Hörer machen Programm Keine Auszahlung der Altersrücklagen bei Wechsel in die GKV

MDR-INFO-Hauptstadt-Korrespondention Cecilia Reible.
Bildrechte: Cecilia Reible/Wiebke Barfod

Die private Krankenversicherung erscheint vielen Gutverdienern in jungen Jahren wegen meist niedrigerer Beiträge attraktiver als die gesetzliche. Im Alter sieht das oft ein bisschen anders aus. MDR AKTUELL-User Martin Bauer aus Leipzig hat den Eindruck, dass im Moment viele ältere Menschen wegen steigender Beiträge versuchen, von der PKV in die GKV zu wechseln. Doch zahlen die privaten Versicherungen dann einen Ausgleich von den gebildeten Rücklagen an die gesetzliche Krankenversicherung?

Die Versichertenkarten der Krankenkassen DAK, AOK, Barmer und Techniker-Krankenkasse TK liegen mit Euro-Geldnoten unter einem Stethoskop.
Ein Krankenversicherungswechsel wird mit steigendem Alter immer komplizierter. Bildrechte: dpa

Wenn ein Mitglied einer privaten Krankenversicherung zu einer gesetzlichen Kasse wechselt, dann bleiben die sogenannten "Alterungssrückstellungen" im Topf des privaten Versicherers. Diese Rücklagen dienen dazu, den Anstieg der Beiträge im Alter abzuschwächen.

Stefan Reker, Sprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung, spricht von kollektiver Risikovorsorge: "Alle Gesunden in dem Tarif sorgen kollektiv für die höheren Kosten der Kranken im Alter vor. Das heißt, wenn jemand dieses Versicherten-Kollektiv verlässt und in ein anderes PKV-Unternehmen oder auch in die gesetzliche Krankenversicherung wechselt, dann bleibt das Geld in diesem Kollektiv zurück."

Wechsel von PKV zur GKV generell schwierig

Die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert völlig anders: Sie basiert auf dem Solidarprinzip. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach dem Einkommen. Junge und gesunde Menschen finanzieren die höheren Ausgaben für Alte und Kranke mit. Alterungsrückstellungen werden nicht gebildet. Um zu verhindern, dass die Menschen sich das jeweils für sie günstigste System herauspicken, seien die Möglichkeiten für einen Wechsel von der PKV zur GKV gesetzlich begrenzt, erklärt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus für Sachsen und Thüringen.

Ab 55 wird es de facto nahezu unmöglich, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren, oder erstmals sich gesetzlich krankenversichern zu lassen.

Hannelore Strobel AOK Plus Sachsen/Thüringen

Auch wenn man jünger als 55 ist, ist ein Wechsel zur GKV nur unter bestimmten Bedingungen möglich: Wenn zum Beispiel das Einkommen eines Angestellten unter die Versicherungspflichtgrenze sinkt – die liegt derzeit bei 64.350 Euro brutto im Jahr –, wenn man arbeitslos wird oder über die Familienversicherung des gesetzlich versicherten Lebenspartners.

Zahl der Krankenversicherungswechsler nimmt ab

Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist eine deutsche Besonderheit. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen Maria Klein-Schmeink fordert, beide Systeme zusammenzuführen und den Wechsel zwischen den Kassen zu erleichtern, insbesondere für kleine Selbständige und ältere Menschen.

Das ginge aber nur, wenn diese dann auch die Altersrückstellungen aus der privaten Krankenversicherung mitnehmen könnten, zumindest in Teilen. Um das System zu ändern, müsste es allerdings andere politische Mehrheiten geben.

Wie oft es überhaupt vorkommt, dass ältere Menschen von der privaten zur gesetzlichen Krankenversicherung wechseln, lässt sich nicht genau beziffern. Die DAK will aus Wettbewerbsgründen keine Zahlen mitteilen, die AOK Plus führt keine Statistik darüber. Sprecherin Strobel kann aber eine Tendenz erkennen: "Das hat in den letzten Jahren zugenommen, und zwar parallel zu den Beitragssatzerhöhungen der privaten Krankenkassen."

Insgesamt, über alle Altersgruppen gesehen, ist die Zahl der Wechsler allerdings rückläufig: Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung wechselten im vergangenen Jahr bundesweit 123.400 Mitglieder aus der privaten Krankenvollversicherung in die gesetzliche Krankenkasse. Das sind rund 6.000 weniger als 2019 und fast 10.000 weniger als vor zwei Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2021 | 06:21 Uhr

8 Kommentare

ElBuffo vor 4 Wochen

Nun, es ging um Gutverdiener und nicht um Selstständige, die am Hungertuch nagen.
Und nun haben die Lobbyisten wenigstens dafür gesorgt, dass diese etwas schlechteren Risiken eher von der Soludargemeinschaft profitieren können. Tja, irgendwie muss man seine Privilegien eben sichern. Nachher steigen noch die Beiträge in der eigenen PKV wegrn der armen Selbstständigen.

Querdenker vor 4 Wochen

Zitat: "Die private Krankenversicherung erscheint vielen Gutverdienern in jungen Jahren wegen meist niedrigerer Beiträge attraktiver als die gesetzliche."

Gutverdienern?

Selbstständige wurden bis 2019, mit einem asozialen GKV-Mindestbeitrag, in die private Krankenversicherung gedrückt.

siehe "handwerk GKV-Mindestbeitrag: Was Selbstständige wissen müssen"

Zitat: "Bei der Festsetzung der monatlichen Beiträge haben ihnen die Krankenkassen dabei bislang ein fiktives monatliches Einkommen von mindestens 2.283,75 Euro unterstellt."

Was für Lobbyisten und Politiker da wohl am werkeln waren?

ElBuffo vor 4 Wochen

Von der angeblich immer 3,5fachen Arztrechnung hat die Solidargemeinschaft nichts, kann also schonmal als Begründung ausfallen. Dann ist sie natürlich gar nicht immer 3,5mal so hoch.
Der Bürger hat sich dann ja in der Regel für ein System entschieden. Hinzu kommt, dass er dann meist nicht den Tarif wählt, der im Leistungsumfang die Kassenleistungen abdeckt. So kann man sich den Beitrag auch erstmal schönrechnen. Ich nehme mal an, dass man bei der Privaten den höheren Satz für den Doc schon irgendwie bezahlen muss. Oder warum ist ausgerecht der Bssistarif, der ja "nur" das abdeckt, was die gesetzlichen abdecken, so teuer.

Alle Beiträge

Radio

Logo von MDR AKTUELL mit dem Schriftzug "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Radio

Logo von MDR AKTUELL mit dem Schriftzug "Hörer machen Programm"
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zurück zur Startseite