der Stadt Leipzig durchschnittlich drei Monate gedauert hat, offene Amtsarztstellen neu zu besetzen, waren es im Erzgebirgskreis fünf Jahre. Das geht aus einer kleinen Anfrage der AfD von November 2019 hervor. Verlässliche Zahlen zu aktuell vakanten Stellen in sächsischen Gesundheitsämtern gibt es nicht. Ein Drittel aller Amtsärzte würde aber in den nächsten acht Jahren in Rente gehen, heißt es beim Sächsischen Berufsverband. Gesucht würden neben Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen auch Fachärzte für Psychiatrie, für Hygiene und Umweltmedizin oder für Kinderheilkunde.

Klinikärzte verdienen bis zu 1.000 Euro mehr

Eine Fachärztin eines sächsischen Gesundheitsamts, die anonym bleiben möchte, erzählt: "Spätestens wenn die sich dann entschieden haben, doch den Weg ins Gesundheitsamt zu finden, und sehen, was die an Gehalt bekommen, gibt es welche, die erfahrungsgemäß dann sagen: Nee, vielen Dank."

Wie weit das Grundgehalt von Ärzten und Ärztinnen im Öffentlichen Gesundheitsdienst und das von in Kliniken angestellten Medizinern tatsächlich auseinanderliegt, lässt sich pauschal nur schwer sagen. Das Einstiegsgehalt für Fachärzte in Kommunalen Kliniken liegt laut Tarifrechner vom Marburger Bund bei 6.074 Euro bei einer Vollzeitstelle.

Damit kann ein Facharzt an einer Klinik vom Grundgehalt bis zu 1.000 Euro mehr verdienen als im Gesundheitsamt. Allerdings hängt das davon ab, wie weit man auf der Karriereleiter bereits ist; ein Arzt in Weiterbildung verdient an einer Klinik deutlich weniger als ein Oberarzt. In der Klinik sind die Arbeitszeiten aber auch anders, Schicht- und Wochenenddienste sind hier Standard.

Im Amt sind dafür in vielen Bereichen die Arbeitszeiten planbarer und klarer geregelt. Ist der Unterschied beim Grundgehalt dann nicht doch fair? Sabine Ermer, Vorsitzende des Marburger Bundes Sachsen, sagt: "Das zählt für mich nicht, weil es auch andere Bereiche gibt in der Medizin, zum Beispiel den Medizinischen Dienst, der ähnlich geregelte Arbeitszeiten hat und trotzdem einen Tarifvertrag mit dem Marburger Bund hat."

Kein Tarifvertrag beim Marburger Bund

Der Marburger Bund ist die Gewerkschaft aller angestellten und verbeamteten Ärztinnen und Ärzte. Für die Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst will Vorsitzende Ermer ebenfalls einen Tarifvertrag mit dem Marburger Bund. Doch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, kurz VKA, stellt sich quer.

Christine Putzler-Uhlig, Verbandsgeschäftsführerin des Kommunalen Arbeitgeberverbands Sachsen, schreibt MDR AKTUELL dazu: "Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände hat nunmehr diesbezüglich Kontakt mit inzwischen drei Gewerkschaften. Es kann aber nicht sein, dass unterschiedliche Gewerkschaften unabgestimmt die Arbeitsbedingungen einer Beschäftigtengruppe in unterschiedlichen Tarifverträgen regeln wollen."

Die VKA beruft sich darauf, dass Amtsärzte bereits nach dem "Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst" bezahlt werden – also wie Verwaltungsangestellte und nicht wie Ärzte, sagt Sabine Ermer vom Marburger Bund.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2020 | 11:13 Uhr

7 Kommentare

Lisa vor 5 Wochen

Ja also welche Partei mit den Gewerkschaften zusammen steckt wissen wir doch alle.

Und diese Partei, also die SPD ist auch mitverantwortlich das der Mindestlohn nicht vollumfassend und flächendeckend umgesetzt wurde.

Also, wozu brauch man die spd noch?

Lisa vor 5 Wochen

„ Ich denke, Sie schreiben einfach dummes Zeug.“

Denken ist nicht Wissen?

Mit ein paar Klicks finden sie das schnell im Netz raus.

Sie wollen dich nur wieder von der SPD ablenken

Maria A. vor 5 Wochen

Wobei es da geregelte Arbeitszeiten gibt, was gegenüber den in Schichtdiensten tätig sein müssenden Ärzten ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Der einem Geldwert zuzurechnen sein sollte, da Familienväter und -mütter von arbeitsfreien Wochenenden wirklich profitieren können.