Gesundheitswesen Ältere Patienten brauchen mehr Betreuung

Der sächsische Hausärzteverband sieht mehr Betreuungsbedarf bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind. Diese seien oft komplizierter zu behandeln. Im Gegensatz zu jüngeren Patienten müsse man bei den Älteren zum Beispiel häufiger nachfragen, ob sie alles verstanden hätten. Dieser zeitliche Mehraufwand könne für niedergelassene Ärzte zum Problem werden. Doch es gibt Lösungsvorschläge.

Patient beim Arzt.
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung könnten im Jahr 2030 bundesweit über 10.000 Hausärzte fehlen. Bildrechte: imago images / Westend61

Deutschland wird immer älter. In Sachsen zum Beispiel wird 2030 jeder dritte Einwohner älter als 65 Jahre sein. Fast jeder Zehnte wird 80 Jahre oder älter sein. Das wirkt sich auch auf die medizinische Versorgung aus. Zum einen werden mehr sächsische Ärzte altersbedingt in den Ruhestand gehen, als momentan Nachwuchs an den sächsischen Universitäten ausgebildet wird. Und die Hausärzte, die da sind, müssen mit immer mehr älteren Patienten zurechtkommen.

Aus dem Alltag einer Ärztin

Die Hausarztpraxis von Franziska Pecher-Werner liegt im sächsischen Eibenstock, im Erzgebirge. Etwa die Hälfte ihrer Patienten seien geriatrische Patienten, also älter als 70 Jahre, sagt sie.

In der Praxis habe man sich darauf längst eingestellt: "Es gibt zum Beispiel große Hinweisschilder und Beschriftungen der einzelnen Räume. Es wird natürlich mit Patienten, wo man bereits weiß, dass die eine Hörstörung haben, lauter gesprochen, es werden auch Patienten von den Schwestern zu den einzelnen Räumen oder zur Toilette geführt."

Natürlich brauche sie für ältere Patienten mehr Zeit während der Untersuchung. Einem jüngeren Patienten könne sie einfach sagen, wenn er eine Erkrankung habe, bei einer älteren Patientin müsse sie häufiger nachfragen, ob sie alles verstanden habe.

Kritik vom Hausärzteverband

Dieser zeitliche Mehraufwand könne für niedergelassene Ärzte zum Problem werden, sagt Pecher-Werner, die auch Mitglied im Vorstand des sächsischen Hausärzteverbands ist. Denn es gebe Untersuchungen und Gesprächsleistungen mit einem bestimmten Zeit-Budget, das allen niedergelassenen Ärzten von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgegeben werde.

"Wird dieses überschritten, werden wir geprüft und die entsprechenden abgerechneten Leistungsziffern einfach gestrichen. Das heißt, auch ein halbes Jahr später kann ihnen passieren, dass sie für erbrachte Leistungen einfach kein Geld bekommen, erklärt die Ärztin. Der sächsische Hausärzteverband fordere die Politik deshalb schon länger dazu auf, diese sogenannten Regressprüfungen abzuschaffen, damit die Bevölkerung ordentlich medizinisch versorgt werden könne.

Was ältere Patienten brauchen

Immer mehr ältere Patienten – das sei eine Aufgabe, die der Hausarzt nicht allein bewältigen könne, meint Michael Meisel, Vorsitzender des Landesverbands Geriatrie in Sachsen-Anhalt. Als Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Geriatrie am Diakonissenkrankenhaus Dessau hat er die Erfahrung gemacht, dass manche ältere Patienten eine besondere medizinische Betreuung brauchen.

Einige geriatrische Patienten ähnelten zwar den jungen Patienten, die könne man auch medizinisch behandeln wie junge Patienten. "Und dann gibt es eine große Gruppe von Patienten, die in ihrer Situation eingeschränkt sind. Und die bedürfen unserer Aufmerksamkeit insofern, als man diese Einschränkung, die diese Patienten haben, sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie berücksichtigen muss."

Mögliche Lösung

Für diese Gruppe sei ein extra Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie sinnvoll, findet Meisel. Also eine Art Kinderarzt für alte Patienten? Nicht ganz, sagt Meisel: "Es geht nicht darum, alle älteren Patienten beim Geriater zu behandeln, sondern nur die komplex Erkrankten, die durch Behinderung und Veränderung in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind."

Diesen Facharzt gibt es bislang nur in Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg. Sechs Jahre dauert es, bis man diese Facharztkompetenz erworben hat. Der sächsische Hausärzteverband lehnt diesen Vorschlag ab. In Zeiten des Ärztemangels noch einen zusätzlichen Facharzt einzuführen, sei nicht sinnvoll, sagt Franziska Pecher-Werner.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. Juli 2019 | 05:00 Uhr

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3 Kommentare

25.07.2019 11:26 Historiker 3

Die Großstädte Leipzig und Dresden platzen aus allen Nähten. Der ungebremste Zustrom von immer mehr Menschen hält an. Nicht mithalten kann offensichtlich die Eröffnung von neuen Arztpraxen. Die Festlegung von längeren Behandlungszeiten geht am Problem vorbei, da es bisher kaum Praxen gab, die weniger als 20 Stunden geöffnet hatten. Hier sollte dringend eine Lösung in Aussicht gestellt werden, um die monatelangen Wartezeiten auf einen Termin verkürzen zu können. Die Landesregierung sollte hierfür konkrete Maßnahmen vorsehen.

25.07.2019 07:11 Atheist aus Mangel an Beweisen 2

Wenn ich vor 30 Jahren wegen einen Schnupfen zu meinen Hausartzt bin,
Hat er mir die Hand gegeben, mich Abgehört, Blutdruck gemessen , meine Zunge zeigen lassen und mich per Handschlag verabschiedet.
Wenn ich heute nach einem Herzinfarkt zu meinem Hausartz gehe,
Verweigert der mir ( angeblich aus hygienischen Gründen ) den Handschlag, bleib hinter seinen PC sitzen, lässt sich meine mitgebrachten Blutdruckwerte sagen ohne selbst mal zu kontrollieren, .... am Ende gehe ich raus ohne das der Arzt mich auch nur einmal berührt hätte.
Jedenfalls brauch ich da keinen Hausartz mehr.

25.07.2019 05:22 Auf der Sonnenseite des Lebens 1

"die älter als 65 Jahre sind. Diese seien oft komplizierter zu behandeln. Im Gegensatz zu jüngeren Patienten müsse man bei den Älteren zum Beispiel häufiger nachfragen, ob sie alles verstanden hätten. "

wenn das wirklich der Fall ist, ist der MDR auf einen Skandal ohne gleichen gestoßen.

Ab 65 wird es schwierig beim Arzt, aber wir sollen bis 67 arbeiten gehen.

Wie passt das zusammen?