Corona-Pandemie Biontech und Pfizer beantragen US-Zulassung für Impfstoff

Es könnte ein großer Schritt auf dem Weg zu einem sehnsüchtig erwarteten Corona-Impfstoff sein: Das deutsche Biotechnologie-Unternehmen Biontech und der Pharmariese Pfizer aben bei der US-Arzneimittelbehörde gemeinsam eine Notfallzulassung für ihr Produkt beantragt. Im besten Fall könnte eine Auslieferung des Impfstoffs bereits Ende des Jahres beginnen.

Prof. Dr. med. Ugur Sahin, 2018
Biontech-Chef Ugur Sahin hofft auf eine schnelle Zulassung des Corona-Impfstoffs. Bildrechte: imago images / Sämmer

Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer haben eine Notfallzulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA für ihren Corona-Impfstoff beantragt. Das bestätigte Pfizer am Freitag via Twitter.

Impfstoff könnte noch in diesem Jahr geliefert werden

Die Lieferung des Impfstoffs namens BNT162b2 könnte Ende dieses Jahres beginnen, sollte es eine Genehmigung geben, hatte Biontech bereits mitgeteilt. Biontech und Pfizer sind die ersten westlichen Hersteller, die vielversprechende Studienergebnisse veröffentlicht haben und eine Notfallzulassung bei der FDA beantragen wollen.

Zuvor hatten die Unternehmen bekanntgegeben, dass die Impfung einen 95-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19 biete. Der Impfstoff funktioniere über alle Altersgruppen und andere demografische Unterschiede hinweg ähnlich gut und zeige praktisch keine ernsten Nebenwirkungen.

Antrag bei europäischer Behörde noch nicht gestellt

Die FDA muss den Antrag noch prüfen. Wie lange das dauern könnte, war zunächst unklar. US-Experten zeigten sich aber zuversichtlich, dass es noch vor Jahresende ein Ergebnis der Prüfung geben könnte.

Für Corona-Impfstoffe gilt wegen der besonderen Dringlichkeit ein beschleunigter Zulassungsprozess. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA und in weiteren Ländern reichen Biontech und Pfizer bereits permanent Daten ein. Mit diesem "rollierenden Verfahren" können Hersteller schon vor dem kompletten Zulassungsantrag einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats weitergeben. Einen kompletten Zulassungsantrag wie bei der FDA geplant, haben sie bei der EMA jedoch noch nicht gestellt.

Von der Leyen: Impfstoff wird "fair" verteilt

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erklärte, nach einer Zulassung sollen die vorhandenen Dosen nach Unternehmensangaben "fair" verteilt werden. Es werde nicht "ein Land alles erhalten". Deutschland und die EU haben bereits einen Rahmenvertrag über den Kauf von 300 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer abgeschlossen. Biontech hatte bereits Mitte Januar angefangen, den Impfstoff BNT162b2 im Projekt "Lightspeed" (Lichtgeschwindigkeit) zu entwickeln.

Bis zu 1,3 Milliarden Dosen pro Jahr

Das von Biontech entwickelte Präparat ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff, der auf einem neuen Mechanismus basiert. Er enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren. Ein Vorteil von mRNA-Impfstoffen ist, dass sie wesentlich schneller als konventionelle Impfstoffe produziert werden können.

Biontech und Pfizer rechnen damit, noch in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitzustellen, im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. November 2020 | 14:30 Uhr

5 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 5 Tagen

"Ich werde mich impfen lassen."

ich kann sie und ihre Familie zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen. Um so mehr sich impfen lassen um so mehr und eher werden für Skeptiker für mich Nebenwirkungen bekannt und ich kann dann später immer noch entscheiden.

Damit sind wir doch nun beide Glücklich.

Ich weiß immer noch nicht genau was sie jetzt von mir wollen?

Peter vor 6 Tagen

Sonnenseite: Ich werde mich impfen lassen. Meine Kinder sind erwachsen. Sie entscheiden selbst. Sie haben mir allerdings mitgeteilt, sich ebenfalls impfen zu lassen. Mitte des nächsten Jahres wird die Pandemie für mich und meine Kinder wohl vorbei sein. Wie wird´s bei Ihnen aussehen?
Nun fällt mir der Spruch ein: Jeder selbst ist seines Glückes Schmied.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 6 Tagen

"Sonnenseite, die Chinesen haben keine Zulassung in den USA beantragt. Fragen Sie sich doch mal: Warum?"

Dann nehmen sie ihre Kinder und Enkel mit zum Impfen.

Ich verstehe nicht, was sie jetzt von mir wollen?