Corona-Impfung Wenige lehnen Astrazeneca-Impfstoff in Sachsen ab

Nachrichten über heftige Impfreaktionen auf das Astrazeneca-Vakzin und die im Vergleich mit mRNA-Impfstoffen geringere Wirksamkeit führen Berichten zufolge dazu, dass manche Menschen ihre Impftermine verfallen lassen. Auch in Mitteldeutschland?

Impfung
Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost können nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff auftreten. Bildrechte: imago images/Political-Moments

Tag fünf, an dem der Impfstoff von Astrazeneca in Sachsen zum Einsatz kommt. In einer Lagebesprechung beim DRK Sachsen, der im Freistaat fürs Impfen zuständig, bilanziert DRK-Sprecher Kai Kranich: "Herausgekommen ist erstmal, dass es in knapp 50 Fällen dazu gekommen ist, dass der Impfstoff von Astrazeneca abgelehnt worden ist, beziehungsweise, dass es auch noch mal stärkere Diskussionen dazu gab."

In einem Fall habe es ein Pflegedienst gar abgelehnt, sein komplettes Personal mit dem Mittel von Astrazeneca zu versorgen. Und in den Impfzentren? Dort dauerten die Aufklärungsgespräche in der Regel länger, wenn Astrazeneca auf dem Fläschchen steht. Probleme seien aber die Ausnahmen. Tausend Dosen des schwedisch-britischen Herstellers sind laut DRK seit Samstag in den Oberarmen von Sächsinnen und Sachsen gelandet.

Astrazeneca nicht so aufwendig in der Lagerung

Auch die ursprünglich 50 abgelehnten Einheiten seien geimpft worden, versichert Kai Kranich. Der Umgang mit dem Impfstoff sei ein bisschen leichter. Er sei ein wenig länger haltbar, auch wenn er schon aufgetaut sei. Insofern werde der dann einfach am nächsten Tag zur Verfügung gestellt.

In Thüringen hat der Impfstoff von Astrazeneca bislang nicht zu Problemen geführt, berichtet Lisa Schiffer. Für die Kassenärztliche Vereinigung ist sie für zehn Impfstellen in Mittel- und Südthüringen zuständig. Sie sagt: "Wir haben jetzt nicht mitbekommen, dass da die Patienten Termine abgesagt haben aufgrund dieses Impfstoffes."

Mögliche Nebenwirkungen

Rückmeldungen über heftige Impfreaktionen sind weder bei Lisa Schiffer in Thüringen noch bei Kai Kranich in Sachsen angekommen. Dass es diese geben kann, ist unbestritten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer der klinischen Studien haben von Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen oder Müdigkeit berichtet. Ein Drittel von Fieber oder Schüttelfrost. So steht es auch in der Produkt-Information für den Impfstoff von Astrazeneca. 

Impfreaktionen seien ja kein schlechtes Zeichen, sagt dazu Gesundheitsminister Jens Spahn. Sie zeigten, dass das Immunsystem reagiert. "Wir haben darüber sehr transparent in einer breiten Kampagne informiert, auch über die Impfreaktionen, die auftreten können und in aller Regel nach 24 bis 48 Stunden wieder abklingen."

Spahn rät zum Impfen

Trotz der Beschwerden: Spahn rät dringend, sich mit dem Mittel von Astrazeneca impfen zu lassen.

Sich in dieser Pandemie impfen zu lassen ist ein Gebot der Vernunft. Wer damit wartet, riskiert schwer zu erkranken und das Virus weiter zu tragen.

Jens Spahn Bundesminister für Gesundheit

In Sachsen noch Impfungen für Pfleger verfügbar

Das Astrazeneca-Vakzin darf in Deutschland nur Menschen bis 65 Jahren gespritzt werden. Zum Zuge kommen aktuell Personen der höchsten Priorität. Ein vergleichsweise kleiner Kreis, in dem aus Sicht von Kai Kranich vom DRK Sachsen jetzt stärker geworben werden müsste: "Unser Bauchgefühl sagt uns, dass wir hier noch mal nachsteuern müssen, um diese Zielgruppe auch tatsächlich zu erreichen."

Am gestrigen Mittwoch waren in den sächsischen Impfzentren allein in dieser Woche noch 2.500 Astrazeneca-Impfdosen für Pflegekräfte und viele Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen verfügbar – vorausgesetzt sie sind unter 65. Dass es noch so viele freie Termine gibt, liegt laut Kai Kranich aber weniger am Ruf des Astrazeneca-Vakzins als vielmehr daran, dass den Leuten nicht bewusst ist, dass sie bereits an der Reihe sind.

Was auch immer der Grund ist, Sachsen will sich jetzt beim Bund dafür einsetzen, dass Erzieher, Lehrer und Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes schneller mit dem Impfstoff von Astrazeneca versorgt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Februar 2021 | 06:09 Uhr

77 Kommentare

Micky Maus vor 2 Wochen

"Die Bundesregierung beruft nach Informationen des SPIEGEL einen Sonderbeauftragten für die Impfstoffproduktion in der Coronakrise. Damit will sie die bislang stockende Versorgung des Landes mit Vakzinen beschleunigen. Der neue Beauftragte soll vor allem Ansprechpartner für die Hersteller sein und ihnen dabei helfen, ihre Produktion zu steigern."
Quelle: spiegel


Na gut, es gibt zu wenig Impfstoff, aber wurde das nicht in die Hände der EU gelegt? ☝️


Macht jetzt Deutschland einen Alleingang? 🤔

ElBuffo vor 2 Wochen

Wieviele Länder gibt es denn so weltweit? Nur damit man Platz 30-40 ungefähr einordnen kann. Vielleicht noch schauen, dass es sich hinsichtlich der Einwohnerzahl auch um vergleichbare Länder handelt. Nicht das da Länder dabei sind, die weniger als Jena haben. Das hätte selbst Thüringen dann inzwischen komplett durchgeimpft.

ElBuffo vor 2 Wochen

Haha, dann kommen wieder die Berufsempörten mit Impfvordrängler um die Ecke und sind ganz dolle persönlich betroffen. Offenbar kann man es nicht allen gleichzeitig recht machen.