Brasilien Präsident Bolsonaro an Covid-19 erkrankt

Brasiliens rechtskonservativer Staatschef Bolsonaro hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das hat ein Test bestätigt. Bolsonaro, der die Pandemie lange verharmlost hat, klagt über Fieber, Husten und Gliederschmerzen. Auch ein Familienmitglied soll schwer erkrankt sein.

Jair Bolsonaro
Leidet jetzt selbst unter Covid-19-Symptomen und trägt mittlerweile auch einen Mund-Nasen-Schutz. Bildrechte: dpa

Der brasilianische Präsident Jair Messias Bolsonaro hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte er nach einem positiven Test in einem Militärhospital in der Hauptstadt Brasília.

Bolsonaro hatte zuvor eingeräumt, dass er unter typischen Covid-19-Symptomen wie Fieber, Husten und Schwäche leide. Eigenen Angaben zufolge hat er aber keine Lungenentzündung. Nach der Untersuchung in der Militärklinik trug er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit eine Atemmaske.

Noch am Wochenende war Bolsonaro viel unter Menschen, teils ohne Mundschutz. So nahm er an einem Bankett zum Unabhängigkeitstag der USA in der US-Botschaft teil.

Jair Bolsonaro und Todd Chapman
Jair Bolsonaro (li.) am Samstag mit dem US-Botschafter in Brasilien, Todd Chapman. Bildrechte: dpa

Therapie mit umstrittenem Medikament

Der 65-Jährige wird nach eigenen Angaben bereits mit dem Malariamittel Hydroxychloroquin behandelt, das er selber als "Wundermittel" gegen Covid-19 angepriesen hatte. Auch US-Präsident Donald Trump hatte für Hydroxychloroquin geworben, die Weltgesundheitsorganisation rät hingegen von einem Einsatz gegen Covid-19 ab. 

Zudem wurde bekannt, dass die Großmutter der Präsidentengattin Michelle Bolsonaro ebenfalls an Covid-19 erkrankt ist. Die 80-Jährige liegt seit Freitag auf der Intensivstation eines Krankenhauses in der Hauptstadt Brasilia und wird Medienberichten zufolge künstlich beatmet.

Pandemie-Leugner eingeholt

Seit Beginn der Pandemie hatte Bolsonaro das Coronavirus als "kleine Grippe" verharmlost, die ihm als ehemaligem Athleten nichts anhaben könne. Zudem kritisierte er die von Bürgermeistern und Gouverneuren in Brasilien erlassenen Corona-Maßnahmen als "Hysterie".

In der Öffentlichkeit weigerte sich der Rechtspopulist, Abstand zu halten und Masken zu tragen. Zuletzt legte Bolsonaro sein Veto gegen eine landesweit geplante Maskenpflicht in Kirchen und Geschäften ein.

Es gibt in Brasilien immer wieder Proteste gegen Bolsonaros Krisenpolitik. Kritisiert wird vor allem, dass mangelnder Infektionsschutz besonders die sozial Schwachen treffe und die indigene Bevölkerung gefährde.

Brasilien stark von Pandemie betroffen

Brasilien ist neben den USA derzeit der Brennpunkt der Corona-Pandemie. Bislang haben sich im größten Land Lateinamerikas 1,6 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 65.000 Infizierte starben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da in Brasilien recht wenig getestet wird.

Vielerorts wurden zuletzt Corona-Einschränkungen wieder gelockert. In Rio de Janeiro etwa öffneten Restaurants und Bars ungeachtet hoher Infektionszahlen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Juli 2020 | 05:45 Uhr

16 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 4 Wochen

Ich sehe solche Dinge auch kritisch. Aber ich habe es mir abgewohnt, mir diese Berichte zu eigen zu machen.
Wer hat denn ein Interesse an der Ausbeutung des Territoriums, auf dem Regenwald steht oder stand? Die paar Brasilianer allein wohl nicht.

Strafrechts-Profit-eur vor 4 Wochen

Ja da sind sie wieder - unsere argumentativen Hochkaräter mit ihren
- Aluhutträgern
- Verschwörungstheoretikern
- Leugnern
- Gesinnungsgenossen
- Nazis
- Esoterikern
- Impfgegern
Ein Glück, dass es diesen Wortschatz gibt. Sonst stünde man schnell da wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern.

Klaus vor 4 Wochen

Es geht nicht um Schadenfreude, sondern um Gerechtigkeit für zehntausende von Menschenleben.
Wir können nur froh sein, dass unsere Regierung deutlich verantwortungsvoller als Bolsonaro handelt.