Lebensmittelsicherheit in Deutschland Bundesamt warnt: Nahrungsergänzungsmittel kein Wundermittel gegen Corona

MDR-Volontärin Hanna Lohoff
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Nahrungsergänzungsmittel werden online zum Teil als Heilmittel gegen Corona beworben. Das Bundesamt für Verbraucherschutz warnt vor diesen falschen Versprechungen. Vitamin D oder Beifuß seien kein Mittel gegen das Virus.

Verschiedene Tabletten und Kapseln neben einem Reagenzglas
Das Bundesamt für Verbraucherschutz warnt vor unseriösen Versprechungen im Zusammenhang mit Nahrungsergänzungsmitteln. Diese seien kein Heilmittel gegen Corona. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Vitamin C gegen die Erkältung, Magnesium nach dem Sport und Zink vor dem Schlafengehen – der Markt mit Nahrungsergänzungsmitteln boomt. Einige Hersteller haben nun offenbar die Pandemie genutzt, um ihre Mittel zu bewerben. Werbeanzeigen, die Vitamin D oder die Pflanze Beifuß als Mittel gegen Corona verkaufen, seien jedoch nicht seriös, erklärte Friedel Cramer, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Es ist unerhört, wie manche Händler in der aktuellen Pandemie versuchen, aus den Ängsten der Menschen Profit zu schlagen.

Friedel Cramer, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL)

Bußgelder für falsche Angebote

Bei der Vorstellung des Berichts zur Lebensmittelüberwachung für das Jahr 2019 warnt das Bundesamt vor solchen Angeboten. Cramer betont auf der Pressekonferenz eindringlich: "Unter den Nahrungsergänzungsmitteln gibt es keine Wundermittel gegen Corona."

Um Verbraucherinnen und Verbraucher vor diesen Falschinformationen zu schützen, gab es EU-weite Recherchen im Internet. So wurden insgesamt 592 Websites gefunden, die mit Nahrungsergänzungsmitteln gegen Corona warben – in Deutschland waren es 60. Die Angebote müssen gelöscht oder verändert werden und es werden Bußgelder verteilt.

Das BVL empfiehlt einen skeptischen Umgang mit Online-Shops, die Nahrungsergänzungsmittel anbieten – vor allem bei unrealistischen Erfolgsversprechen, Angeboten von Privatpersonen oder vielversprechenden Bewertungen in Diskussionsforen. Letztere könnten oft gefälscht sein.

Desinfektionsmittel in der Sahne und Olivenblätter im Oregano

Auch ohne die Absicht einer bewussten Fälschung können Lebensmittel für Verbraucherinnen und Verbraucher gefährlich sein. Neben diesem aktuellen Fall der Falschinformation bei Nahrungsergänzungsmitteln hat das BVL am Dienstag auch die Ergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung des gesamten vergangenen Jahres vorgestellt.

Eine Frau isst einen Eisbecher auf einem Freisitz.
In der Sahne auf dem Eisbecher könnte Desinfektionsmittel sein. Bildrechte: imago/Westend61

Wer etwa zum Kuchen oder Eis noch eine Portion Sahne bestellt, könnte Reste von Desinfektionsmitteln essen. Denn die Sahneaufschlagmaschinen, wie sie oft in Cafés oder Eisdielen stehen, müssen regelmäßig desinfiziert werden. Anschließend würde das Personal die Geräte jedoch häufig nicht mit klarem Wasser ausspülen, wie das BVL erklärt. Dadurch gelangten Reste von Reinigungs- und Desinfektionsmittel in die Sahne.

Auf ein Mettbrötchen mit rohem Schweinehackfleisch sollten Schwangere, Kinder und ältere Personen lieber verzichten, erklärte BVL-Präsident Cramer. Denn das könne Bakterien enthalten, die zu Darmentzündungen führen können. Von den 420 Proben, die das BVL im vergangenen Jahr untersuchte, wurden zwar nur in etwa sieben Prozent die gefährlichen Erreger nachgewiesen. Doch vor zehn Jahren waren es nur 0,8 Prozent positive Proben. Einen Grund für diesen Anstieg konnte das BVL nicht nennen. Es erklärte, die Suche nach der Ursache laufe noch.

Getrocknetes Oregano aus dem Supermarkt auf der Pizza oder in der Tomatensauce – viele nutzen das Gewürz zum Kochen. Und sie hätten auch einen Anspruch darauf, das zu bekommen, was auf der Packung draufstehe, sagte Michael Kühne von der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz. Doch in vielen untersuchten Proben fand das BVL im vergangenen Jahr klein gehackte Olivenblätter. Weil der Großhandelspreis für Gewürze im letzten Jahr gestiegen ist, vermutet Kühne eine bewusste Fälschung der Händler, um Oregano trotzdem weiterhin günstig verkaufen zu können.

Regelmäßige Berichte zur Lebensmittelüberwachung

Das BVL ist dafür verantwortlich, dass Lebensmittel in Deutschland auch wirklich das enthalten, was sie versprechen und wiederum nichts, was in der Nahrung nichts zu suchen hat. Die Behörde ist in Sachen Lebensmittelsicherheit die Schnittstelle zwischen den Ländern und dem Bund sowie zur Europäischen Union. Einmal jährlich stellt das BVG die Ergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung vor.

Wie kann man sich gegen Lebensmittelfälschung und gefährliche Inhaltsstoffe schützen?

Um sich vor gefährlichen Stoffen in Lebensmitteln und auch vor falschen Informationen auf den Verpackungen oder Produktbeschreibungen zu schützen, rät das BVL, sich online zu informieren. Das Bundesamt betreibt gemeinsam mit den Ländern die Plattform Lebensmittelwarnung.de. Auf dem Portal gibt es aktuelle Meldungen und Rückrufe von Produkten. Zudem kann man im eigenen Bundesland nach Warnungen zu bestimmten Lebensmitteln suchen.

Das BVL weist darauf hin, Produktinformationen – vor allem bei Online-Anbietern – gründlich zu lesen und zu hinterfragen. Bei vielversprechenden Wirkungen von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln – etwa gegen Krebs oder Corona – sollten die Verbraucherinnen und Verbraucher skeptisch sein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. November 2020 | 15:22 Uhr