Mehrere Tote Bergsteiger sterben im Stau auf dem Everest

Am Mount Everest sind in drei Tagen fünf Menschen gestorben. Seit Beginn der Klettersaison Mitte Mai gab es acht Tote am höchsten Berg der Welt. Einigen von ihnen wurden lange Bergsteiger-Staus am Gipfel zum Verhängnis.

Bergsteiger-Stau am Gipfel des Mount Everest
Dutzende Bergsteiger stecken beim Aufstieg zum Everest-Gipfel im Stau fest. Bildrechte: dpa

Auf dem Mount Everest sind innerhalb von drei Tagen fünf Menschen gestorben. Seit dem Beginn der Hauptklettersaison in der vergangenen Woche verloren nach Angaben des nepalesischen Tourismusministeriums und von Expeditionsveranstaltern insgesamt acht Menschen am höchsten Berg der Welt ihr Leben.

Bergsteiger-Staus in der Todeszone

Bergsteiger überwinden mit einer Leiter eine Gletscherspalte im Khumbu-Eisfall
Bergsteiger überwinden mit einer Leiter eine Gletscherspalte im Khumbu-Eisfall. Bildrechte: imago/Westend61

Beobachter gehen davon aus, dass einige der Todesfälle mit Bergsteiger-Staus am Mount Everest zu tun haben. Mehr als 200 Bergsteiger hätten allein am Mittwoch gleichzeitig versucht, auf den 8.848 Meter hohen Gipfel zu gelangen. Dadurch sei es zu langen Wartezeiten in der sogenannten Todeszone gekommen. Ein im Internet verbreitetes Foto eines Bergsteigers zeigte eine lange Schlange auf dem "Dach der Welt".

So starben am Mittwoch und am Donnerstag unabhängig voneinander auf der nepalesischen Seite des Berges zwei Frauen aus Indien und ein 55-jähriger US-Amerikaner beim Abstieg vom Gipfel. Zumindest zwei der Opfer hatten nach Angaben ihrer Expeditionsveranstalter beim Aufstieg in langen Schlangen von Bergsteigern festgesteckt.

"Mehr als zwölf Stunden im Stau"

Mount Everest und Nuptse
Der 8.848 Meter hohe Mount Everest und sein Nachbarberg Nuptse. Bildrechte: imago/Westend61

Auch ein 27-jähriger Inder überlebte den Rückweg vom Gipfel nicht. Er hatte nach Angaben seines Reiseveranstalters auf dem Everest "mehr als zwölf Stunden im Stau" gesteckt. Alle vier Opfer litten nach Berichten von Sherpas unter Erschöpfung.

Am Freitag brach außerdem ein nepalesischer Bergführer beim Aufstieg mit einer Gruppe zusammen. Er wurde ins Basislager geflogen, wo Ärzte nur noch seinen Tod feststellen konnten.

Auf der weniger begangenen Aufstiegsroute auf der tibetischen Seite des Mount Everest starb in dieser Woche auch ein 65-jähriger Österreicher. In der Vorwoche waren am höchsten Berg der Welt in Nepal bereits ein Ire verunglückt und ein Inder tot in seinem Zelt gefunden worden.

Schneefall und Wind verkürzten Saison

Mehrere Männer beräumen Müll am Mount Everest
Müll-Beräumung am Everest: Hunderte Bergsteiger hinterlassen am höchsten Berg der Welt Tonnen von Abfall. Bildrechte: IMAGO

Wegen der schwierigen Witterungsbedingungen ist die Hauptsaison am Mount Everest auf wenige Wochen im Frühjahr begrenzt. In diesem Jahr hatten starker Schneefall und heftiger Wind den Beginn der Klettersaison verzögert.

Deswegen versuchten besonders viele Bergsteiger gleichzeitig das beste Wetter für den Aufstieg zu nutzen. 375 Aufstiegsgenehmigungen für je 9.000 Euro wurden in diesem Jahr erteilt.

Mehr als 300 Tote am "Dach der Welt"

Seit der Erstbesteigung des Everest 1953 schafften es bislang mehr als 5.000 Menschen auf das "Dach der Welt". Mehr als 300 von ihnen starben. Die meisten verunglücken oberhalb von 8.000 Metern beim Abstieg vom Gipfel. Nur ein Drittel der Toten konnte bislang geborgen werden, da Hubschrauber in diesen Höhen nicht eingesetzt werden können und die Menschen unter den tödlichen Bedingungen genug mit ihrem eigenen Überleben zu tun haben.

Mount Everest

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Mai 2019 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 18:11 Uhr