Arbeitsrecht Wer hat einen Anspruch auf Homeoffice?

Mit Beginn der Corona-Krise veränderte sich auch das Arbeitsleben. Viele Unternehmen schickten ihre Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen ins Homeoffice. Eine Umstellung, die vielen anfangs schwergefallen ist. Doch so mancher hat mittlerweile daran Gefallen gefunden und möchte gar nicht mehr zurück ins Büro. Kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zur Rückkehr ins Büro auffordern? Oder gibt es für Arbeitnehmer ein Anrecht, weiter von Zuhause aus zu arbeiten?

Symbolfoto zum Thema Home office, ein laptop auf einem Wohnzimmertisch
Hat der Arbeitnehmer ein Recht auf Homeoffice? Bildrechte: imago images/Beautiful Sports

Die Pandemie ist noch nicht vorüber und darum gelten nach wie vor die Corona-Schutzmaßnahmen.

Arbeitgeber muss Schutzkonzept bieten

Kein Arbeitgeber könne für seinen Betrieb diese Vorschriften außer Kraft setzen, da er diese ja auch nicht eigens für sein Unternehmen ausgerufen habe, sagt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Boris Dzida: "Wann Corona in Deutschland beendet ist, das wird letztlich das Robert Koch-Institut entscheiden. Und so lange Corona noch da ist, müssen Arbeitgeber dafür Sorge tragen, dass das Ansteckungsrisiko auch für Arbeitnehmer im Betrieb so weit wie möglich reduziert wird. Firmen müssen also ein Schutzkonzept für die Mitarbeiter erstellen."

Recht auf Homeoffice gilt höchstens für Risikogruppe

Angst vor einer möglichen Ansteckung am Arbeitsplatz allein genügt allerdings nicht, um darauf zu bestehen, weiter im Homeoffice zu arbeiten. Etwas anderes ist es aber, wenn der Mitarbeiter einer Risikogruppe angehört. In solchen Ausnahmefällen, so Fachanwalt Dzida, kann durchaus ein Anspruch auf Homeoffice bestehen.

Dabei kommt es jedoch immer auf die Umstände im Einzelfall an. Das heißt: "Wenn ein Arbeitgeber ein Schutzkonzept für Risikogruppen erstellt hat, also zum Beispiel Einzelzimmer statt Großraumbüro oder möglichst wenig Kundenkontakt, Maskenpflicht im Aufzug und so weiter, ja, dann dürfte auch für Risikogruppen eine Pflicht zur Rückkehr ins Büro bestehen."

Schutzmaßnahmen, die sich allerdings nicht in jedem Betrieb haarklein umsetzen lassen. Insofern stellt Boris Dzida fest: "Wenn es dagegen so ist, dass es aufgrund der Tätigkeit gar nicht möglich ist, Risikogruppen ausreichend zu schützen, dann kann für Arbeitnehmer, die einer Risikogruppe angehören, ein Anspruch bestehen, weiterhin im Homeoffice zu arbeiten."

Bei Zweifeln: Betriebsrat kontaktieren

Falls man also der Überzeugung ist, dass die Schutzvorkehrungen im Betrieb nicht ausreichend sind, sollte man nach Empfehlung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Kontakt mit dem Betriebsrat aufnehmen.

Ob ein Arbeitgeber seine Beschäftigten zwingen kann, vom Homeoffice zurück ins Büro zu kommen, das hängt auch davon ab, was dazu in  Betriebsvereinbarungen oder Arbeitsverträgen geregelt worden ist. Das war übrigens schon vor Corona so. "Dort ist zum Beispiel geregelt, dass man drei Tage im Homeoffice arbeiten darf, dann kann der Arbeitgeber keine vollständige Rückkehr ins Büro erzwingen. Denn bei einer entsprechenden Vereinbarung hat man ja ein Recht auf Homeoffice."

Besteht aber keine entsprechende Betriebsvereinbarung oder findet sich im Arbeitsvertrag dazu keine Regelung, dann ist es umso wichtiger, auf die Einhaltung der Schutzmaßnahmen zu achten.

Trotz Corona kein allgemeines Recht auf Homeoffice

Corona hat die Arbeitswelt verändert. Doch auch, wenn über längere Zeit Homeoffice statt Büro angesagt war, resultiert daraus noch keine betriebliche  Übung, auf die sich Mitarbeiter nun berufen könnten, betont Fachanwalt Dziba. "Eine Tätigkeit im Homeoffice während der Pandemie löst keine betriebliche Übung aus,  dass man künftig sozusagen immer im Homeoffice arbeiten darf. Denn das war ja eine Ausnahmesituation."

Es bleibt abzuwarten, wie lange diese Ausnahmesituation noch andauert und wann die Bundesregierung gesetzliche Regelungen zum Recht auf Homeoffice treffen wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juli 2020 | 05:00 Uhr

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