Transplantation in einem Krankenhaus
Rund ein Drittel der Behandlungsfehler passierten bei Operationen. Bildrechte: dpa

Patientenbeschwerden Zahl der Behandlungsfehler steigt leicht an

Jedes Jahr melden Tausende Patienten Behandlungsfehler bei den Krankenkassen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl leicht an. Rund jeder vierte Fall wurde bestätigt – Recht auf Schadenersatz haben aber nicht alle Betroffenen.

Transplantation in einem Krankenhaus
Rund ein Drittel der Behandlungsfehler passierten bei Operationen. Bildrechte: dpa

Im vergangenen Jahr wurden bundesweit knapp 3.500 Behandlungsfehler in Arztpraxen und Krankenhäusern festgestellt. Die Zahlen legte am Donnerstag der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkassen (MDK) vor. Sie beziehen sich auf die Fälle, in denen die Gutachter des MDK einen Behandlungsfehler per Gutachten bestätigt haben. Bei den meisten Fällen ging es um Operationen. Orthopädie und Unfallchirurgie waren am stärksten betroffen. Im Jahr 2017 lag die Zahl der Behandlungsfehler noch bei 3.337.

In knapp 2.800 Fällen (2017: 2.700) wurde zudem bestätigt, dass der Behandlungsfehler auch den entstandenen Schaden verursacht hat. Nur dann bestehen wiederum Chancen auf Schadenersatz. In jedem dritten dieser Fälle blieben dauerhafte Schäden. In 107 Fällen führte ein Fehler zum Tod oder trug dazu bei.

Hohe Dunkelziffer

Gemeldet wurden allerdings weitaus mehr mögliche Behandlungsfehler, insgesamt über 14.000. Der stellvertretende MDS-Geschäftsführer Stefan Gronemeyer sprach zudem von einer hohen Dunkelziffer. Studien gehen demnach davon aus, dass auf jeden festgestellten Behandlungsfehler etwa 30 unentdeckte Fälle kommen.

Der Medizinische Dienst bemängelte angesichts der Zahlen die Meldekultur in der Medizin. Am wichtigsten sei es, schwerwiegende und vermeidbare Fälle zu melden. Nur dadurch seien diese "künftig systematisch zu vermeiden", erklärte Gronemeyer.

Grüne: "nur die Spitze des Eisbergs"

Maria Klein-Schmeink, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, sieht in den MDK-Zahlen "nur die Spitze des Eisbergs". Nötig sei ein bundesweites Monitoring durch eine unabhängige Stelle. Die Bundesregierung müsse Strukturen der Fehlervermeidung einführen, damit Behandlungsfehler erkannt würden und aus diesen Fehlern gelernt werde, so Schmeink.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Mai 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2019, 14:58 Uhr

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