Ein Mann fährt im Anzug auf seinem Elektroroller über eine Hauptstraße
Momentan ist es noch verboten: Ein E-Roller auf der Straße. Bildrechte: dpa

Bundesrat E-Scooter vor Zulassung

Am Freitag entscheidet der Bundesrat darüber, ob Tretroller mit Elektromotor auf deutschen Straßen erlaubt werden. Mit diesen sogenannten E-Scootern sollte man zunächst sogar auf dem Bürgersteig fahren dürfen. Nach viel Protest lautet der Vorschlag der Bundesregierung nun: Roller mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu zwölf Kilometer pro Stunde sollen auf Gehwegen, gemeinsamen Fuß- und Radwegen und in Fußgängerzonen erlaubt sein. Mit den schnelleren Rollern müsste man auf dem Radweg fahren.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Ein Mann fährt im Anzug auf seinem Elektroroller über eine Hauptstraße
Momentan ist es noch verboten: Ein E-Roller auf der Straße. Bildrechte: dpa

Ein bisschen genervt ist Katja Hofmann. Vor etwa eineinhalb Jahren hatte sie sich im Internet einen E-Scooter bestellt - weil die 32-Jährige zwar in Halle lebt, aber mehrmals pro Woche in Berlin arbeitet.

Verbot von E-Rollern nicht jedem bekannt

Mit dem Elektro-Roller wollte sie eigentlich immer vom Hauptbahnhof zur Arbeit flitzen. Für kurze Zeit klappte das auch gut. "Dann habe ich irgendwann gehört, dass die E-Roller ja gar nicht erlaubt sind und dass sie gerade beraten, wie das mit den E-Rollern weitergehen soll", erzählt Hofmann.

Ich hatte auf jeden Fall dann auch Schiss, dass ich von der Polizei angehalten werde und dachte: 'Oh Mist, ich kann mich zwar unwissend stellen, wie ich es ja auch war, aber das wird mir ja nicht weiterhelfen'.

Katja Hofmann

Deshalb habe Katja Hofmann aufgehört, mit dem E-Roller zu fahren, und ihn ein Jahr lang verstauben lassen.

Zu wenig Platz auf den Straßen

Tatsächlich ist es momentan in Deutschland verboten, mit einem sogenannten Elektrokleinstfahrzeug zu fahren, zu dem auch der Roller von Katja Hofmann gehört. Doch zumindest für Roller, die eine Geschwindigkeit von maximal 20 Stundenkilometern erreichen, wird an diesem Freitag im Bundesrat möglicherweise der Weg geebnet.

Das könnte Vorteile bieten, meint Stephan Rammler. Er ist Mobilitäts- und Zukunftsforscher und Direktor am Institut für Zukunftsstudien Berlin. Die Roller könnten die Mobilität in der Stadt verbessern. Allerdings nur dann, wenn sie auf die richtigen Bedingungen träfen, sagt Rammler.

Aber es gebe jetzt schon zu wenig Raum für die Fahrräder, die Menschen würden mit Rädern auf die Straße gehen und dort gebe es wiederum gefährliche Abbiegewege. "Und jetzt kommt noch eine eigentlich kluge Idee, nämlich eine elektrifizierte Kleinmobilitätsvariante, dazu und das macht es noch enger", meint Rammler.

Verleiher wünschen sich Weggang vom Auto

Das sehen Firmen, die solche E-Scooter künftig in deutschen Großstädten verleihen möchten, natürlich anders. Das Berliner Unternehmen "Tier mobility" steht bereits in den Startlöchern. Bodo von Braunmühl von der Unternehmenskommunikation freut sich auf die Roller, wenn sie denn kommen.

Die Scooter können von Braunmühl zufolge im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln als dem Auto - also Fahrrädern, öffentlichem Nahverkehr und so weiter - die Mobilität zu verändern. "Denn die Autos verstopfen die Straßen, sie stoßen Abgase aus und sind einfach wahnsinnig ineffizient, wenn so ein Tonnengerät nur eine Person bewegt", argumentiert von Braunmühl.

Das sind also viele gute Gründe, um Mobilität neu zu denken und die Scooter sind da auf der berühmten letzten Meile ein gutes Mittel.

Bodo von Braunmühl, Unternehmenskommunikation "Tier mobility"

Auch Katja Hofmann freut sich darauf, wenn sie ihren Roller legal nutzen darf. Ein Auto möchte sie sich nicht anschaffen und Straßenbahntickets seien teuer, sagt sie. Ein E-Roller sei perfekt, auch weil man nicht - wie mit dem Fahrrad - verschwitzt irgendwo ankomme.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Mai 2019 | 05:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

17.05.2019 13:10 Ekkehard Kohfeld 7

Ist durch den Bundesrat durch aber mit Auflagen.
Erst ab 14 Jahren und nicht auf dem Fuß sondern Radweg.

17.05.2019 10:55 Fragender Rentner 6

Hatte er nicht versprochen keine E-Roller auf den Fußwegen?

Und nun wohl doch?

Da sieht man wieder einmal was das Wort von Politikern wert ist.

17.05.2019 10:44 Brennabor 5

Wenn es durch die E-Scooter zu mehr Unfällen kommt,
können sie ja niemals umweltfreundlich sein.
Und ich sehe überhaupt keinen mobilen Vorteil, an
jedem Bordstein müsste man anhalten und wieder
anfahren. Abstellplätze vor Geschäften habe ich auch
noch nicht entdeckt. Also, für mich sinnloser Mist.

17.05.2019 10:40 Bundesbürger 4

Diese Gesellschaft wird immer blödsinniger! Schneller,weiter,höher...Da kommen erwachsene Menschen mit (Kinder-) Tretrollern auf Gehwegen daher und meinen mit solchen lächerlichen Gefährten besonders innovativ zu sein. Sind wir nicht mehr in der Lage uns "normal" zu bewegen? Reine Fußwege sind (von wenigen Ausnahmen radfahrender Kinder abgesehen) zu recht den zu Fuß gehenden vorbehalten. Schon jetzt aber werden Fußgänger dort von rücksichtslosen und egoistischen radfahrenden Zeitgenossen die entweder zu faul oder zu doof sind die für sie vorgesehene Straße zu benutzen bedrängt, angefahren und auch noch bepöbelt. Wo kann sich der Fußgänger in Zukunft noch sicher bewegen wenn solche Gefährte in auch noch seine Schritte behindern? Ein Appell für Anstand und Rücksicht an die Fahrzeuglenker gegenüber den Fußgängern auf Fußwegen wird sich erwiesenermaßen als sinnlos erweisen da bekannterweise, wie auf der Strasse, sich jeder selbst der nächste ist.

17.05.2019 10:32 colditzer 3

Die Infrastruktur in den Städten ist alt.
Straßen für Autos gibt es immer.
Fahrradwege manchmal.
Nun kommen noch E-Scooter dazu.
Wo sollen die, wie fahren.
Straße, Fußweg, Fahrradweg?
Die Verleihindustrie steht in den Startlöchern.
29 Tage hält solch ein E-Scooter lt.US-Magazin Quartz.
Dann ist er Schrott.
Neben Fahrradschrott noch zusätzlich Elektroschrott.
Bin auf die Entwicklung gespannt.

17.05.2019 08:36 Fahrradfahrer 2

Dann fahr ich mit dem Fahrrad ab sofort auch wieder auf dem Bürgersteig und behaupte, ich sei 11 Jahre alt und sehe nur aus wie ein Opa....:-)

17.05.2019 08:08 optinator 1

Wenn mir so ein Ding auf dem Gehweg als Fußgänger oder auf dem Radweg als Radfahrer gefährlich zu nahe und zu schnell kommt, gibt es ein ausgestrecktes Bein.

Egal wie schnell, extra Scooter-Wege anlegen oder komplett auf die Straße !