Offenbar sechs Tote Coronavirus: Aufstände in italienischen Gefängnissen

Im Zuge der Coronavirus-Bekämpfung sind in mehreren italienischen Gefängnissen Aufstände ausgebrochen, in einem Gefängnis gab es Tote. Auslöser der Unruhen war offenbar ein am Sonntag erlassenes Notfalldekret, mit dem die italienische Regierung als Teil ihrer Maßnahmen zur Eindämmung des Virus den direkten Kontakt zwischen Häftlingen und deren Angehörigen einschränkt.

Gefängnisinsassen stehen auf einem Dach. Die Insassen des San-Vittore-Gefängnis rebellieren auf Grund der Maߟnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus.
Die Insassen des San-Vittore-Gefängnis in Mailand rebellieren auf Grund der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus. Bildrechte: dpa

Inmitten der Coronavirus-Krise ist es in italienischen Gefängnissen zu Aufständen mit mehreren Toten gekommen. In Modena seien bei den Protesten drei Häftlinge gestorben, weitere wurden schwer verletzt, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die städtische Gesundheitsbehörde. Mehr als 50 Insassen hätten versucht, zu fliehen. Gefängnisverwaltungschef Francesco Basentini sagte in einem Fernsehinterview, drei weitere Häftlinge seien ums Leben gekommen, nachdem sie aus der Anstalt verlegt worden seien.

Italienischen Medienberichten zufolge sollen die Aufstände mit Maßnahmen gegen das Coronavirus zu tun haben. Die Provinz Modena ist mittlerweile auch Sperrzone, Gefängnisbesuche seien mit einem Regierungsdekret am Sonntag vorerst ausgesetzt worden.

Häftlinge legen Feuer und nehmen Geiseln

In der Stadt Pavia, die knapp 40 Kilometer südlich von Mailand liegt, wurden nach Gewerkschaftsangaben zwei Justizvollzugsbeamte als Geiseln genommen und erst nach einem Polizeieinsatz wieder freigelassen. In mehreren Gefängnissen seien Brände gelegt worden, teilte das Justizministerium mit.

Auch in Mailand soll es einen Gefängnisaufstand geben. Italienische Medien zeigten Videos und Fotos von Häftlingen, die auf einem Dach stehen und "Freiheit" skandieren.

Die Organisation Antigone, die sich für die Rechte von Gefangenen einsetzt, nannte die Lage besorgniserregend. Es sei fundamental wichtig, auch Häftlingen die aktuelle Situation zu erklären und Kontakte zu ihren Angehörigen zum Beispiel über Skype zu ermöglichen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. März 2020 | 14:15 Uhr