Blick über die Rhön
Brände, vertrocknende Buchen, von Borkenkäfern bevölkerte Fichten: Thüringens Bäume leiden. Bildrechte: dpa

Borkenkäferplage & Trockenheit So geht es der Natur in Thüringen

Thüringen wird auch "das grüne Herz Deutschlands" genannt. Die Wälder nehmen ein Drittel der Fläche des Landes ein. Klar, dass den Thüringern ihr Wald besonders wichtig ist. Momentan aber leiden die Wälder dort – wie auch in anderen Bundesländern – unter der Trockenheit und dem Borkenkäfer. Wie es den Wäldern in Thüringen, aber auch dem Rest der Natur momentan geht, stellte das Umweltministerium am Montag im "Bericht zur Lage der Natur in Thüringen" vor.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Blick über die Rhön
Brände, vertrocknende Buchen, von Borkenkäfern bevölkerte Fichten: Thüringens Bäume leiden. Bildrechte: dpa

Thüringens Flora und Fauna ist vielfältig: 55.000 verschiedene Arten wachsen, flattern, kriechen, schwimmen und laufen in und durch Thüringen.

Natur braucht mehr Fläche

An vielen Stellen, wie zum Beispiel dem Grünen Band oder in den Natura 2000 Stationen, habe die Natur schon den Raum, den sie braucht, meint Umweltministerin Anja Siegesmund: "Fakt ist aber auch, wenn man sich die Karte Thüringens anschaut: Zehn Prozent sind Siedlungs- und Verkehrsfläche. Über 50 Prozent wird durch Ackerbau verändert." Das habe Auswirkungen auf den Artenreichtum. Siegesmund sieht deshalb Handlungsbedarf.

Anja Siegesmund
Siegesmund ist Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Landwirtschaft. Bildrechte: Andreas Pöcking

Während einige Arten davon profitieren würden, wie zum Beispiel das Rhön-Schaf, gebe es andere Arten, die von der intensiven Landwirtschaft beeinträchtigt werden, erklärt die Grünen-Politikerin: "Wenn es eben keine nachhaltige Landwirtschaft gibt, sondern ausgeräumte Flächen mit wenig Hecken, wenig Kulturlandschaftselementen, dann hat die Biene, ebenso wie die Feldlerche, deren Bestände sich leider reduziert haben, ein echtes Problem." Siegesmund plädiert dafür, Naturräume und Bewirtschaftung zusammenzudenken.

Bericht zur Lage der Natur

Nachhaltige Landwirtschaft, Gewässerschutz und eine naturnahe Waldbewirtschaftung seien drei der Dinge, die Siegesmund für wichtig hält, wenn es um den Erhalt und den Schutz der Natur gehe. Um zu sehen, ob die Naturschutzmaßnahmen Wirkung zeigen würden, solle jede Legislaturperiode ein Bericht zur Lage der Natur in Thüringen erscheinen:

"Das heißt, es wird einen kontinuierlichen vernünftigen Prozess geben, um zu evaluieren: Geht es unserer Natur durch die Art und Weise, wie wir wirtschaften und leben, perspektivisch besser oder schlechter? Ein Fünf-Jahres-Rhythmus ist, denke ich, ganz vernünftig, um das einschätzen zu können."

Anja Siegesmund 35 min
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MDR+ So 11.08.2019 11:00Uhr 34:57 min

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Per App auf Entdeckungstour

Die Bestandsaufnahme sei aber nicht nur für Fachleute gedacht – jeder, den es interessiert, solle sich ein Bild von Thüringens Natur machen können. Und selbst auf Entdeckungstour gehen können: Mit dem Bericht will das Umweltministerium am Montag auch noch auf eine App aufmerksam machen: "Flora incognita". Siegesmund erklärt, wie sie funktioniert:

"Wenn man sich die App herunterlädt und das Handy dann auf eine Pflanze oder einen Baum in der Natur hält, bekommt man sofort Informationen dazu. Sodass man sehr schnell seine Umwelt kennenlernen kann und weiß, ist das eine seltene Art, womit habe ich es zu tun." Die App soll das Naturbewusstsein stärken. Entwickelt wurde sie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts in Jena und der TU Ilmenau.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 05:00 Uhr