Biontech und Moderna Große Studien für Corona-Impfstoff starten

Die Pharmaindustrie forscht weltweit an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus. Laut WHO werden mehr als 20 potenzielle Impfstoffe an Menschen getestet, fünf davon bereits in großen Studien. Diese sogenannte Phase III ist der letzte Schritt der Medikamentenentwicklung, bevor ein Antrag auf Zulassung gestellt werden kann. Mit im Rennen ist das deutsche Unternehmen Biontech.

Eine Versuchsperson erhält eine Spritze mit einem potenziellen Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna gegen Covid-19.
Dem Entwickler des ersten wirksamen Corona-Impfstoffs winken Milliardengewinne. Bildrechte: dpa

Die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer haben eine große klinische Studie für einen Impfstoff gegen das Coronavirus angekündigt. Biontech-Chef Ugur Sahin meldete in der Nacht zum Dienstag den Start "unserer globalen Studie, die bis zu 30.000 Teilnehmer umfassen wird".

Der Impfstoff-Kandidat BNT162b2 soll bei Probanden im Alter von 18 bis 85 Jahren in rund 120 Studienzentren getestet werden. Dabei geht es vor allem um die Wirksamkeit und Verträglichkeit. Bei einem Erfolg will Biontech im Oktober ein Zulassungsverfahren beantragen.

Möglicherweise könnten dann zum Jahresende bis zu 100 Millionen Impfdosen bereitgestellt werden. Die US-Regierung hat bereits vorab Corona-Impfstoff im Wert von 1,95 Milliarden Dollar bestellt.

Parallele Impfstoff-Studie in den USA

In den USA ging ein weiterer Corona-Impfstoff-Kandidat in die heiße Phase seiner Erprobung. Wie die Gesundheitsbehörde NIH mitteilte, startete das US-Biotech-Unternehmen Moderna eine klinische Phase-III-Studie in den USA mit 30.000 Probanden.

Der US-Immunologe und Regierungsberater Anthony Fauci bewertete die erste Test-Impfung eines Patienten als "historisches Ereignis". Der Impfstoff sei in Rekordzeit entwickelt worden. Erste Ergebnisse werden im November erwartet.

In bislang durchgeführten Tests mit dem Moderna-Mittel hatten Probanden laut NIH Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 entwickelt. Bei den 45 Teilnehmern im Alter von 18 bis 55 Jahren seien keine ernsthaften Nebenwirkungen eingetreten.

Washington setzt auf mehrere Kandidaten

Die US-Regierung kündigte zugleich an, ihre Investitionen in die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 durch die Firma Moderna zu verdoppeln. Geplant sind nun Investitionen in das Projekt in Gesamthöhe von fast einer Milliarde Dollar.

Die Vereinigten Staaten sind das mit Abstand am härtesten von der Pandemie betroffene Land der Welt mit laut Johns Hopkins Universität etwa 4,3 Millionen bestätigten Infektionen und knapp 150.000 Todesfällen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Juli 2020 | 07:45 Uhr

4 Kommentare

Wachtmeister Dimpfelmoser vor 6 Tagen

Je nach Testphase (I bis III) unterschiedlich große Gruppen von zunächst (Phase I) jungen gesunden männlichen und vor allem freiwilligen Probanden bis hin zu einer repräsentativen Querbeet-Population in späteren Phasen. Im Regelfall gibt es hierbei einen Versicherungsschutz, ärztliche Überwachung einschließlich möglicher Kontraindikationen und Honorar. Bei Impfstofftests ist es aber komplizierter, weil im Gegensatz zu Tests mit beispielsweise einem neuen Antitumormedikament in der entscheidenden Phase III-Testung ja keine Erkrankten getestet werden - es ist ein Impfstoff und kein Virustatikum - sondern eine große Kohorte gesunder Probanden. Das Erfolgskriterium ist eine stabile Antikörperbildung gegen das Corona-Virus. Ob diese ausreichend Schutz bietet, muss sich zeigen, auch hinsichtlich möglicher Veränderungen des Virus. Expositionstests dürften sich meiner Meinung nach verbieten. Die jetzige Phase III findet z.B. in etlichen US-Bundesstaaten, Argentinien und Brasilien statt.

Gandalf vor 6 Tagen

Es geht also um ein Mrd. Euro Geschäft, ich dachte immer es geht um unsere Gesundheit?
Lieber MDR, stimmt es eigentlich, dass die Hersteller des Impfstoffes von ihrer Haftung vom Staat befreit wurden sind?
Sicher, verschiedene Impfungen haben sich in der Vergangenheit bewährt. Da gibt es kaum Zweifel.
Welchen Sinn hat aber eine Impfung gegen einen relativ ungefährlichen Virus, wogegen schon eine Teilimmunität in breiten Teilen der Gesellschaft wahrscheinlich schon besteht? Wir wissen außerdem mit Sicherheit, dass die Altersgruppe um 80 hauptsächlich betroffen ist. Leider ist die Immunantwort in dieser Altersgruppe sehr oft reduziert...

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 6 Tagen

was sind das denn für Leute, die an sich so was testen lassen?