Raumfahrt China fliegt zum Mond

Die Sowjetunion und die USA bekommen Konkurrenz: China hat eine historische Mission gestartet und will mit einem Raumschiff auf dem Mond landen, um erstmals seit über 40 Jahren wieder Gesteinsproben zur Erde zu bringen.

China hat seine nächste Mond-Mission begonnen. Eine Rakete vom Typ "Langer Marsch 5" hob mit der Sonde "Chang'e-5" an Bord vom Weltraumbahnhof Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan ab, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete.

Das unbemannte chinesische Raumschiff soll voraussichtlich am Sonntag auf den Mond landen. Bei der rund zweiwöchigen Mission soll das nach der chinesischen Mondgöttin "Chang'e 5" benannte Raumschiff 4,5 Kilogramm Gesteins- und Bodenproben einsammeln. Es wäre die erste solche Mission seit vier Jahrzehnten. Sollte sie erfolgreich sein, wäre China nach den USA und der Sowjetunion das dritte Land, das Gesteinsproben vom Mond zur Erde bringt.

Chinas sechste Mondmission

Das eingesammelte Material soll in einer Kapsel nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa Anfang Dezember in der Mongolei landen. Die Mission gilt als technisch herausfordernd. Anfang 2019 war China erstmals die Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelungen.

Der Mond leuchtet.
Die Proben sollen im Vulkangebiet "Ozean der Stürme" entnommen werden. Bildrechte: Gerald Perschke

Der chinesische Mondflug erfolgt 51 Jahre nach der ersten bemannten Mondlandung der USA am 21. Juli 1969, bei der Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin als erste Menschen die Oberfläche des Erdtrabanten betraten. Die USA haben sechs Mal Astronauten auf den Mond gebracht - zuletzt mit "Apollo 17" im Dezember 1972.

Flaggen der Kommunistischen Partei Chinas stehen an der Straße zum Startplatz des Kosmodroms Wenchang, auf dem eine Trägerrakete vom Typ «Langer Marsch 5» steht.
Die Rakete ist vom chinesischen Weltraumbahnhof Wenchang abgehoben. Bildrechte: dpa

Forscher erhoffen sich von den Proben wichtige neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität und die Geschichte des Mondes. Die Apollo-Missionen der USA hatten rund 380 Kilogramm Mondgestein mitgebracht. Die Sowjetunion sammelte insgesamt 300 Gramm ein - zuletzt mit der unbemannten "Luna 24"-Mission 1976, als rund 170 Gramm Mondstaub zur Erde gebracht wurden.

Testflug für bemannte Raumfahrt

"Chang'e 5" soll beim Sonnenaufgang auf dem Mond landen und einen Mondtag - zwei Wochen auf der Erde - bleiben. So muss das Raumschiff nicht mit besonderen Heizgeräten ausgestattet sein, um die extrem kalten Temperaturen der Mondnacht aushalten. Die Komplexität des dreiwöchigen Fluges gilt auch als Vorbereitung auf mögliche bemannte Mondlandungen in der Zukunft. 

Die Mission gilt als wichtiger Meilenstein für das ambitionierte chinesische Raumfahrtprogramm, durch das die Volksrepublik auch in der Raumfahrt eine Großmacht werden will. Die Regierung in Peking plant unter anderem die Inbetriebnahme einer eigenen Weltraumstation im All im Jahr 2022. In etwa zehn Jahren will die Volksrepublik erstmals einen Astronauten auf den Mond schicken und dort eine Raumstation errichten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. November 2020 | 22:00 Uhr