Niels Högel
Der verurteilte Serienmörder Niels Högel vor Gericht. Bildrechte: dpa

Oldenburg Fall Högel: Staatsanwaltschaft klagt Vorgesetzte an

Nach der Verurteilung von Niels Högel wegen 85-fachen Mordes, geraten nun die Vorgesetzten des Krankenpflegers ins Visier der Staatsanwaltschaft. Fünf Personen werden Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen.

Niels Högel
Der verurteilte Serienmörder Niels Högel vor Gericht. Bildrechte: dpa

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat fünf ehemalige Vorgesetzte des wegen Mordes verurteilten früheren Krankenpflegers Niels Högel angeklagt. Ihnen werde Totschlag durch Unterlassen vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Trotz deutlicher Hinweise hätten sie Högel nicht gestoppt. Im Gegenteil, die Führungskräfte im Oldenburger Klinikum sollen dem Krankenpfleger sogar ein gutes Arbeitszeugnis ausgestellt haben.

Högel wollte als Retter glänzen

Zuerst hatte die Oldenburger "Nordwest-Zeitung" über die Anklage berichtet. Högel war Anfang Juni wegen 85 Morden an Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In 15 Fällen wurde der 42-Jährige aus Mangel an Beweisen freigesprochen. In einer bundesweit einmaligen Mordserie zwischen 2000 und 2005 hatte er Patienten auf Intensivstationen in Oldenburg und Delmenhorst umgebracht.

Laut Feststellung des Gerichts vergiftete er seine Patienten mit Medikamenten, die zum Herzstillstand führten, um sie anschließend reanimieren zu können. So wollte er vor Kollegen als kompetenter Retter glänzen.

Angeklagte kommen aus Chef-Etage

Angeklagt sind der langjährige Geschäftsführer der Krankenhäuser Oldenburg und Delmenhorst, Rudolf M., der heute das Klinikum Dortmund leitet, die damalige Pflegedirektorin, der ehemalige Chefarzt der Herzchirurgie, der Chefarzt der Anästhesie sowie ein Stationsleiter.

Dem Geschäftsführer und der Pflegedirektorin werden jeweils 63 Fälle vorgeworfen, einem Chefarzt 60 Fälle, dem zweiten Chefarzt und dem Stationsleiter je drei Fälle.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 13:01 Uhr