Ein Impfausweis
Derzeit werden zahlreichen Impfungen für Kinder empfohlen, eine Pflicht gibt es nicht. Bildrechte: dpa

Masern-Debatte Ärztepräsident für umfassende Impfpflicht

Seit Wochen wird in Deutschland über eine Impfpflicht gegen Masern diskutiert. Für Ärztepräsident Montgomery greift das zu kurz. Aus seiner Sicht sollte es auch eine Impfpflicht gegen andere Krankheiten geben.

Ein Impfausweis
Derzeit werden zahlreichen Impfungen für Kinder empfohlen, eine Pflicht gibt es nicht. Bildrechte: dpa

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich für eine generelle Impfpflicht für Kinder ausgesprochen. Montgomery sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, die Debatte um eine Impfpflicht sollte nicht auf Masern beschränkt werden.

Eine Begrenzung auf einzelne Krankheiten sei schon deshalb problematisch, weil in der Regel inzwischen Mehrfachimpfstoffe verwendet würden und keine Präparate gegen einzelne Krankheiten zur Verfügung stünden.

Kaum Impfstoffe gegen einzelne Krankheiten

Das ist etwa bei Masern der Fall. Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland ist ein einzelner Impfstoff gegen Masern in Deutschland nicht verfügbar und müsste erst importiert werden. Aktuell wird bei einer Masern-Impfung auch gleich gegen Mumps und Röteln mit geimpft. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt derzeit einen Vierfach-Impfstoff, der auch Windpocken mit abdeckt.

Montgomery zufolge sollten alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission für Kinder empfehle, verpflichtend sein. Nur wenn jeder geimpft werde, habe man eine Chance, bestimmte Krankheiten auszurotten und die Bevölkerung dauerhaft vor zum Teil lebensbedrohlichen Krankheiten zu schützen.

Empfohlene Impfungen für Kinder und Jugendliche

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Impfungen gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B, Haemophilus influenza Typ b, Pneumokokken, Rotaviren, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (Varizellen). Jugendliche sollen sich demnach auch gegen Humane Papillomviren impfen lassen.

Impfpflicht versus Schulpflicht

Der Ärztepräsident sagte, es seien praxistaugliche Strategien notwendig, um eine gesetzliche Impfpflicht umzusetzen. In Frage komme, Kindern, die nicht geimpft seien, den Besuch etwa von Kindertageseinrichtungen oder Schulen zu verbieten.

Die Impfpflicht stehe dann im Zweifel im Konflikt mit der Schulpflicht. Dieses Probleme müsse aber die Politik lösen.

Vorschläge für Impfpflicht in Arbeit

In der Politik wird angesichts mehrerer Masern-Fälle seit Wochen über eine Impfpflicht diskutiert. In Brandenburg will die Landesregierung eine Impfverordnung vorbereiten, setzt aber zugleich auf eine bundeseinheitliche Regelung. Auch Nordrhein-Westfalen prüft eine Impfpflicht.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich bereits für eine verpflichtende Masern-Impfung für Kinder ausgesprochen. Sein Ministerium erarbeitet derzeit Vorschläge für eine Impfpflicht. Sie sollen im Mai vorgelegt werden. Unterstützung kommt aus der SPD.

Masern sind hochansteckend und können in einigen Fällen auch tödlich sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. April 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2019, 08:22 Uhr

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19 Kommentare

22.04.2019 07:08 Ekki 19

Die Zahlen sind alarmierend. Mit weltweit 112.000 Erkrankten in den ersten drei Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Masern-Fälle auf das Vierfache des Vorjahreswertes hochgeschnellt. Und auch in Europa infizierten sich 2018 so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die hochgefährliche Viruserkrankung breitet sich immer stärker aus.
Als Grund dafür nennt die Weltgesundheitsorganisation nicht nur den Umstand, dass die Impfteams in schwer zugänglichen Gebieten oder Konfliktregionen nicht an die Menschen herankämen. Dank "gezielter Desinformation" habe auch das Vertrauen in die Immunisierung abgenommen

21.04.2019 12:52 Gerd Müller 18

Sächsische Kinderärzte dürfen Impfverweigerer abweisen wenn Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient gestört oder der Arzt das Gefühl habe, dass das Vertrauensverhältnis nicht herzustellen sei. Entscheiden sich die Eltern nach mehrmaligen Impfaufklärungen in ihrer Praxis trotzdem dafür, ihr Kind überhaupt nicht impfen zu lassen, empfiehlt sich einen anderen Arzt zu konsultieren. 95 Prozent der Kinderärzte in Sachsen handeln so. Kinderärzte sind diejenigen, die Kinderkrankheiten, gegen die geimpft wird, am besten kennen und auch die Folgeerscheinungen."

21.04.2019 10:48 NRW-18 17

@ 15 Gerd Müller
Ist es nicht merkwürdig, dass der Staat immer dann um die Gesundheit seiner Bürger besorgt ist, wenn seine Auftraggeber oder er selber daran verdienen?
Werden Zigaretten verboten?
Ist Alkohol wie in Schweden nur eingeschränkt erhältlich?
Ist Aspartam in Zero-Produkten verboten?
Werden Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung inkl. DECT und WLAN gesenkt?
Werden sogenannte "Getränke" mit Oxal- und Phosphorsäure und Mengen von Zucker verboten?
Wird der Flugverkehr auf ein normales Maß reduziert?
Aber alle Kinder sollen aufgrund sehr seltener, wenn auch in Einzelfällen schwerer Krankheitsverläufe durch Impfschäden gefährdet werden? Offensichtlicher kann Lobbyismus aus meiner Sicht nicht nicht sein.

21.04.2019 10:05 Lisa 16

Leider weiß eben keiner wo der Impfstoff hergestellt wird und unter welchen hygienischen Bedingungen.

Aber made in Germany draufdrucken.

21.04.2019 03:23 Gerd Müller 15

wer sich alte Bilder von Pockenkranken oder Fällen von Kinderlähmung anschaut, kann eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Impfungen sind ein Segen für die Menschheit.
Bis heute gilt nur das Pockenvirus als vollständig ausgerottet. Die WHO hatte gehofft, bis 2020 auch die Masern ausgerottet zu haben. Dieses Ziel wird vermutlich nicht erreicht werden.
Seit Beginn der Zivilisationsgeschichte raffte das Variolavirus Millionen von Menschen dahin. Kaum ein Land der Erde blieb von der Seuche verschont. Ein Heilmittel gegen die Krankheit gibt es bis heute nicht. Wohl aber eine vorbeugende Impfung. Eitrige Pusteln am ganzen Körper und hohes Fieber. Später kommen in schwereren Fällen von Pockenerkrankungen Lähmungen, Hirnschäden, Lungenentzündungen, Taubheit und Erblindung hinzu. Etwa 30 Prozent der an Erkrankten stirbt qualvoll.

20.04.2019 21:37 einfach ein normaler Bürger 14

das hier ist ein richtig gutes Forum,weil das Pro und Contra gegen und für die Impflicht ohne Hysterie hinterfragt wird......Pro und Contra muss immer in der Gesamtheit und in Tiefe hinterfragt werden können.

20.04.2019 21:33 Auf zum letzten Gefecht! 13

was mich immer mehr wundert, oder auch nicht,

das sich die Frauen von der SPD und CDU nicht vorn ran stellen und ganz stolz berichten das ihre Kinder geimpft sind.

Na Frau Schwesig, wie sieht es bei ihnen und ihren Kindern aus?

20.04.2019 20:50 Querdenker 12

Zitat: „Montgomery zufolge sollten alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission für Kinder empfehle, verpflichtend sein.“

Solch einen Freibrief darf es auf gar keinen Fall geben!

siehe „welt Fehlalarm: Die vergessene Hysterie um die Schweinegrippe“

Zitat: „… "Weder die Impfkommission noch die Bundesregierung haben öffentlich darüber informiert, dass es sich bei H1N1 um ein bekanntes Virus handelt, das bereits in den Siebzigerjahren in den USA als asiatische Schweinegrippe von Vietnam-Soldaten eingeschleppt wurde." Eine Impfkampagne wurde damals eingestellt, weil es sich als wenig aggressiv erwies. ...“

Die Hürden für eine Impfpflicht sollten hoch sein. Und schon gar nicht sollte das die „Impfkommission“ entscheiden oder andere Lobbyisten.

siehe „swr Lobbyspiele im Gesundheitswesen“
Zitat: „Sehr viele von den Experten der Ständigen Impfkommission sind gleichzeitig auch Geschäftspartner von Glaxo-Smith-Kline.“

20.04.2019 19:56 Paulchen 11

Impfen ist grundsätzlich für die Gesellschaft als Ganzes gut, die Frage ist nur, wie man eine "-pflicht" kontrollieren will. Vermutlich bei den Erwachsenen gar nicht. Auch sehe ich die Mehrfachimpfstoffen und solche mit "Wirkverstärker" sehr kritisch hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen. Diese sind extrem unspezifisch und schlecht zu identifizieren bzw. zuzuordnen. Leider sind unproblematischere Einfachimpfstoffe praktisch nicht erhältlich und schon gar nicht als Kassenleistung. Wenn man sich also impfen lassen möchte bzw. muss, muss man mit möglichen Problemen der Mehrfachimpfstoffe leben, ob man will oder nicht.

20.04.2019 15:48 Christian 10

Klar das der das fordert, verdient ja auch gut daran. Man sollte sich einfach mal den Beipackzettel zeigen lassen von dem Impfzeugs, einmal gelesen und verstanden und die Antwort ist klar...
vom mir ein klares NEIN hierzu, + man weis auch nie inwiefern die Impfungen selbst für die Ausbrüche, im falle der Masern mitverantwortlich waren. Denn zb. in China gibt's die Impfpflicht "100%" sind da geimpft und trotzdem haben die dort Masernausbrüche.
Echt mal langsam erinnert mich das hier an die Schweinegrippen Panik 2010 -11 bzw die Vogelgrippe ein paar Jahre davor. Wochenlang Alarm wegen einer Kinderkrankheit. Das Impfdogma wirkt in der Bevölkerung, sieht man an den Kommentaren, Jahrzehnte lange Konditionierung. Das es nur einen "Pieks" braucht um gesund zu sein, hört sich schön an man kann die Verantwortung an jemand andern abgeben. In Wirklichkeit trägt man sie aber zu jeder zeit selbst.

vielen dank
Christian