Epidemie Chinas Behörden: Neuer Coronavirus nicht unter Kontrolle

In China ist die Zahl der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Menschen innerhalb eines Tages sprunghaft gestiegen. Die Gesundheitskommission räumte ein, die Fähigkeit des Virus, sich auszubreiten nehme zu. Ein Grund dafür ist auch, dass der Virus bereits übertragen wird, bevor die die Lungenkrankheit bei einem Infizierten ausgebrochen ist.

Wuhan: Ein medizinischer Mitarbeiter überprüft den Tropf eines Patienten auf der Intensivstation des Krankenhauses «Zhongnan» der Universität Wuhan. China baut in aller Schnelle ein Krankenhaus zur Behandlung von Patienten, die mit dem neuen Virus infiziert sind.
In China sind inzwischen fast 2.000 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bildrechte: dpa

Die chinesischen Behörden haben eingeräumt, den neuartigen Coronavirus nicht unter Kontrolle zu haben. Der Leiter der Nationalen Gesundheitskommission, Ma Xiaowei, sagte, die Fähigkeit von 2019-nCoV sich auszubreiten, scheine zuzunehmen.

Übertragung bereits während der Inkubationszeit

Er verwies darauf, dass das Virus bereits währen der Inkubationszeit übertragbar ist, also schon bevor ein infizierter Symptome der Lungenkrankheit bemerkt. Die Inkubationszeit betrage im Schnitt zehn Tage. Es gebe aber auch Fälle, bei denen die Krankheit nach einem Tag ausgebrochen sei, die längste Inkubationszeit betrage 14 Tage.

Ärzte melden erste Behandlungserfolge

Bei der Behandlung von Patienten mit dem neuen Coronavirus haben chinesische Ärzte erste Erfolge gemeldet. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, der Zustand von elf infizierten medizinischen Kräften habe sich verbessert. Die klinischen Symptome seien unter Kontrolle gebracht worden. Das Fieber und andere Beschwerden seien zurückgegangen. Zudem seien Testergebnisse für das Virus danach negativ gewesen. Details über die Art der Behandlung im Xiehe-Krankenhaus der schwer betroffenen Metropole Wuhan wurden nicht mitgeteilt.

Infizierter steckt im Schnitt 2,6 weitere Personen an

Einer britischen Studie zufolge überträgt sich das neue Coronavirus relativ rasch von Mensch zu Mensch. Experten des Imperial College London berechneten, dass ein Infizierter bis zum 18. Januar durchschnittlich 2,6 weitere Personen angesteckt haben könnte. Erstmals offiziell bestätigt wurde das Virus Mitte Dezember in der zentralchinesischen Metropole Wuhan. Um den Ausbruch in den Griff zu bekommen, müssten umfangreiche Kontrollmaßnahmen vorgenommen werden.

WHO fordert gemeinsames Vorgehen

Wuhan: Sicherheitsbeamte kontrollieren eine Person am Eingang des Bahnhofs Hankou in Wuhan. Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt.
Für 40 Millionen Chinesen gelten Reisebeschränkungen. Bildrechte: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation WHO mahnte ein gemeinsames Vorgehen gegen die neuartige Lungenkrankheit an. Das Regionalbüro Europa teilte mit, in einer Zeit der Unsicherheit über die Entstehung und das Verhalten eines Virus ist es umso entscheidender, dass Länder, Organisationen und die internationale Gemeinschaft als Einheit handelten.

Dazu gehöre auch, auf lokaler und nationaler Ebene vorbereitet zu sein, um erkrankte Menschen aufzuspüren und auf das Coronavirus zu testen.

1.000 neue Fälle binnen eines Tages

Der Leiter des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle versuchte seine Landsleute zu beruhigen. Das neuartige Coronavirus sei nicht so gefährlich wie der Sars-Erreger. Die Atemwegserkrankung Sars wurde ebenfalls durch einen bis dahin unbekannten Coronavirus ausgelöst. Sie hatte sich 2002/2003 in China ausgebreitet.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO waren damals rund 8.000 Menschen weltweit erkrankt, mehr als 770 starben, die meisten in China und Hongkong.

Die Zahl der mit dem neuen Coronavirus infizierten Menschen war zuletzt sprunghaft gestiegen. Die chinesischen Behörden meldeten über 1.000 neue Fälle binnen eines Tages. Damit gibt es bis Sonntagmittag mehr als 2.000 Infizierte. 56 Menschen starben. Wuhans Bürgermeister geht sogar von 3.000 Infizierten aus. Er verwies auf die mehr als 2.200 Verdachtsfälle in den Krankhäusern der Stadt.

40 Millionen Chinesen sitzen fest

Wegen des rasanten Anstiegs verschärften die Behörden nochmals ihre Maßnahmen gegen die Epidemie. Ab Montag werden zunächst alle Gruppentouren von Chinesen ins Ausland ausgesetzt, Ende der Woche dann auch im Inland. Mehrere Millionenstädte sind praktisch abgeriegelt. Für rund 40 Millionen Menschen gelten Reisebeschränkungen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2020 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2020, 22:24 Uhr