EKM-Studie Viele Pfarrer leiden unter Burnout

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen, Hochzeiten, Beerdigungen, Seelsorge – die meisten Menschen ahnen wahrscheinlich, dass Pfarrerinnen und Pfarrer viel zu tun haben. Und die Belastung, die dieser Beruf mit sich bringt, ist offenbar ziemlich hoch. Eine Studie, die von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in Auftrag gegeben wurde, zeigt: In der EKM ist fast jeder achte Pfarrer von Burnout betroffen.

In der Marktgemeinde in Halle ist Senioren-Nachmittag. Sieben ältere Damen sitzen am Tisch, trinken Kaffee und freuen sich darauf, der Pfarrerin, Simone Carstens-Kant, zuzuhören. Die war vorher in einer Baubesprechung – es ging unter anderem um die Renovierung der Marktkirche. Zwischen den Terminen hatte Simone Carstens-Kant Zeit für ein kurzes Gespräch.

Der Arbeitstag einer Pfarrerin

Wie lange dauert ein Arbeitstag als Pfarrerin? Carstens-Kant erzählt: "Also im Moment ist es so - das ist allerdings wirklich eine Moment-Situation - dass ich morgens so circa 8:30 Uhr aufbreche zu Hause und in der Regel, ich sage mal: Im Durchschnitt bin ich um 21 Uhr zu Hause."

Zwischen Frühstück und Feierabend liegen Besprechungen, E-Mails, Konfirmandenstunde, Besuche im Pflegeheim, Seniorenkreise und Gemeindekirchenratssitzungen. Am Sonnabend und Sonntag Gottesdienstvorbereitungen, noch einmal Besuche im Pflegeheim und der Gottesdienst selbst.

So kommt es zum Burnout

Telefonisch ist die Pfarrerin fast immer erreichbar, würde das vor allem jüngeren Kollegen aber nicht empfehlen: "Weil ich denke, genau das führt in so eine Burnout-Situation rein und die Gefahr ist zum Beispiel auch - die entdeckte ich bei mir und ganz vielen Kolleginnen und Kollegen -, dass man die privaten Termine streicht und das Private nicht ernst nimmt."

Das könne dazu führen, sich ausgebrannt zu fühlen. Dieses Gefühl lässt sich in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland auch in Zahlen ausdrücken. Die EKM hatte ihre Pfarrerinnen und Pfarrer gefragt: 'Wie geht es euch eigentlich?' Wie wichtig diese Frage scheinbar war, verdeutlicht der Personaldezernent der EKM, Michael Lehmann: "Auf einem Fragebogen klebte ein Post-it, auf dem stand: Danke, dass ihr gefragt habt."

Burnout bei jedem achten Pfarrer

Die Antwort auf die Fragen: Fast jeder achte Pfarrer spricht bei sich selbst vom berufsbedingten Burnout-Syndrom, mehr als jeder Dritte zählt zu einer Risikogruppe. Es würden zu viele Aufgaben auf einmal warten, fasst Michael Lehmann die Ergebnisse zusammen.

Die Pfarrer hätten nicht per se zu viel Arbeit, sondern zu viel fachfremde Arbeit. Das Spektrum der Herausforderungen sei alarmierend hoch, höher als in anderen Berufsgruppen: "Die Hitliste der belastenden Faktoren führt an das Wort Verwaltung, dicht gefolgt von dem Begriff berufsfremde Tätigkeit und dies wiederum dicht gefolgt von dem Begriff spontane Hausmeistertätigkeiten."

Reaktionen auf EKM-Studie

Die Ergebnisse sind auch für Martin Michaelis nicht überraschend. Er ist Vorsitzender des Thüringer Pfarrvereins – eine Art Betriebsratsvorsitzender für Pfarrer. Wenn er mit Mitarbeitern spreche, bemerke er oft, dass sie schon mitten im Burnout steckten und trotzdem weiter arbeiteten.

Er fordert mehr Bewusstsein dafür, was der Beruf eigentlich ist: "Nämlich ein geistlich-theologischer, der sich nicht zerfransen darf in allen möglichen Tätigkeiten, die eigentlich berufsfremd sind."

Als erste Reaktion auf die Studien-Ergebnisse hat die EKM eine Arbeitsgruppe gebildet. Man könne den Beruf des Pfarrers zwar nicht durch Beschlüsse verändern, aber konkrete Maßnahmen wie ein dienstfreier Tag oder die Möglichkeit, auch mal eine Auszeit vom Pfarrberuf zu nehmen, seien erste Konsequenzen, meint Personaldezernent Michael Lehmann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Januar 2020 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Strafrechts-Profit-eur vor 20 Wochen

Burnout ist sicher korrekt.

War es nicht so, das uns Psychiater, wenn es nicht um Hochwürdens geht, einzureden, hinter einem burnout verberge sich eine Depression, was übrigens genau falsch herum ist und eine falsche Behandlung der Depression statt des Burnouts nach sich zieht?