Finanzermittler haben einen Karton voller Bargeld gesichert.
Was passiert mit beschlagnahmtem Bargeld? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kriminalität Was passiert mit dem Geld aus Drogenrazzien?

Szenen wie diese kennt man aus Fernsehkrimis: Die Polizei hebt ein Bordell oder ein Crackhouse aus. Und stellt bei den bösen Buben säckeweise schmutziges Bargeld sicher. Ganz so ist es im wirklichen Leben nicht, aber tatsächlich wird bei Razzien immer wieder Bargeld beschlagnahmt. MDR-AKTUELL-Hörer Marcel Schneider möchte wissen, was mit dem sichergestellten Bargeld passiert.

von Sebastian Hesse, MDR AKTUELL

Finanzermittler haben einen Karton voller Bargeld gesichert.
Was passiert mit beschlagnahmtem Bargeld? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Polizei im Freistaat Sachsen stellt beachtliche Mengen an Bargeld bei Kriminellen sicher. An vorderster Front dabei ist Maik Vogt, Leiter des Dezernats für Finanzermittlung beim sächsischen Landeskriminalamt. Er erklärt: "Wir haben im Rahmen der Vermögensabschöpfung 2018 knapp eine Million Euro an Bargeld sichergestellt." Exakt waren es 975.000 Euro.

Maik Vogt ist der Leiter des Dezernats für Finanzermittlung im LKA Sachsen.
Maik Vogt ist der Leiter des Dezernats für Finanzermittlung im LKA Sachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das ist zwar etwas mehr als in den Vorjahren, stellt aber keine nennenswerte Schwankung dar. Das sieht man an diesen Vergleichszahlen: 2017 waren es 665.000 Euro, 2016 715.000 Euro und 2015 800.000 Euro.

Sachsens Drogendealer etwa wickeln ihre Geschäfte unverändert in bar ab. Online-Banking und Krypto-Währungen seien Sachsens Ganoven noch fremd, sagt Vogt.

Bares sei immer noch Wahres, auch im kriminellen Milieu. Klar gebe es einen deutlichen Trend, dass etwa im Internet-Handel bei Betäubungsmitteln als Bezahlmethode auch Krypto-Währungen eine Rolle spielten, zum Beispiel Bitcoins oder Ripple. Aber das sei noch nicht die Masse: "Unterm Strich gesagt, ist Bargeld nach wie vor das entscheidende Bezahlungsmittel im Bereich der Kriminalität", erklärt Vogt.

Hausdurchsuchung: 250.000 Euro im Brotbackautomaten versteckt

Die größte Einzelsumme, die in Sachsen je beschlagnahmt wurde, betrug 250.000 Euro. Und genau die wäre den Ermittlern beinahe durch die Lappen gegangen - so gut waren die Scheine versteckt. Der Vorfall trug sich bei einer Hausdurchsuchung eines Dealers zu, der eine größere Lieferung an Stoff aus dem Ausland erwartete - was erfahrungsgemäß "in Cash" bezahlt wird.

"Meine Kollegen, die da ordentlich durchsucht haben und pfiffig sind, also auch nach unmöglichen Verstecken suchen, die sind dann tatsächlich auf die Idee gekommen, in einen Brotbackautomaten reinzugucken. Und tatsächlich: Dort lag dann das Bargeld versteckt für die angekündigte Lieferung“, erinnert sich der Leiter des Dezernats für Finanzermittlung.

50- und 100-Euro-Scheine aufgereiht
Beschlagnahmtes Geld wird von den Beamten zunächst als Beweismittel behandelt. Bildrechte: Landespolizeidirektion Erfurt

Gelder wie diese 250.000 Euro werden von den Beamten zunächst als Beweismittel behandelt und beispielsweise auf Fingerabdrücke hin untersucht. Und es wird natürlich ermittelt, wer der rechtmäßige Eigentümer sein könnte.

Einen Schwellenbetrag für die Lagerung von Bargeld gebe es nicht, sagt Vogt.: "Man guckt einfach: Was macht man mit dem Bargeld? Will man es noch als Beweismittel behandeln? Oder ist es reines Bargeld? Und dann wird es, egal wie hoch, wie gering, entsprechend verwahrt."

Was passiert mit dem sichergestellten Bargeld?

Ein Großteil der Gelder, die die Polizei sichert, gehe an Opfer und Geschädigte für Straftaten zurück, sagt Vogt. Klassisch seien dabei die Betrugsstraftaten, die aus dem Internet bekannt sein dürften. "Anlagebetrügereien, wo es dann um Opfer und Geschädigte geht: Da geht die Masse der Gelder hin." Ein geringerer Teil des Geldes - wo es keine Opfer und Geschädigten gebe - fließe dann tatsächlich in den Haushalt des Freistaats Sachsen.

Und für dieses Geld gibt es nach Angaben des Finanzministeriums einen Verteilerschlüssel: Die ersten 500.000 Euro dienen der allgemeinen Kostendeckung der Staatsanwaltschaften. Die diesen Betrag übersteigenden Einnahmen fließen bis zu einem Betrag in Höhe von 4,5 Millionen Euro zu 52,5 Prozent dem Innenministerium zu und zu 22,5 Prozent dem Justizministerium. Dort dürfen die Mittel zweckgebunden verwendet werden, zum Beispiel für den Erwerb von Geräten, Ausstattungs- und Ausrüstungsgegenständen oder zu Aus- und Fortbildungszwecken. Die restlichen 25 Prozent bleiben im Gesamthaushalt des Freistaats.

Auch Verkaufserlöse von konfiszierten Gegenständen fließen so in die Staatskasse. Im vergangenen Jahr betrugen diese Einnahmen rund 731.000 Euro; 2017 waren es rund 747.000 Euro und damit ähnlich hoch. 2016 dagegen war ein Jahr des warmen Geldregens: Da konnte der Freistaat mehr als zwei Millionen Euro aus dieser Quelle verbuchen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Mai 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

14.05.2019 01:25 part 3

Was passiert wenn Steuerfahnder zu eifrig sind in ihrer Arbeit und die Interessen von Konzernen gefährden? Es könnte passieren das sie in den Ruhestand versetzt werden, so wie in Hessen in den vergangenen Jahren.

13.05.2019 14:58 Fragender Rentner 2

Nehme an, dass das Geld einen guten Zweck zugeführt wird.

13.05.2019 11:11 007 / Europäische Allianz der Völker & Nationen (EAPN) 1

Was soll mit dem Geld aus Drogenrazzien u kriminellen Quellen passieren?

Ich finde diese Kohle sollte uneingeschränkt denjenigen zugute kommen die täglich ihren Kopp hinhalten müssen, der Polizei.

Das Geld sollte alles in ein Fond gepackt werden u den Polizeibeamten als Schmerzensgeld oder Entschädigung zu gute kommen welche im Dienst verletzt wurden so wie den Hinterbliebenen Familien im schlimmsten Fall. Wer meiner Meinung nach als allerletztes einen Anspruch darauf hat wäre unsere Regierung, der Finanzminister, weil all diejenigen an diesen Zuständen Schuld sind ...

Rückblick

Zurück zur Startseite