Zwei Fahrzeuge des Carsharing-Anbieters Teilauto
Vor allem die Kombination aus stationären Anbietern und Free-Floating-Fahrzeugen ist beliebt. Bildrechte: dpa

Sharing-Konzepte Lohnt sich Carsharing in Mitteldeutschland?

Carsharing-Konzepte sollen dafür sorgen, dass weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen wollen – denn in der Stadt steht das nur viel rum. Doch eine aktuelle Studie sagt: Das klappt gar nicht und es rechne sich auch nicht einmal für die Anbieter. Aber ist das wirklich immer so?

von Kristin Kielon, MDR AKTUELL

Zwei Fahrzeuge des Carsharing-Anbieters Teilauto
Vor allem die Kombination aus stationären Anbietern und Free-Floating-Fahrzeugen ist beliebt. Bildrechte: dpa

Es ist etwas laut bei Marcel Greiner am anderen Ende der Telefonleitung. Passenderweise kann er nur kurz im Auto telefonieren – denn Autos sind sein Geschäft. Er betreibt mit Jetzt-Mobil einen Carsharing-Anbieter in Halle. Hat er hier wirtschaftliche Schwierigkeiten?

An Kundschaft angepasst

Eigentlich nicht, meint Greiner. Denn nicht wie bei den großen Anbietern, die sehr viele Autos auf die Straßen stellen würden, mache er das Jetzt-Mobil "mit einer kleineren Charge und Augenmaß."

Und ganz genau abgestimmt auf die Wünsche der Kunden vor Ort, ergänzt Greiner. Er bietet ein sogenanntes kombiniertes System an. Denn Carsharing ist nicht gleich Carsharing.

Unterschiedliche Sharing-Modelle

Es gibt drei Modelle: Das stationäre Angebot, bei dem das Auto wieder in die Ausleihstation zurückgebracht werden muss. Das Free-Floating, wo man sich einfach ein Auto am Straßenrand nehmen und es dann am Zielort stehen lassen kann.

Und dann gibt es die kombinierten Systeme – meist stationäre Anbieter, die auch Free-Floating Autos anbieten, erklärt Gunnar Nehrke vom Bundesverband Carsharing. Und Studien würden zeigen, dass stationsbasierte und kombinierte Carsharing-Systeme stärker genutzt würden.

Free-Floating eher als Ergänzung genutzt

Bei den Free-Floating-Systemen sehe das anders aus. Die nutze man mehr für Taxi-Fahrten und häufig auch parallel zum eigenen Pkw-Besitz, erklärt Nehrke.

Doch diese Free-Floating-Systeme sind nur ein Ausschnitt des Marktes, ergänzt Nehrke. Dahinter würden meist große Autokonzerne stecken. Große Anbieter, die ausschließlich Free-Floating-Fahrzeuge haben, gebe es gerade einmal in sieben großen Städten.

Kombiniertes System am effektivsten

Car-Sharing-App auf einem Smartphone
Mit Carsharing-Apps findet man schnell ein Auto in nächster Nähe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bundesweit gibt es dagegen rund 740 Orte mit Carsharing-Anbietern, die meist regionale mittelständische Unternehmen sind, berichtet Nehrke. Das zeigt sich auch im Raum Halle-Leipzig: Neben Jetzt-Mobil gibt es noch teilAuto – ebenfalls ein regionaler Anbieter mit einem kombinierten Modell.

Wirtschaftlich die beste Idee, sagt Nehrke. Denn die Free-Floating-Angebote seien im Schnitt viel kostenintensiver. Auch die Expansion sei schwieriger und teurer. Deshalb hätte dieses Modell nicht die wirtschaftliche Tragfähigkeit wie die anderen Carsharing-Systeme, erklärt Nehrke.

Stationäres Carsharing umweltfreundlicher

Und dann gibt es noch einen entscheidenden Unterschied zwischen den verschiedenen Carsharing-Systemen, erklärt die Fachgebietsleiterin Umwelt und Verkehr im Umweltbundesamt Katrin Dziekan.

Denn bei den Free-Floating-Systemen sei die positive Bilanz auf die Umwelt nicht ganz erwiesen. Bei den stationsgebunden Carsharing-Anbietern hingegen wisse man, dass solche Autos dann vier bis acht Pkw tatsächlich ersetzen können, berichtet Dziekan.

Sharing-Modelle als Versuchslabor für Autokonzerne

Aber warum setzen BMW, Daimler oder VW dann überhaupt auf das Minusgeschäft Free-Floating? Nehrke vom Carsharing-Verband hat da eine Vermutung: strategische Gründe.

Auf ihren Autoflotten könnten die Konzerne künftig auch neue Technologien wie etwa autonomes Fahren ausprobieren. Und deshalb würden die Angebote wohl nicht verschwinden, obwohl sie sich als Investment eigentlich nicht rechnen.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2019, 05:00 Uhr

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2 Kommentare

12.08.2019 14:20 Johann 2

Ich nutze seit 4 Jahren Carsharing, habe keinen eigenen Wagen mehr. Ich habe in Dresden, Leipzig oder Chemnitz immer einen Wagen bekommen, wenn ich ihn brauchte. Die Kosten und Geschwindigkeit kann ich selbst bestimmen und sicher habe ich mich dabei auch immer gefühlt.

12.08.2019 10:49 Anton 1

Ein PKW ist vor allem deshalb von Wert, weil der in jede Sekunde fahrtbereit daneben steht. Carsharing ist aber eher wie Bahn: zu teuer, zu unsicher, zu langsam.