Mehrere Brände Nach Corona-Abriegelung: Brand im Flüchtlingslager Moria unter Kontrolle

Das Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist nach Angaben der Regierung weitgehend unter Kontrolle. Das überfüllte Flüchtlingscamp stand nach dem Ausbruch mehrerer Brände fast vollständig in Flammen. Es war vor wenigen Tagen wegen eines Corona-Falls unter Quarantäne gestellt worden.

Geflüchtete rennen während ein Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos brennt.
Das unter Quarantäne gestellte griechische Flüchtlingscamp Moria steht in Flammen. Bildrechte: dpa

Wenige Tage nach der Abriegelung des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos wegen eines Corona-Falls sind dort mehrere Brände ausgebrochen. Medienberichten zufolge stand bis in die Morgenstunden nahezu das ganze Lager in Flammen. Die Behörden hätten eine Evakuierung gestartet.

Nach Angaben der griechischen Regierung konnte das Feuer am Vormittag weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Ein Sprecher sagte, Ministerpräsident Kyriakos  Mitsotakis habe ein Krisentreffen in Athen einberufen. Medienberichten zufolge soll es keine Verletzten oder Toten geben

Moria ist das größte Flüchtlingslager in Europa. Es ist seit Jahren heillos überfüllt, zuletzt lebten dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12.600 Menschen. Das Lager war ursprünglich für 2.800 Geflüchtete gedacht.

Unruhen nach Corona-Abriegelungen

Vorangegangen waren Unruhen, weil das Lager seit voriger Woche nach einem ersten Corona-Fall unter Quarantäne gestellt worden war.

Am Dienstag wurde dann bekannt, dass die Zahl der Infizierten bei 35 liegt. Einige Bewohner hätten daraufhin das Lager verlassen wollen, aus Angst, sich mit dem Virus anzustecken, berichtete die griechische Nachrichtenagentur ANA.

Andere Infizierte und ihre Kontaktpersonen, die isoliert werden sollten, hätten sich hingegen geweigert, das Lager zu verlassen und in Isolation gebracht zu werden.

Brandursache unklar

Die Brandursache blieb zunächst unklar. Viele der etwa 12.600 Menschen, die zuletzt im Lager lebten, flohen nach Medienberichten in die umliegenden Wälder und auf Hügel, andere machten sich auf den Weg zur Inselhauptstadt Mytilini. Stellenweise sollen sich ihnen Inselbewohner entgegengestellt und ihnen den Weg versperrt haben.

Spannungen habe es in Moria immer gegeben, wegen der Corona-Problematik sei die Situation nun regelrecht explodiert, sagte Mytilinis Bürgermeister Stratos Kytelis dem griechischen Staatssender ERT. Man wisse nicht, wo die Menschen nun untergebracht werden sollten, Tausende seien obdachlos.

40-jähriger Somalier nach Rückkehr positiv getestet

Vergangene Woche war in Moria erstmals ein Geflüchteter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums handelt es sich um einen 40-Jährigen aus Somalia, dem im Juli Asyl gewährt worden war. Er sei danach nach Athen gefahren, habe dort aber keine Arbeit gefunden und sei nach Moria zurückgekehrt. Das Lager wurde daraufhin für 14 Tage unter Quarantäne gestellt.

Die Europäische Union sicherte derweil finanzielle Hilfen für minderjährige Flüchtlinge zu. Sie habe zugestimmt, die Kosten für den Transfer von rund 400 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen auf das europäische Festland aus EU-Mitteln zu zahlen, erklärte die Kommissarin für Inneres, Ylva Johansson, auf Twitter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. September 2020 | 07:00 Uhr