Votum wird bekannt Entscheidung über Kulturhauptstadt Europas 2025

In Berlin wird am Mittwoch die Empfehlung für die Kulturhauptstadt Europas 2025 bekanntgeben. Von den acht ins Rennen gegangenen deutschen Städten sind noch fünf dabei. Neben Hannover, Hildesheim und Nürnberg sind es auch Chemnitz und Magdeburg. Seit es den Titel gibt, waren drei deutsche Städte Kulturhauptstadt Europas: West-Berlin, Weimar und Essen. Welche Stadt darf den Titel in fünf Jahren tragen?

Merchandizing Kulturhauptstadt Europas
Ob Magdeburg oder die anderen vier Bewerberstädte Chemnitz, Hildesheim, Nürnberg und Hannover - alle mussten im Vorfeld viel Werbung machen. Bildrechte: Magdeburg2025/Andrea Jozwiak

Punkt 13.27 Uhr will die zwölfköpfige Jury ihr Votum bekanntgeben. Das Entscheidungsgremium wird durch die höchsten EU-Institutionen benannt, erzählt Ulrich Fuchs. Von 2014 bis 2018 leitete er die Auswahlkommission, die darüber entscheidet, welche Stadt den Titel tragen darf. "Es gibt vier Teile der Prüfung", sagt Fuchs. "Einmal ist es das Bewerbungsdossier, das jede Stadt einreicht. Nach meiner Erfahrung macht das 40 bis vielleicht 50 Prozent der Entscheidungsfindung aus."   

Dazu müssen die Abgesandten der Bewerberstädte in einer Art mündlichen Prüfung eine Präsentation vorlegen und sich dann 45 Minuten lang den Fragen der Jury stellen. Die besucht in einer letzten Runde die Städte, was diesmal natürlich nur digital stattfinden konnte.

Entscheidung selten einstimmig

Die Entscheidung fällt dann selten einstimmig aus, wie Ulrich Fuchs aus seiner Erfahrung als ehemaliger Jury-Chef weiß. Er sagt: "Natürlich gibt's da auch Differenzen und Diskrepanzen in der Jury. Es wird nie handgreiflich, aber die Argumente fliegen hin und her." Am Schluss des Verfahrens würde zuerst eine Übereinstimmung gesucht, ob eine der Städte nicht in Frage komme. "Wenn es da eine Einigung gibt, dann sind es vielleicht nur noch vier. Dann gibt es weiter eine Verengung auf eventuell nur noch drei. Und bei den letzten zwei wird dann geheim abgestimmt."

Skepsis bei Ost-Bonus

Zu den zahlreichen Bewertungskriterien gehört, dass ein Bewerber mit dem Titel nicht nur sein Marketing ankurbeln will, sondern eine Strategie verfolgt, die Stadt auch über das Jahr als Kulturhauptstadt hinaus, kreativ und nachhaltig zu entwickeln. Welche Chancen Chemnitz und Magdeburg dabei haben, ist kaum vorherzusagen. Nicht nur die sächsische EU-Abgeordnete Constanze Krehl sieht einen eventuellen Ost-Bonus eher skeptisch. "Das klingt gut, aber ich denke, dass letztendlich das Konzept ausschlaggebend sein muss und ich denke, dass Chemnitz dafür gute Karten hat", sagt sie. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung müsse nicht immer nach einem Ost-Bonus gefragt werden. 

Aufmerksamkeit und Imagewandel

Das sieht Kulturhauptstadt-Experte Ulrich Fuchs ähnlich. Aber am Ende könnte es vielleicht doch und zu recht einen Ost-Bonus geben: "Aber nur dann, wenn die Bewerbung von Chemnitz oder Magdeburg genauso gut ist wie eine von den drei Westdeutschen", meint Fuchs. Es könne sein, dass die nächste Kulturhauptstadt doch nach Ostdeutschland komme, weil die letzte mit Essen in Westdeutschland gewesen sei. 

Offiziell ernannt wird die Kulturhauptstadt auf Grundlage der heutigen Empfehlung zum Jahresende von der Kulturministerkonferenz. Aus einer EU-Studie von 2013 geht hervor, dass der Titel den meisten Städten, neben dem Preisgeld von 1,5 Millionen Euro, vor allem mehr Aufmerksamkeit und zusätzliche Besucher, zuweilen auch einen dauerhaften Imagewandel gebracht hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Oktober 2020 | 05:00 Uhr