Dürrefolgen Historische Parkanlagen kämpfen um Baumbestand

Die Trockenheit der letzten Jahre setzt unseren Wäldern zu. Auch in den historischen Landschaftsgärten wie im Wörlitzer Gartenreich sind große Schäden zu verzeichnen.

Obwohl im diesjährigen Sommer nicht so viele heiße Tage wie in den zwei Jahren davor zu verzeichnen waren, nehmen die Dürreschäden in der Natur weiter zu. Die Niederschlagsdefizite konnten bei weitem nicht aufgeholt werden. Damit haben auch die historischen Parkanlagen in Mitteldeutschland zu kämpfen. Immer mehr Bäume werden krank und sterben ab.

"Die Gehölze leiden unter der Trockenheit, ihre Vitalität nimmt ab", erklärt Dr. Stefan Klotz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Halle-Leipzig. Das mache sie anfälliger für verschiedenste Krankheiten und schränke die Abwehrmechanismen gegenüber Schaderregern immer mehr ein.

Bäume bekommen Sonnenbrand und werden krank

In den fast 300 Jahre alten Parkanlagen von Schloss Pillnitz bei Dresden haben sich mehrere Krankheiten unter den Gehölzen breitgemacht. Etliche Alleebäume kämpfen mit der sogenannten Kastanien-Komplexkrankheit. Einige Ahornbäume leiden an der auch für den Menschen gefährlichen Rußrindenkrankheit. Und auch der Borkenkäfer nagt am Baumbestand des sich auf 28 Hektar erstreckenden Areals.

Baumpilz, Umschau
An einem kranken Gehölz wie diesem hat der Baumpilz leichtes Spiel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tilman Gebhardt, Gartenbereichsleiter der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen, erklärt das Dilemma am Beispiel der Buchen: "Die Krone kann die Wurzel nicht mehr versorgen und umgekehrt. Wir haben dann den Effekt, dass nur noch eine Kleinlaubigkeit auftritt, so dass die Sonne stark auf den nicht mehr beschatteten Stamm und die großen Äste scheint und dadurch Sonnenbrand entsteht. Die Rinde platzt auf, das ist die Eintrittspforte für Pilze. Dann beginnt die Spirale nach unten."

Alle historischen Parkanlagen betroffen

Der Baumbestand in allen Landschaftsgärten ist in Gefahr, sagt auch Christian Striefler, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH "Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten". Im Barockgarten Großsedlitz in der Sächsischen Schweiz seien jüngst 61 abgestorbene Linden zu verzeichnen gewesen. "Im Grunde haben wir das überall in unseren 16 Gartenanlagen", so Striefler. Auch im Großen Garten in Dresden sind die Verluste unübersehbar. Früher wurden hier jährlich etwa 30 Bäume entnommen, 2018 waren es 60. 2019 lag die Zahl schon bei 100 und in diesem Jahr bereits bei 200.

Ein Baum
Im Schlosspark Altenstein gibt es immer mehr solcher Anblicke. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund um die malerische Teufelsbrücke im Landschaftspark Altenstein ist der komplette Buchenbestand bedroht, selbst robuste Eichen sind schwer gezeichnet oder bereits abgestorben. Für die historische Anlage ist das aus noch einem weiteren Grund verheerend, sagt Dietger Hagner, Gartenreferent der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. "Das ist gartendenkmalpflegerisch ein großes Problem, weil uns die Parkbilder dieses Landschaftsgartens wegbrechen."

Allein in Altenstein hat die Thüringer Schlösserstiftung in den letzten zwei Jahren 350 Bäume verloren. Große Sorgen gibt es auch im Greizer Park, im Schlosspark Wilhelmstal und in Gotha, so Hagner. "Und so zieht sich das eigentlich durch alle Parkanlagen, die wir betreuen."

Drei zu trockene Vegetationsperioden hintereinander

"Wir hatten drei Sommer hintereinander, die zu trocken waren. Und auch in den anderen Jahreszeiten ist nicht so viel Regen gefallen, dass diese Defizite beseitigt werden konnten. Wir haben damit drei Vegetationsperioden, die zu trocken sind. Das verkraftet die Vegetation nicht. Und das ist auch neu", erklärt der Klimaforscher Dr. Stefan Klotz.

Ein Mann Porträt
Drei Dürrejahre in Folge sind ein neues Phänomen, sagt Dr. Stefan Klotz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Halle-Leipzig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nun müsse man schauen, wie die Bewässerungsanlagen so verändert werden könnten, dass die Bäume nicht mehr auf dem Trockenen stehen. Zusätzliche Teiche oder kleine Bäche könnten laut Klotz eine Möglichkeit sein, um für einen größeren Wasservorrat in den Anlagen zu sorgen.

Wörlitzer Gartenreich: statt Hochwasserschutz nun Wasserbevorratung

Um die Bäume ausreichend bewässern zu können, musste auch im Wörlitzer Gartenreich umgedacht werden. Bis 2017 stand der Hochwasserschutz im Fokus. Bei den Jahrhunderthochwassern 2002 und 2013 drohte der Park zu überfluten, Grundwasser drückte in die Anlagen. Im Hitzesommer 2018 bot sich dann ein ganz anderes Bild: Die malerischen Gräben sind ausgetrocknet.

"Das Gartenreich Dessau-Wörlitz hatte über Jahrhunderte mit der Themenstellung 'Schutz vor Hochwasser' zu tun. Jetzt haben wir einen Paradigmenwechsel: Wir halten Wasser in den Gräben, in den Kanälen, auf den Flächen - für den Fall, dass es wieder trocken wird im Sommer. Damit wir dann noch Wasser haben, das wir noch einleiten können", beschreibt Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz die neue Herausforderung.

Klimafolgen verursachen Mehrkosten

Die Sicherung abgestorbener Bäume verursacht in Wörlitz Mehrkosten im fünfstelligen Bereich, auch der Wasserverbrauch beim Gießen hat sich verdoppelt bis verdreifacht.

Auch wenn auf lange Sicht wohl allmählich auf Baumarten gesetzt werden muss, denen Trockenperioden keine Probleme bereiten, ist das vorrangige Ziel der historischen Anlage, den Altbestand zu erhalten. "So wie ich im Gebäude nicht sagen kann: Ich ersetze Ziegel durch Beton oder Holz durch Kunststoff, ist der Baum auch hier denkmalkonstituierend", erklärt Mang. Und auch der Welterbetitel sei hier verpflichtend. So sollen historische Sichtachsen und Silhouetten erhalten bleiben.

Wissenschaftler suchen nach Lösungen

Nach Lösungen für das Baumsterben in Parkanlagen wird bereits gesucht. Die Tharandter Forsthochschule beteiligt sich an einem nationalen Forschungsprojekt. In Gewächshäusern laufen Untersuchungen, die klären sollen, wie unsere heimischen Pflanzen besser mit den veränderten Umweltbedingungen zurechtkommen – in der Hoffnung, dass damit dem Baumsterben ein Ende gesetzt werden kann.

Forschung, Umschau
Wie heimische Baumarten mit veränderten klimatischen Bedingungen umgehen, wird in einem Projekt der Tharandter Forsthochschule untersucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ulrich Pietzarka, der Leiter des Forstbotanischen Gartens, ist weltweit auch auf der Suche nach adäquatem Ersatz für Bäume in unseren Wäldern, Städten und Parkanlagen. Er blickt dabei auf Arten, die im östlichen Russland wachsen. "Dort ist es klimatisch sehr extrem, im Winter extrem kalt, im Sommer extrem warm", erklärt er. Dennoch sei es dort "super artenreich".

Ein Beispiel sei die Amur-Linde, die der mitteleuropäischen Winterlinde zum Verwechseln ähnlich sehe. "Auch die Manschurische Esche wird man kaum von unserer heimischen Esche unterscheiden können", sagt Pietzarka. Zunächst aber muss erst einmal über Jahre beobachtet werden, wie die Exoten mit den hiesigen Wetterbedingungen zurecht kommen, bevor sie vielleicht in weiter Zukunft in alten Landschaftsbildern erscheinen.

Forstbotanischer Garten Tharandt
Auf dem Forstbotanischen Garten Tharandt liegen große Hoffnungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hier werden aber auch Fragen des Denkmalschutzes eine Rolle spielen, um der kulturhistorischen Bedeutung der Anlagen gerecht zu werden. "Da kann man nicht alles sofort ändern, weil sie natürlich auch ein historisches Dokument sind. Es geht hier auch um die Erhaltung eines kulturellen Erbes", betont Klimaforscher Dr. Stefan Klotz.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 22. September 2020 | 20:15 Uhr