Ein Borkenkäfer sitzt auf zerfressener Baumrinde.
Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Borkenkäfer massenhaft über Thüringens Wälder hergemacht. Bildrechte: dpa

Thüringer Wald Borkenkäferplage kostet Wald - und Geld

Der Borkenkäfer könnte in diesem Jahr fünf Prozent des Thüringer Walds vernichten. Gebraucht werden deswegen auch dringend Mitarbeiter, die das geschädigte Holz entfernen. Die Thüringer Landesregierung hat angekündigt, bei der Forstbehörde Mitarbeiter und Helfer anzustellen. Die Borkenkäfer-Plage hat also nicht nur Konsequenzen für die Natur, sondern auch für die Landesfinanzen.

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein Borkenkäfer sitzt auf zerfressener Baumrinde.
Bereits im vergangenen Jahr hat sich der Borkenkäfer massenhaft über Thüringens Wälder hergemacht. Bildrechte: dpa

Der Borkenkäfer tötet massenhaft Fichten. Wer in den vergangenen Monaten mal am Brocken war, findet dort über weite Flächen hinweg tote Bäume. Nun hat es auch den Thüringer Wald erwischt.

Tausende Bäume betroffen

Der Wald rauscht, die Vögel zwitschern. Doch die Idylle trügt, sagt Volker Gebhardt. Der Leiter des Thüringer Landesforsts entfernt die Rinde einer Fichte. Darunter: unzählige Borkenkäfer. Der Baum ist nicht zu retten. Zigtausenden Bäumen gehe es ähnlich, sagt Gebhardt: "Das Aussehen der Wälder, so wie wir es momentan kennen, werden wir zum Jahresende an vielen Stellen verändert vorfinden. Das wird für viele gewöhnungsbedürftig."

Volker Gebhardt
Gebhardt ist Leiter des Thüringer Landesforsts. Bildrechte: Volker Gebhardt

Es ist wirklich das größte Schadensereignis, das die lebenden Forstkollegen bisher erlebt haben.

Volker Gebhardt, Thüringer Landesforst

Dem Thüringer Wald drohen kahle Stellen, Lücken. Die extreme Trockenheit hat ihn geschwächt. Das macht es dem Borkenkäfer leicht. Gebhardt schätzt, dass in diesem Jahr Bäume auf rund 25.000 Hektar absterben werden – das sind knapp fünf Prozent der gesamten Fläche des Thüringer Waldes.

Verluste in Millionenhöhe

Der Landesforst versucht, das Schadholz zu verkaufen. Doch die Erlöse sind mickrig. Im Moment lägen die Preise für Fichte bei der Hälfte des Vorjahresniveaus, erzählt Gebhardt.

"Und man kann Zusatzmengen fast nicht mehr absetzen. Es geht fast nichts mehr." Aufgrund der großen Mengen aus dem letzten Jahr, die noch unverkauft seien und die aus den Nachbarländern dazukämen, könne man fast kein schlechtes Holz mehr absetzen.

Gebhardt rechnet für den Landesforst in diesem Jahr mit zweistelligen Millionenverlusten. Zumal seine Ausgaben steigen. Er muss mehr fällen und das schadhafte Holz aufarbeiten lassen.

Mehr Förster benötigt

Dafür braucht er mehr als seine 1.300 Arbeiter. Doch seit 2003 sind 500 Stellen weggefallen. Die Thüringer CDU habe für nächstes Jahr mehr Geld bereitstellen wollen, sagt Oppositionsführer Mike Mohring. Denn die Situation, die durch den Borkenkäfer eingetreten ist, sei dramatisch.

"Und da wollten wir einmal fünf Millionen Euro zuführen und auch das ist abgelehnt worden. Was mich sehr verwundert, weil ich das Gefühl hatte, dass alle den gleichen Blick auf den dramatischen Zustand des Thüringer Waldes haben. Und dass man das einfach ablehnt, da war ich verwundert." Nach der Ablehnung mahnte ein anderer CDU-Politiker: Das grüne Herz Deutschlands stünde kurz vorm Infarkt.

Weitere Maßnahmen

Das Forstministerium reagiert nun aber doch: Auf Nachfrage von MDR AKTUELL sagt Ministerin Birgit Keller von der Linken, auch sie sorge sich. Nicht nur Fichten seien geschädigt, sondern auch Buchen. Die Regierung werde noch für dieses Jahr Sondermittel bereitstellen. So sollen zusätzlich 34 befristet Beschäftigte und 100 Helfer eingestellt werden.

Birgit Keller spricht bei der Regierungsmedienkonferenz der Thüringer Landesregierung am 8. Dezember 2015 in der Thüringer Staatskanzlei.
Seit 2014 ist Keller Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft. Bildrechte: IMAGO

Dabei wolle das Ministerium auf Studierende aus der Forstwirtschaft sowie auf Mitarbeiter in Rente zurückgreifen, sagt Keller. Man müsse zunächst die Stellen erfassen, wo der Borkenkäfer sich besonders ausgebreitet hat. Keller: "Wir haben ein entsprechendes Maßnahmepaket besprochen und auf den Weg gebracht."

Ob das reicht? Volker Gebhardt benötigt die Leute schnell. Stellenausschreibungen dauern aber ein paar Monate. Der Leiter des Landesforsts will kahle Stellen so gut es geht wieder bepflanzen. Mit Setzlingen, die auch mit Trockenheit umgehen können. Doch bis daraus Bäume geworden sind, werden Jahre verstreichen. Der Borkenkäfer frisst derweil weiter. Ein Weibchen und deren Nachkommen bringen es pro Jahr auf 150.000 neue Käfer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

20.06.2019 16:51 PENSIONÄR 8

Augen reiben ^^ Bienen sind fleißig Ameisen auch und in gesunden Wäldern und Wiesen unterwegs. Da gibt es auch Arbeiter bzw. Drohnen. Ob Borkenkäfer jung oder Rentner egal welchen Geschlechts Nr. 6 bleibt rätselhaft und Plage-im-Thueringer-Wald

20.06.2019 16:13 martin 7

@6 arbeitende: Die Ausbildung zum Forstwirt dauert ein paar Jahre. Sie können nicht einfach einem ungelernten Menschen eine Kettensäge in die Hand drücken und sagen: Mach mal ....

20.06.2019 13:47 Arbeitende Rentnerin 6

Natürlich ist es richtig, mehr Leute einstellen zu wollen, aber die Rentner für die schwere Arbeit wieder holen und Abertausende junge Männer gammeln rum, irgendwas stimmt hier nicht

20.06.2019 12:11 part 5

Nicht nur der Brocken ist betroffen sondern besonders der Westteil des Harzes, wo sich ein gar erschreckenedes Bild bietet. Hier wird deutlich welche Waldwirtschaft 40 Jahre lang prägender war. Sieht man sich heute die Wälder an, so wird einem Übel, überall künstliche Schneißen für den Harvester wo das Holz einfach liegen bleibt, so etwas gab es früher nicht in den Monokulturen. Vermehrter Schädlingsbefall hat auch Ursachen, denen sollte man erstes nachgehen, der Wirtschaftswunderwald nach 1990 braucht eben auch etwas an Pflege.

20.06.2019 11:38 martin 4

Den Wald ein paar Jahre "sich selbst zu überlassen" würde an den meisten Standorten nicht ausreichen. Es fehlen vielerorts die ursprünglichen, standortangepassten Bäume, weil sie durch schnellwachsende "von der Stange" ersetzt wurden.

Aber selbst die ursprünglich standortangepassten bekämen / bekommen mit der Dürre Probleme, weil das früher kein Selektionskriterium war.

Notwendig ist eine Aufforstung als Mischwald (statt Monokultur) mit unterschiedlichen Pflanzen, die mit den sich verändernden Bedingungen klar kommen. Das passiert aber nicht dadurch, dass man den Wald zum Urwald deklariert und nichts tut. Und das dauert auch mehr als ein paar Jahre. In der Forst sollte man in Jahrzehnten denken.

20.06.2019 10:37 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 3

an manchen sind die "Zapfen" nach oben während andere diese nach unten haben. viele auch Blau- und Edeltannen verlieren gerade die Nadeln vom Stamm aus gesehen nach außen.

20.06.2019 10:12 beyer 2

So ist das beim Pferderennen: Einmal aufs falsche Pferd gesetzt und "alles" verloren. Und dann schnell nach Staatsknete schreien... Auch der Forst darf und kann und sollte nachhaltig arbeiten. Mag zwar ein paar Jahre weniger schön aussehen doch wenn der Wald sich selbst überlassen wird erholt sich alles erstaunlich schnell.

20.06.2019 08:45 C.T. 1

Die Fichtenwälder ca. 650m u.n.N. sind künstliche, artenarme Wirtschaftswälder. Hier gibt es nichts zu schützen außer den menschlichen, wirtschaftlichen Interessen.