Spender gesucht Blutspende in Mitteldeutschland - weniger Termine durch Homeoffice

Der Vorrat an Blutkonserven ist 2020 stark geschrumpft. Ein Grund: Sammeltermine von Firmen wurden durch coronabedingtes Homeoffice abgesagt. Laut DRK fehlen vor allem Spenden der Universalblutgruppen Null Rhesus positiv und Null Rhesus negativ.

Blutspender
Die Zahl der Erstspender ist 2020 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - wie die Zahlen der bisher vorliegenden Monate vermuten lassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor allem Mangel an Universalblutgruppen Null Rhesus

Wie in jedem Jahr ruft das DRK im gesamten Bundesgebiet zur Blutspende auf. Der Vorrat an Blutpräparaten ist unter anderem durch die Corona-Pandemie und die Urlaubszeiten stark zurückgegangen. Laut DRK fehlt es vor allem an Spenden der Universalblutgruppen Null Rhesus positiv und Null Rhesus negativ, die besonders häufig benötigt werden. Die seltene Blutgruppe Null Rhesus negativ haben nur sechs Prozent der Bevölkerung.

Das DRK sieht den Blutkonservenmangel vor allem darin begründet, dass durch die Tätigkeit im Homeoffice viele Firmentermine abgesagt werden mussten. Hinzu kam, dass viele Räumlichkeiten für Spendenaktionen wie Schulen, Altenheime und Kitas weggefallen sind. 

Blutspende 5 min
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MDR um 4 Mo 14.09.2020 16:00Uhr 04:37 min

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Viele verschiedene Blutspendeeinrichtungen in Deutschland

Die Blut- und Blutprodukt-Versorgung erfolgt in Deutschland durch die staatlichen, kommunalen, gemeinnützigen und privaten Spendeeinrichtungen. Zudem gibt es den Blutspendedienst der Bundeswehr. Die freiwillige Abgabe des circa halben Liters Blut bezeichnet man als Blutspende. Nach der Spende wird das Blut untersucht und aufbereitet und anschließend für medizinische Zwecke oder in der Forschung verwendet. Die Vollblutspende ist die bekannteste Art der Spende, bei der meist aus einer Vene in der Ellenbeuge etwa 500 Milliliter Blut entnommen und konserviert werden. Die Spende dauert in der Regel nur zehn Minuten.

Spende von Eigenblut oder Bestandteilen

Die unterschiedlichen Blutprodukte werde in einer Blutbank gelagert. Die Eigenblutspende ist die Spende des eigenen Blutes in einem Zeitraum von ungefähr sechs Wochen vor einer Operation. Sie hat den Vorteil, dass das eigene Blut, um einen möglichen Verlust auszugleichen, perfekt verträglich ist. Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Spende einzelner Blutbestandteile wie Erythrozyten, Thrombozyten, Blutplasma oder Stammzellen. Die Bestandteile, die nicht verwendet werden, werden dem Körper wieder rückgeführt. Hierbei dauert das Verfahren zwischen 20 Minuten und vier Stunden.

Blutspenderin 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 12.09.2020 19:00Uhr 02:02 min

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Wer darf in Deutschland spenden?

In Deutschland dürfen Menschen ab dem 18. Lebensjahr Blut spenden, vorausgesetzt, es gibt keine gesundheitlichen Bedenken. Das Mindestkörpergewicht liegt bei 50 Kilogramm. Der Hämoglobingrenzwert liegt bei den Männern bei 13,5 und bei den Frauen bei 12,5 - damit der Körper nach der Spende den Blutverlust ausgleichen kann.

Eine Altersbegrenzung bei Wiederholungsspendern gibt es in Deutschland nicht, Erstspender dürfen aber nicht älter als 68 Jahre sein. Frauen dürfen in Deutschland insgesamt vier Mal im Jahr spenden, Männer sechs Mal - acht Wochen müssen sie aber zwischen den Spenden pausieren. Das Transfusionsgesetz regelt in Deutschland die Blutgewinnung und deren Anwendung bei Bluttransfusionen.

Blutspendebilanz für 2019

Das Paul-Ehrlich-Institut ist das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, die diese Stoffe erforscht, bewertet und zulässt. Zudem erhebt das Institut jedes Jahr eine umfangreiche Daten-Statistik zum Blutspendeaufkommen und zur Versorgungssituation mit Blut und Blutprodukten in Deutschland. Die Erhebungen erfolgen auf der Basis des § 21 TFG (Transfusionsgesetz), das besagt, dass die Träger der Spendeneinrichtungen und die pharmazeutischen Unternehmen verpflichtet sind, jährlich die Zahlen zum Umfang der Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen zu melden.

Eine Ärztin hält 2013 einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat. 1 min
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Di 28.05.2019 15:00Uhr 01:00 min

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Zahl der Vollblutspenden rückläufig

Grundsätzlich ist die Gesamtzahl der Vollblutspenden im Bundesgebiet rückläufig. Das zeigt die aktuelle Statistik des Paul-Ehrlich-Instituts.

Vollblutspenden
Bei den Vollblutspenden zeigt sich ein kontinuierlicher Abwärtstrend. Bildrechte: Paul-Ehrlich Institut/MDR.DE

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Spenden um mehr als 22 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig fällt aber auf, dass die Zahl der Spenden pro 1.000 Einwohner weniger stark rückläufig ist. Hier sanken die Zahlen nur um 13 Prozent.

Spenden pro 1000 Einwohner
Auch die Spender pro 100.000 Einwohner nehmen ab - wenngleich stark im Verhältnis. Bildrechte: Paul-Ehrlich Institut/MDR.DE

Offenbar mehr Erstspender während des Lockdowns

2019 gab es während der DRK-Spendetermine in Sachsen-Anhalt und Thüringen 146.157 Blutspenden, davon 11.022 von Erstspendern. Mit Blick auf die Jahre zuvor ist zu erkennen, dass es im Allgemeinen einen leichten Abwärtstrend gibt.

Die Zahlen des 1. Halbjahres 2020 lassen eine leichte Steigerung in diesem Jahr vermuten (Stand Ende August 2020). Das könnte auch an der überdurchschnittlich hohen Spendenbereitschaft innerhalb des Lockdowns liegen. In Sachsen gab es 2019 insgesamt 163.355 Spenden, davon entfielen 7.331 auf Erstspender. Im ersten Halbjahr 2020 zeichnete sich auch hier ein starker Anstieg der Erstspenderquote ab.

Blutspende - Spender und Erstspender
Die Kurve der Erstspender unterscheidet sich stark von der Kurve der Gesamtspenderzahl. Bildrechte: DRK-Landesverband Sachsen-Anhalt / Thüringen , DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, MDR.DE

Ein Drittel der Blutspendetermine ausgefallen

Markus Baulke, DRK-Sprecher für Blutspenden in Sachsen-Anhalt und Thüringen, sagte dem MDR: "Leider konnten wir infolge der erhöhten Sicherheitsanforderungen in Spitzenzeiten rund 30 Prozent der geplanten Spendentermine aufgrund der fehlenden Räumlichkeiten nicht durchführen".

Das fehlende Blutspendeaufkommen sei aber "durch den rückläufigen Bedarf der Kliniken kompensiert" worden. Die Entwicklung zeige jedoch, dass seit Mai die Kliniken ihren Bedarf an Blutpräparaten spürbar erhöht hätten, zum Teil weit über dem des Vorjahresschnitts. Dies habe zur Folge, dass sich die Vorräte nun deutlich reduziert hätten. Er resümiert Mitte August: "Durch die Hitzeperiode ist das Spendenaufkommen stark zurückgegangen. Die Reserven sind aufgebraucht und wir stehen kurz vor einem Versorgungsengpass".

Was sagen die Gesundheitsministerien der Länder zur Lage?

  • Sachsen-Anhalt

Das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration erklärt auf MDR-Anfrage: "Der Landesregierung liegen keine für Sachsen-Anhalt gesondert ausgewiesenen Zahlen über Blutreserven vor. Anzeigepflichten zum Umfang der Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen gegenüber Landesbehörden sind nicht gesetzlich normiert". Dennoch resümiert das Ministerium in Sachsen-Anhalt: "Kontinuierliche Blutspenden sind wichtig für die Versorgung von Patientinnen und Patienten, denn insbesondere Blutbestandteile haben eine begrenzte Haltbarkeit und können nur eine gewisse Zeit gelagert werden. Blutplättchen sind beispielsweise nur vier bis fünf Tage einsetzbar. Sie werden nicht nur zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Blutungsstörungen, sondern in erheblichem Umfang beispielsweise auch zur Behandlung von Krebskranken eingesetzt. Deshalb appellieren wir an alle, die die Voraussetzungen für eine Blutspende erfüllen, auch regelmäßig zur Blutspende zu gehen."

  • Thüringen

Im Freistaat würden, so das Thüringer Sozialministerium mit Verweis auf das Landesamt für Verbraucherschutz, jährlich etwa 200.000 Blutspenden durchgeführt. Zu Beginn der Corona-Pandemie hätte es vereinzelt Probleme gegeben, geeignete Orte für die Blutspende zu finden, damit die Infektionsschutzauflagen erfüllt werden könnten. Generell sei in den Sommermonaten die Spendenbereitschaft niedriger. Das Sozialministerium wies auf MDR-Anfrage ebenfalls noch einmal darauf hin, dass Menschen, die eine Erkrankung mit SARS-CoV-2 überstanden haben, erst vier Wochen nach ihrer Genesung spenden dürfen. Damit stünden noch weniger Spender als ohnehin schon zur Verfügung. Es gäbe aber bisher keine Engpässe.

  • Sachsen

Das Ministerium teilte mit, es könne inhaltlich keine Auskunft geben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 08. Oktober 2020 | 21:00 Uhr